Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Ungewöhnlich: Night Train – Anne Kuhlmeyer

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Anne Kuhlmeyer – Night Train
Verlag: KBV
271 Seiten
ISBN: 978-3954412266
9,95 €

 

 

Es ist schon eine Weile her, dass ich „Night Train“ gelesen habe, denn ich hatte das Gefühl, das Buch erstmal wirken zu lassen und noch ein wenig nachzugrübeln. Was ist nach der Zeit noch übrig von dem Train-Thriller? Ganz einfach: Ungewöhnliches.

Nicola und André begegnen sich täglich im Pendlerzug von Leipzig nach Berlin. Eine Zufallsbekanntschaft, die aneinander geschweißt wird, als die beiden im Zug über eine Leiche stolpern. Zusammen flüchten sie, beide aus unterschiedlichen Gründen. Denn unterschiedlich sind die beiden. Nicola versteckt sich, sie ist im Zeugenschutzprogramm, weil sie in eine rechte Gruppe gerutscht ist und dann gegen diese ausgesagt hat. Andrè hingegen hält sich gerade so über Wasser, nachdem ihn seine reiche Freundin hat fallen lassen.

Wenn ich an das Buch denke, kommt mir ein Wort in den Kopf: ungewöhnlich. Und das zieht sich durch alle Bereiche. Schon alleine einen Thriller in Zügen zu schreiben ist eine ungewöhnliche Idee, doch auch die Charaktere, Nicola und André, sind nicht die typischen Thrillerprotagonisten. Zwei junge Menschen, fast noch Jugendliche, die durch ihr Leben trudeln, kein Ziel haben, aber viele Pläne schmieden. Durch einen Toten aus ihrem, nun ja, zumindest fast normalen und geregelten Leben gerissen. Und obwohl Andrè sich als Privatdetektiv versucht und die beiden auch etwas wie Ermittlungen unternehmen, ist ihre Flucht doch eher vom Hetzen zwischen den Zügen bestimmt, als von aktiven Aktionen. Und doch werden die beiden weiter angetrieben, können nicht stehen bleiben, nicht ausruhen.

Das Ungewöhnlichste ist die Sprache. Anne Kuhlmeyers Sprachstil ist einfach ein wenig anders als bei den „gemeinen“ Autoren. Schon bei „Es gibt keine Toten“ ist mir der Sprachstil aufgefallen, doch in „Night Train“ ist der Stil noch kunstvoller, irgendwie verwaschen, ungenau, vieles andeutend aber nichts aussprechend. Wirkungsvoll arrangiert, aber ein wenig surreal. Allerdings war dieser außergewöhnliche Sprachstil für mich am Ende auch ein wenig im Weg. Ich geb es zu, ich habe das Ende nicht ganz verstanden. Aber so wichtig ist das gar nicht, denn das Erlebnis bei „Night Train“ ist nicht die hintergründige Geschichte, sondern die Wörter, Sätze, Kapitel an sich. Die Sprache ist hier elementar, nicht die Geschichte selbst.

Fazit:
Ungewöhnlich, literarisch, kunstvoll – eine Flucht in Zügen, die sprachlich gekonnt arrangiert wurde.

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  1. Pingback: Über die Grenzen: Drift – Anne Kuhlmeyer | Die dunklen Felle

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