Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Anstrengend: Das Labyrinth – Sigge Eklund

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Sigge Eklund – Das Labyrinth
Verlag: Dumont
Übersetzer: Nina Hoyer
384 Seiten
ISBN: 978-3832188399
11,99 €

 

 

 

Da ist diese Sache mit den falschen Erwartungen. Man bekommt ein Buch in die Hände. Sieht aus wie ein Thriller, wird beworben wie ein Thriller (mit dem markanten Spruch „Die schwedische Antwort auf „Gone Girl““, welches ich nicht kenne und wonach ich jetzt auch kein Bedürfnis mehr habe), wird im Klappentext beschrieben wie ein Thriller. Ist nur irgendwie keiner.

Die elfjährige Magda verschwindet. Es gibt keine Hinweise, keine Erpresserbriefe, keine Spuren, was mit ihr passiert ist. Ihre Eltern, Åsa und Martin, sowie Martins Kollege Tom und die Schulkrankenschwester Katja beleuchten nach und nach die Zeit vor und nach Magdas Verschwinden.

Das Buch wird abwechselnd aus der Perspektive der vier Protagonisten geschildert, desweiteren ändern sich die Zeiten. Mal passieren die Erlebnisse der Protagonisten vor Magdas Verschwinden, mal danach. Diese Zeitsprünge machen es dem Leser nicht gerade leicht, dem Geschehen zu folgen und man muss immer wieder mal an den Kapitelanfang springen, um die momentanen Geschehnisse in den Zeitablauf einzuordnen. Für mich ein weiteres Problem, für andere vielleicht gar nicht so schlimm, waren die durchgängigen unzuverlässigen Erzähler, denn allen vier Protagonisten kann man nicht vertrauen. Man zweifelt ständig an ihren Sichtweisen auf das Geschehen und ob die Dinge wirklich so geschehen sind, wie sie erzählen.

Die vier Protagonisten lernt man sehr genau kennen, wobei alle herrlich unsympathisch und undurchsichtig sind. Åsa, eine studierte Psychologin, hält ihre Emotionen in Zaum und kann deshalb die Öffentlichkeit nicht als Mutter einer verschwundenen Tochter überzeugen. Martin rückt ziemlich bald in den Fokus der Ermittlungen und bleibt fast durchgängig verdächtig, was die kleinen Geheimnisse, die er in seinem Leben hat, fast schon bestätigen. Tom ist Martins Kollege und im ersten Abschnitt scheint er fast ein Stalker zu sein, zumindest läuft er Martin hinterher wie ein treues Hündchen. Katja ist, zumindest zeitweise, die Schulkrankenschwester von Magda und sorgt sich – auch wieder nur kurzfristig – um sie, bevor ihre eigenen Probleme und Gedanken sie wieder beherrschen.

Magda, um die es eigentlich gehen sollte, bleibt im Hintergrund. Da auch die Zeit vor ihrem Verschwinden beleuchtet wird, fällt auf, dass sie schon davor seltsam abwesend war und auch ihre Eltern mehr mit ihren Problemen und Sorgen beschäftigt waren, als sich um ihre Tochter zu kümmern. Magda ist eine Einzelgängerin, die zwar gerne zum Spielen raus gegangen ist, aber nie mit anderen gespielt hat, sondern zu einem kleinen Waldstück, bei dem ein Labyrinth angelegt ist, gegangen ist.

Das Labyrinthische, welches dem Buch ja auch seinen Titel verleiht, findet sich immer wieder, nicht nur in dem Labyrinth im Wald. Die Gedanken und Aktionen der vier Protagonisten formen auch irgendwie ein Labyrinth. Verworren, mit Sackgassen und Irrwegen. Ein Thriller war es irgendwie nicht, es fehlt die Spannung. FÜr mich war es auch schwer zu lesen, es hat mich nicht so richtig gepackt. Es gibt sehr viele psychologische Aspekte, aber hier fällt mir eher so der Begriff „Küchenpsychologie“ ein. Was mir dann den Rest gegeben hat, war das Ende. Denn auch das war nicht definitiv, sondern schwammig offen. Der Autor bietet einen Lösungsansatz, doch bevor dieser bestätigt werden kann, ist das Buch aus.

Fazit:

Mein Buch war es nicht – zu wenig Thriller, zu viel psychologische Studie, ein wirrer Zeitablauf und unzuverlässige, dafür herrlich unsympathische Erzähler.

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