Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Schwesterliebe: Dope – Sara Gran

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Sara Gran – Dope
Verlag: Droemer
252 Seiten
ISBN: 978-3426304457
12,99 €

 

 

 

 

Ich gehöre zu den wenigen, die (noch) nicht die beiden Krimis „Stadt der Toten“ und „Das Ende der Welt“ um Sara Grans Ermittlerin Claire DeWitt gelesen hat, obwohl ich beide in meinem SUB beherberge. Nun ist aber jüngst ein weiteres Werk von Sara Gran, nämlich titelgebendes „Dope“ erschienen und da dies nicht zur Claire DeWitt Reihe gehört, habe ich das zum Anlass genommen, um in Sara Grans Werke reinzuschnuppern. Ehrlich gesagt bin ich nicht so komplett begeistert wie ich dachte oder erhofft hatte. Ob das etwas damit zu tun hat, dass „Dope“ schon 2006 aus Sara Grans Feder gesprungen ist, weiß ich nicht, diese Tatsache habe ich erst nach der Lektüre herausgefunden.

Joe schlägt sich mit Diebstählen durch, nachdem sie endlich vom Heroin losgekommen ist. Klar, das Leben ist nicht toll, aber immerhin ist sie nicht süchtig. Einen weiteren Ausblick bietet ein reiches Ehepaar, welches Joe auf die Suche nach ihrer abtrünnigen Tochter schickt. Das Mädchen, Nadine, ist in die weite Stadt gezogen, um zu studieren und dabei an Drogen hängen geblieben. Seit längerem ist sie verschwunden und wurde öfters in der Nähe von dem Zuhälter Jerry McFall gesehen. So macht sich Joe auf, um nicht nur Nadine zu suchen, sondern auch ihren eigenen Dämonen wieder zu begegnen, alles nur, um ein besseres Leben zu ergattern.

Hört sich nach einer Geschichte an, die in unserer heutigen Zeit spielt? Ja, irgendwie schon. Nichtsdestotrotz ist diese in den 50er angesiedelt, doch leider konnte sie mir das Flair nicht so richtig vermitteln. Nun sind die Fünfziger ja nicht so weit von uns entfernt und ich erwarte hier keine Hochsprünge, nur ist halt auch das Milieu, welches Joe durchstreift, in den Fünfzigern nicht sehr anders als heute. Drogenabhängige befinden sich am Rande der Gesellschaft, keiner will etwas mit ihnen zu tun haben, sie stehlen und lügen, sie erfinden Geschichten und vertrösten, sie sind nur solange Freund, bis Drogen vor ihrer Nasenspitze auftauchen, etc. Ok, die Männer tragen Anzug und Hut, die Frauen sind in die üblichen Klischees dieser Zeit gestopft (natürlich bis auf Joe) und so ein paar Kleinigkeiten kommen darin vor, aber so richtig wollte hier der Funke für mich nicht überspringen.

Nun ist aber nicht alles schlecht in „Dope“, sondern der vorige Absatz beinhaltet schon alles, was ich zu meckern habe. Kommen wir also zu den guten Seiten. Da ist natürlich allen voran Joe. Ich mag taffe Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen und gegen die Konventionen aufbocken. Eine Heldin mit Drogenvergangenheit ist desweiteren eine zusätzliche Herausforderung, vor allem, wenn sie ständig der Versuchung ausgesetzt ist. Da verfällt Joe schon mal kurz in Starre, weil sie an Dope denkt, doch letztendlich schafft sie es, nicht ein einziges Mal rückfällig zu werden. Der greifbare Plan vom besseren Leben hält sie davon ab, aber auch ihr unheimlich starker Wille. Und so schlängelt sie sich ihren Weg durch alte Freunde, Junkies und Nutten, Dealer und Zuhälter, Anwälte und Bullen, durchwandert ein gefährliches, aber eben auch ihr bekanntes Milieu, welches dem Leser ein ständiges, gespanntes Schauern entlockt.

Joe gibt es nicht einzeln, denn einen wichtigen Part übernimmt ihre Schwester, auch wenn sie nur selten auftritt. Als beide jünger waren, hätte Joe sich um Shelley kümmern müssen, da ihre Eltern nun ja, sowas wie nicht da waren, doch Joe war schon abhängig. So hat sich ihre Schwester abgenabelt und langsam aber sicher einen Namen als Model und Filmsternchen gemacht. Joe macht sich schwere Vorwürfe, aber sie respektiert, dass Shelley mit ihr nichts zu tun haben will. Wenn sie sich begegnen wird höflich geplauscht, aber mehr ist da nicht. Ein seltsames Verhältnis, welches die beiden verbindet und zufällig immer mal wieder aufeinander prallen lässt. Und natürlich steckt hier auch mehr dahinter, als man erst mal vermutet.

Ach ja, und dann ist da natürlich noch die Ermittlung. Das abhängige, aber von seinen Eltern geliebte Mädchen, welches Joe sucht. Und doch ist das nur der Ausgangspunkt eines kniffligen und lebensbedrohlichen Rätsels, in welches Joe hineinrutscht und am Ende nochmal komplett durch gemischt wird. Ohne dieses Finale hätte das Buch vermutlich in einer „Ja, ganz ordentlich“ Schublade geendet, so hat es bei mir aber noch den Platz „sollte man schon gelesen haben“ erreicht.

Fazit:
Ein 50er Jahre Flair konnte ich nicht so recht finden, doch die normal anmutende Ermittlung wird durch ein spannendes Milieu, eine selbstbewusste Heldin und einem grandiosen Finale zu einem wirklich guten Krimi.

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