Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Langatmig: Fukushimnobyl – Andreas Gröhl

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Andreas Gröhl – Fukushimnobyl
Verlag: Monogramm Verlagsgesellschaft
487 Seiten
ISBN: 978-3945458051
13 €

 

 

 

 

Schon vor einer ganzen Weile hatte ich dieses Buch in meinen Neuerscheinungen erwähnt, da ich den Klappentext recht interessant fand. Nun hatte ich entdeckt, dass es hierzu eine Leserunde geben sollte und hab mich spontan und kurzfristig dazu angemeldet. Nachdem das Buch lange auf sich hat warten lassen, habe ich die Leserunde im Ausland begonnen. So war das zwar nicht geplant, aber manchmal kommt es eben anders als gedacht. Und dieser Spruch trifft auch auf den Inhalt des Buches zu.

Verena Meier beginnt ihren neuen Job im Kernkraftwerk in Wesermarsch. Zwar hat sie früher, als Studentin, auch gegen Atomkraft demonstriert, aber sie braucht den Job, denn sie hat Mann und zwei kleine Kinder zu versorgen. Aber komisch ist es schon, dass sie die Stelle so schnell und unkompliziert bekommen hat. Als sie erfährt, dass ihr Vorgänger spurlos verschwunden ist und sie deshalb so schnell nachgerückt ist, macht sie das stutzig. Als sie dann einen bei der Löschung übrig gebliebenen Tagebucheintrag von Golo Hansen, ihrem Vorgänger, findet und daraus hervorgeht, dass Hansen bei der letzten Simulatorschulung einen Gau verursacht hat und dies auch im Kernkraftwerk selbst möglich ist, fängt sie an zu schnüffeln, ob Hansen wirklich selbst verschwunden ist oder vielleicht „verschwunden wurde“.

Verena Meier ist eine taffe berufstätige Frau, die leider eine Schwäche hat: Udo Lenker, ihren Ex-Freund. Der taucht auch just fast in dem Moment auf, als sie ihren neuen Job anfängt und geht ihr, aber auch dem Leser, gewaltig auf die Nerven. Na ja, so einen unsympathischen Charakter braucht ja doch jedes Buch, so zur Abwechslung. Auch wenn ich zugebe, dass ich wegen Udo Lenker ab und an das Buch zugeklappt habe. Auch die Tatsache, dass Verena, auch wenn sie sonst eine ganz vernünftige Frau ist, sich immer wieder auf Udos Spielchen einlässt und einfach keine Konsequenzen ziehen kann. Und damit habe ich schon einen Teil des Problems des Buches angesprochen.

Neben dem äußerst spannenden Thema Kernkraft und einem möglichen Gau innerhalb Europas, dem verschwundenen Kollegen und der „Miss Marple“-mäßigen Suche, die Verena im Kraftwerk durchzieht, zieht sich das Buch durch die Nebenhandlungen, Beschreibungen und Ausführlichkeit unnötig in die Länge. Verenas Beziehung zu ihren Eltern, die philosophischen Sprüche ihres Ehemanns oder auch die ausführlichste Beschreibung von Bremerhaven, die ich je gelesen habe, führen mitunter gemeinsam mit der Udo-Lenker-Beziehung zu einem Hin und Her, anstatt sich auf die Suche nach Golo Hansen, bzw. der Möglichkeit eines technisch herbeizuführenden Gaus zu konzentrieren.

Diese Langatmigkeit zieht sich durch das Buch und ist auch am verunglückten Ende mitverantwortlich, obwohl auch hier spannende Sequenzen dabei waren und das Ende des Endes genial gelöst war. Allerdings scheint es, dass der Autor allen Personen in den letzten 50 Seiten nochmal einen Kurzauftritt gewähren wollte, was allerdings im Leitstand des Kernkraftwerks unglaubwürdig erscheint. Auch sind die Aktionen dort konfus und unterbrochen von den geringsten Nebensächlichkeiten, so dass, trotz der genialen Lösung am Ende, doch ein schaler Nachgeschmack bleibt.
Das Buch war eher nicht meins, aber ich könnte mir vorstellen, dass Leser, die kein bestimmtes Genre bevorzugen, sondern überall „wildern“, damit glücklicher sind, als ich. Doch für mich war die spannende Suche nach dem verschwundenen Mitarbeiter nicht fokussiert genug und leider nur ein schwacher Handlungsstrang und das „bombastische“ Ende war leider recht chaotisch und unglaubwürdig.

Fazit:
Ein spannendes Thema, welche Verena Meier in Miss Marple Manier löst, doch leider mit vielen Nebenhandlungen und Beschreibungen, so dass das Buch langatmig wird und mit einem chaotischen Finale aufwartet.

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2 thoughts on “Langatmig: Fukushimnobyl – Andreas Gröhl

  1. Also “Fukushimnobyl” ist so ziemlich der absurdeste, trashigste Buchtitel der mit in den letzten Jahren untergekommen ist.

  2. Pingback: Monatsrückblick Juni 2015 | Die dunklen Felle

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