Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Wahrheit, Lüge, Paranoia: Der dunkle See – Conny Schwarz

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Conny Schwarz – Der dunkle See
Verlag: Dumont
318 Seiten
ISBN: 978-3832163099
9,99 €

 

 

 

Thea Dombrowski stolpert beim Jagdausflug in eine Leiche. Eigentlich wollte sie ja gar nicht, aber ihr Kollege hat sich mal wieder um diesen Artikel gedrückt. Und so kommt es, dass sie dem Jäger hinterher ins Haus rennt, in dessen Garten seine heißgeliebte Hirschkuh in die Luft gesprengt wurde. Sie übernimmt die erste Berichterstattung, doch danach gibt sie den Fall ab, denn eigentlich hat sie gerade viel zu viel am Hals. Als dann aber abends die Nachbarin klingelt und um Hilfe bittet, da Benni, ihr Teenagersohn, verschwunden ist, kann sie nicht umhin, doch zumindest diesen Fall zu hinterfragen.

Halbtagsjournalistin und Vollzeitmutter von Mari, ständig im Clinch mit ihrer eigenen Mutter Ute, von der großen Stadt ins kleine, schwäbische Wartenburg, zurück in die Heimat, das ist Thea Dombrowski. Nun ist sie zwar Journalistin mit Leib und Seele, aber eben nicht in der großen Stadt, sondern lokal, im kleinen, aber feinen Wartenburg. Den Halbtagsjob wuppt sie auch nur, weil ihre Mutter sie in der Kinderbetreuung unterstützt, trotzdem rasselt sie regelmäßig mit ihr aneinander. Es ist eben nicht einfach, als Tochter, die in die weite Welt zog, zurück in die Heimat und in Mamas Haus zurückzukehren. Und hier erkennt man schon, dass die Journalistin eben nicht nur Journalistin ist, sondern eben auch einiges an Privatem passiert und die Handlung beeinflussen. Nichtsdestotrotz ist Thea neugierig und beharrlich, ganz so, wie es sich für eine Vollblut-Journalistin gehört, und lässt es sich von Bennis Mutter auch nicht ausreden, nach Benni zu suchen, als diese am nächsten Tag ihre Meinung ändert. Und leider (oder glücklicherweise?) ermittelt sie nicht immer auf legalen Wegen.

„Lügenpresse“ ist ein markantes Wort in dem Krimi von Conny Schwarz (hinter dem Pseudonym verstecken sich Kristin Uhlig und Martin Maurer), aber auch den „Bundesgauckler“ findet man dort. Das hintergründige Thema ist die Frage: wie weit kann man der Politik trauen? In wie weit kann man der Presse trauen? Wird die Öffentlichkeit absichtlich „dumm“ gehalten? Das Thema rollt das Autorenduo an einer Geschichts-AG auf, in welcher der Lehrer Friese, nicht nur geschichtliche Themen bespricht, sondern auch Transparenz in Politik und Medien vehement einfordert. Ein Thema fesselt die Mitglieder der AG, zu der Benni gehört, besonders: der Polizistenmord von Heilbronn. Mit einem Auge blinzelt immer die rechte Szene hinter den Büschen hervor, Wagida hat sich auch zusammen gefunden und die „Initiative Rechtsstaat“ veröffentlicht illegaler weise Ermittlungsakten. Doch hängt das mit den Recherchen der Geschichts-AG zusammen? Und wie passt der Tote dort hinein?

Neben diesem ernsten Thema, das zwischen den Kapiteln mit Forumsbeiträgen gespickt ist, die einem die Richtung andeuten, aber natürlich bis zum Schluss nicht zu viel verraten, gelingt es dem Autorenduo aber auch einige herrliche, fast schon satirische Spitzen einzubauen, die den Krimi auflockern, aber nicht der Ernsthaftigkeit berauben. Zugegeben, das Ende war ein wenig überzogen und mir fehlte ein kleiner Baustein, der zur Nebenhandlung gehörte, aber da werde ich mal locker drüber wegsehen, denn der Rest war wirklich ausgezeichnet.

Ich muss ehrlich sein: ich hatte von dem Buch weniger erwartet. Man hat es sich doch angewöhnt, dass deutsche Titel im Krimigenre entweder ein Regionalkrimi oder ein Psychothriller ist –auch völlig in Ordnung, so ab und an mal, aber so als Krimi-Junkie ist man dem doch schnell überdrüssig.. Doch „Der dunkle See“ hat mich wirklich überrascht. Ja, es gibt schon einige Elemente, die man eben eher gemütlich nennen kann, aber das Thema und dessen Umsetzung reißt es wirklich heraus. Der Krimi war spannend und top aktuell, aber nicht bierernst. Ich hab mir den Vorgänger „Mädchen im Feuer“ gleich mal nachbestellt. Das sagt ja wohl alles.

Fazit:
Brisant, aktuell und mit einer Brise scharfem Humor – so muss deutscher Krimi sein und das Duo „Conny Schwarz“ hat dies perfekt umgesetzt. Bravo!

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