Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Gemischte Gefühle: Freedom’s Child – Jax Miller

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Jax Miller – Freedom’s Child
Verlag: Rowohlt Polaris
Übersetzer: Jan Schönherr
359 Seiten
ISBN: 978-3499269752
14,99 €

 

 

 

Hmmm… so richtig zufrieden lässt mich der Thriller nicht zurück. Das Cover hat mich sofort angesprochen und auch der Klappentext ließ mich vor Aufregung „brummen“. Eine taffe Heldin in einer ausweglosen Situation – genau mein Ding, dachte ich. Tja, irgendwie schon, nur nicht in dieser Ausführung.

Freedom Oliver ist seit 18 Jahren im Zeugenschutzprogramm, nachdem sie ihren Mann erschossen hat und ihren Schwager dafür ins Gefängnis wandern ließ. Ihre beiden Kinder musste sie zur Adoption freigeben und sieht diese nur mal in Facebook. Früher war sie schwach, doch jetzt ist sie ein Miststück. Sie trinkt und raucht, lässt sich nichts gefallen und schlägt auch mal zu, wenn ihr einer dumm kommt. Und dann passieren zwei Dinge gleichzeitig: ihr Schwager wird aus dem Gefängnis entlassen und Rebekah, ihre Tochter, verschwindet.

Als der Leser Freedom Oliver aka Nessa Delaney kennen lernt, ist sie taff, störrisch und eine Säuferin. Sie jobbt in einer Bar, verprügelt auch mal die harten Kerle und hat doch ein weiches Herz. Mit dem jungen, schwachen Mädchen, welches in den wenigen Rückblenden gezeigt wird, hat sie so gar nichts zu tun. Und doch ist sie es. Früh verliebt, schwanger und verheiratet gerät sie an einen Psychopathen, Fremdgeher und Schläger. Die Geschichte endet nicht gut, der Mann stirbt, der Bruder wird verhaftet, Nessa kommt ins Zeugenschutzprogramm und wird zu Freedom.

Soweit, so gut. Nur habe ich das Problem, dass ich Freedom / Nessa zwei Dinge einfach nicht abkaufen kann. Das ist zum einen ihre totale Veränderung. Die wenigen Rückblenden haben gezeigt, wie schwach und hilflos sie früher war und – bumm – nun ist sie plötzlich die starke, unabhängige Frau. Das mag ich mir vielleicht noch dadurch erklären, dass da ja viele Jahre dazwischen sind, aber ich kriege die beiden Mädels einfach nicht zusammen, für mich fehlt hier die Verbindung.
Die zweite Sache, welche mich stört, ist, dass erst ihre Tochter verschwinden muss, bevor sie um ihre Kinder kämpft. Sie wurde mehr oder weniger überredet ihre Kinder zur Adoption freizugeben und ich kann nicht verstehen, warum sie nicht weiter um sie gekämpft hat, damals, als das Gericht sie freispricht und sie ins Zeugenschutzprogramm kam. Ich bin keine Mutter, aber gibt man seine Kinder so leicht auf? Vielleicht fehlen auch hier Rückblenden, die ihren Kampf – ob nun mit den Verantwortlichen oder ihren inneren Dämonen – aufzeigen, denn ich kann es einfach nicht ganz nachvollziehen.

Diese beiden fehlenden Verbindungen haben die Glaubwürdigkeit von Freedom Oliver untergraben und sie konnte mich einfach nicht überzeugen. Schade eigentlich, denn der Thriller an sich war spannend und schnell zu lesen. Zugegeben, die Bedrohung durch die Familie ihres verstorbenen Mannes hat mich enttäuscht, doch wie so oft lauert die Bedrohung überraschend in einer ganz anderen Ecke. Die Handlung wird auch nicht nur aus Freedoms Sicht erzählt, sondern aus mehreren Perspektiven, wie z. B. ihren Kindern oder auch einem befreundeten Polizisten. Einzig die Anfänge von Freedoms Kapiteln ging mir irgendwann auf den Keks, denn diese beginnen immer mit dem Satzstück „Mein Name ist Freedom Oliver und…“ Das wird mit der Zeit anstrengend.
Der Startpunkt des Thrillers ist Freedom, dann dröselt sich das Buch in verschiedene Stränge und Ereignisse, die zwischen West- und Ostküste der USA spielen, um dann wieder bei Freedom zusammen zu laufen. Der Thriller ist wie eine Treibjagd geschrieben, nur jagt hier jeder mal jeden. Es gibt Zusammenstöße und Zusammenführungen, Prügeleien und Schießeren, die Kirche und viele Tote. Die Abwechslung beschert dem Leser ein kurzweiliges und spannendes Lesevergnügen.

Fazit:
Eine abwechslungsreiche Jagd, quer durch Amerika, mit viel Spannung, Action und den unterschiedlichsten Charakteren und Perspektiven, deren Hauptfigur mich leider nicht überzeugen konnte.

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4 thoughts on “Gemischte Gefühle: Freedom’s Child – Jax Miller

  1. Eine sehr detailreiche Rezension. Danke. So kann ich mir ein super Bild machen.

  2. Auch diese Rezension ist mehr als gelungen. Habe in der Buchhandlung die ersten beiden Kapitel gelesen. Hat mich nicht gefesselt.

  3. Pingback: Monatsrückblick August 2015 | Die dunklen Felle

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