Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Unheimliche Mischung: Blutiges Echo – Joe R. Lansdale

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Joe R. Lansdale – Blutiges Echo
Verlag: Golkonda
Übersetzerin: Heide Franck
308 Seiten
ISBN: 978-3942396837
16,90 €

 

 

Ich habe das Buch kurz nach der Leipziger Buchmesse erhalten und ich habe wirklich keine Ahnung, warum ich es so lange habe liegen lassen. Jedenfalls hat es nichts mit dem Inhalt zu tun, denn auch dieses Lansdale Buch konnte mich voll überzeugen.

Harry Wilkes Leben ist ganz normal. Er wächst in einem kleinen Ort auf, gemeinsam mit seinem besten Freund Joey und verknallt in die süße Kayla. Eines Tages lässt er sich auf eine Mutprobe ein und gemeinsam mit seinen beiden Freunden geht er ins Honkytonk, eine Musikkneipe nicht weit von seinem Zuhause, in dem vor einiger Zeit die Inhaberin ermordet wurde. Als Harry die Kneipe betritt und gegen die Jukebox stößt, löst das Geräusch bei Harry eine Art Vision aus. Er sieht, wie die Inhaberin von einem Mann erstochen wird. Die Vision nimmt Harry mächtig mit und so kommt es, dass er zukünftig mit allen Mitteln vermeidet, dass Geräusche, die Gewalttaten beinhalten, vorkommen, auch wenn der später gefasste Täter mit dem Täter aus seiner Vision übereinstimmt. Erst als Kayla wieder in seinem Leben auftaucht, beschließt er, ihr zu helfen und seine Vision zur Aufklärung des Todes ihres Vaters zu nutzen, mit ungeahnten Folgen…

Der Klappentext verspricht einen „unheimlichen Thriller“ und ja, im letzten Drittel ist er das auch, doch davor ist es eher eine unheimliche Coming of Age Story über Harry (eigentlich Harold) Wilkes, einen Jungen bald jungen Mann, der mit der Tatsache leben muss, dass Geräusche bei ihm Visionen auslösen. Übrigens auch nur Visionen von Gewalttaten, keine guten oder positiven Visionen. So wird aus einem behüteten Kind, welche den frühen Tod des Vaters verkraften muss, ein paranoider Erwachsener, der viel zu viel trinkt und zu allen Orten ausgearbeitete Routen nimmt, damit er nicht auf ein Geräusch trifft, dass ihn aus der Bahn wirft. Diese ersten zwei Drittel des Romans zeigen, wie Harry damit umgeht, wo er herkommt und wie er sich sein Leben eingerichtet hat. Als Student trifft er dabei auf Tad, einen Kampfsporttrainer, den ein Schicksalsschlag in den Suff getrieben hat. Gemeinsam beschließen sie, dem Alkohol zu entkommen. Ungefähr zur gleichen Zeit trifft Harry auf Talia McGuire, eine wahnsinnig tolle Frau, die sich doch tatsächlich für Harry interessiert. Es scheint also aufwärts zu gehen.

Doch nicht alles ist so wie es scheint. Als Kayla, seine Freundin aus Kindertagen, nun Polizistin, wieder in sein Leben tritt, verändert sich alles. Sie glaubt nicht daran, dass ihr Vater vor vielen Jahren Selbstmord begangen hat und bittet ihn, ihr mit seiner Gabe zu helfen. Und ab hier beginnt der Thriller, denn natürlich hilft Harry, wenn auch erst zögerlich. Eine Vision ist noch lange kein Beweis und aus diesem Grund beschließen Harry, Tad und Kayla, nachdem sie den Täter durch die Vision kennen, Indizien und Beweise zu sammeln, doch das ist gar nicht so einfach. Letztendlich liefern sie sich am Ende ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem Täter, bei dem die drei Loser eigentlich nur verlieren können, und rasen in ein fulminantes Finale hinein.

Auch wenn die Thrillerelemente erst im letzten Drittel Gewicht bekommen, reißt einen die Geschichte sofort in seinen Bann. Man folgt Harry gerne in sein Erwachsenenleben, man möchte wissen, wie es mit ihm weiter geht. Die mysteriösen Visionen sind Teil der Geschichte und fügen sich nahtlos ein, der Erzählstil nimmt einen mit und lässt einen nicht mehr los. Auch bei diesem Roman/Thriller ist es Lansdale gelungen, mich für einen Tag in eine andere Welt eintauchen zu lassen, aus der ich abends glücklich wieder aufgetaucht bin.

Fazit:
Ein unheimlicher Roman, der in einem spannenden Thriller endet, mit liebgewonnenen skurrilen Charakteren und einem kleinen Schuss Fantastik. Was will man mehr? Hier ist einfach alles dabei!

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