Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Nicht überzeugend: Girl on the Train – Paula Hawkins (Hörbuch)

8 Comments

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Paula Hawkins – Girl on the Train (Hörbuch)
Verlag: RandomHouse Audio
Übersetzer: Christoph Göhler
Sprecherinnen: Britta Steffenhagen / Rike Schmid / Christiane Marx
Laufzeit: ca. 10 Std. 40 Min.

 

 

Das kennt doch jeder von uns – man fährt im Zug und an einer Stelle fährt der Zug langsam oder hält gar für einige Minuten, wartet an einem Lichtsignal oder hat sonstige Gründe, warum er nicht weiterfährt. Da lässt man seinen Blick schweifen und wenn man Glück hat, ist es eine lebhafte Stelle, die einem Unterhaltung bietet. Dies geschieht auch Rachel, die jeden Morgen mit dem Pendelzug an der gleichen Stelle verharrt und dort die Häuser ihrer früheren Wohngegend erblickt. Sie sieht sogar ihr früheres Wohnhaus, in dem nun ihr Exfreund mit neuer Freundin und Kind wohnt. Doch eines Tages beobachtet sie in einem der Nachbarhäuser etwas Beunruhigendes…

Eine spannende und doch so alltägliche Ausgangssituation, die uns die Autorin hier bietet. Nun, Rachel beobachtet keinen Mord, aber eine Frau verschwindet und Rachel denkt, sie kann zum Auffinden der Verschwundenen beitragen. Doch es gibt ein Problem: Rachel ist alkoholabhängig und gönnt sich auf ihren Pendlerfahrten gerne mal Gin Tonic aus Dosen. Diese Tatsache verursacht eine zwiegespaltene Atmosphäre. Auf der einen Seite herrscht eine herrliche Spannung, ob Rachel nun etwas gesehen hat oder nicht, zum anderen ist es aber leider zu einem Großteil eine literarische Studie über eine Alkoholabhängigkeit und wie es dazu gekommen ist, gepaart mit Rachels Versuch sich an die Geschehnisse der Nacht von Megans Verschwinden zu erinnern.

Ein wenig Abwechslung bieten da die beiden anderen Perspektiven des Buches/Hörbuches. Megan lernen wir vor ihrem Verschwinden kennen und man bekommt eine weitere Möglichkeit mit zu raten, warum sie verschwunden ist und wer daran schuld hat. Einen ganz anderen Einblick liefert die Sichtweise Annas, die neue Freundin von Tom, Rachels Ex, die in Rachel eine permanente Bedrohung ihrer Vorstadtidylle sieht.

Leider konnte mich keine der drei Frauenfiguren so richtig überzeugen, auch wenn die Dreier-Konstellation an ein Kammerspiel erinnert. Für keine konnte ich so richtig Sympathie entwickeln und es ist mir auch recht lange nicht gelungen, die Stimmen der drei Erzählerinnen, welche die drei Frauen repräsentieren, auseinander zu halten. Hier hätte ich mir Stimmen gewünscht, die sich mehr unterscheiden und nicht so sehr ähneln, denn auch der Text gibt in den ersten Momenten oft keinen Aufschluss, wer gerade erzählt. So ist es mir passiert, dass ich mehrere Kapitel nochmal von vorne beginnen musste.

Unglücklicherweise war mir auch so ab der Hälfte klar, wer der Täter sein muss und es war nur noch offen, wie genau der Abend des Verschwindens sich abgespielt hat. Somit war die Spannung auch nur noch begrenzt vorhanden und das Hörbuch konnte mich mehr schlecht als recht fesseln. Ich vermute, ich habe mich hier von der medialen Aufmerksamkeit des Buches ein wenig den Kopf verdrehen lassen, denn ich habe von „Girl on the Train“ wesentlich mehr erwartet, als ich bekommen habe. Der Blick aus dem Zug, die Beobachtung und das Ungewisse der fehlenden Erinnerung sind wirklich gute Ansätze, die leider in einer recht banalen und in die Länge gezogene Auflösung gipfelt. Diese Ansätze habe ich bei Anne Goldmanns „Lichtschacht“ nicht nur wesentlich subtiler, sondern auch spannender umgesetzt gelesen.

Fazit:
Das Buch bietet gute Ansätze, deren Umsetzung aber leider nicht überzeugen konnte. Die Frauenfiguren waren sehr unterschiedlich in ihren Charakteren, aber mir mit zu ähnlichen Stimmen besetzt und ich konnte mich mit keiner identifizieren. Leider hat der mediale Hype nicht gehalten, was er versprochen hat.

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8 thoughts on “Nicht überzeugend: Girl on the Train – Paula Hawkins (Hörbuch)

  1. Leider hat der mediale Hype nicht gehalten, was er versprochen hat.

    – Das ist leider oft so.

    • Stimmt, aber ab und an falle ich doch darauf rein – könnte ja sein, dass ich ein Highlight verpasse. Ist allerdings noch nie vorgekommen….hmpf…

      • Der nächste Hype, den ich mir antun werde, wird Ecos *Nullnummer* sein.

        Ansonsten kaufe ich mir solche Hype-Bücher nicht, da mir noch nie eines gefallen hat. Aber das Kribbeln ist natürlich da.

  2. Der Hype ist natürlich wie meistens übertrieben. Aber ich fand die Konstruktion des Buches mit drei (unzuverlässigen) Erzählerinnen auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen schon ganz raffiniert.

    • Ich habe gemerkt, dass ich mit unzuverlässigen Erzählern/innen nicht so gut zurecht komme. Das war schon bei “Das Labyrinth” von Sigge Eklund so. Anne Goldmanns “Lichtschacht” war dann aber wieder sehr gut – man muss es halt einfach doch testen und sich ab und an darauf einlassen.

  3. Mir hat es ganz gut gefallen, allerdings liebe ich unzuverlässige Erzähler und bin bei dem Buch dadurch voll auf meine Kosten gekommen.
    Allerdings hätte es von mir auch keine volle Punkteanzahl gegeben. Soooo gut fand ich es wieder auch nicht. Aner lesenswert. 🙂

    • Ach, das Buch musste sich halt mit “Lichtschacht” messen und da hat es einfach verloren…. Aber es war schon ganz in Ordnung, auch wenn die unzuverlässigen Erzähler nicht so ganz meins sind.

  4. Pingback: Monatsrückblick August 2015 | Die dunklen Felle

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