Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Unterschwellig: Der Killer von nebenan – Alex Marwood

5 Comments

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Alex Marwood – Der Killer von nebenan
Verlag: Heyne
Übersetzung: Barbara Häusler
461 Seiten
ISBN: 978-3453438163
9,99 €

 

 

 

 

Ein Krimi? Ein Thriller? Hm… ein Serienmörder kommt darin vor, ja, ein wenig Polizei auch – wobei sich das hauptsächlich auf den Prolog und den Epilog konzentriert, aber sonst? Fehlanzeige. Es geht um ein Haus. Ein Haus in der Beulah Grove. Die Beulah Grove ist eine Straße im Kommen, aber das Haus ist alt und ungepflegt. 6 Mieter wohnen da, der Vermieter holt bei den meisten das Geld bar ab, kümmert sich sonst aber kaum darum. Hat für beide Seiten Vorteile. Was macht das Haus mit seinen Bewohnern so besonders? Nun ja, jeder Hausbewohner hat so seine Geheimnisse und damit fängt das Kammerspiel an…

Da haben wir zum einen Collette. Sie ist neu im Haus. Sie ist auf der Flucht, doch mit ihrer Mutter geht es zu Ende und sie musste nach London zurück kehren. Mit einer großen Tasche voll Geld, die sie zufällig in der Hand hatte, als sie ihren Boss und seine „Angestellten“ bei der Maßregelung eines Mannes entdeckt, flüchtet sie von einem Ort zum anderen und wird doch immer wieder entdeckt.
Und dann ist da Cher, eigentlich Cheryl. Eine 15jährige Göre, die aus dem Pflegeheim getürmt ist. Sie hält sich mit Diebstählen über Wasser. Natürlich soll keiner wissen, dass sie erst 15 ist und das nutzt der Vermieter gnadenlos aus. Der lüsterne Kerl erhöht ihre Miete, mit der Hoffnung, dass sie nicht mit Geld zahlen kann.
Dem Vermieter schon lange ein Dorn im Auge ist Vesta, die alte Dame, die im Kellergeschoss wohnt. Doch die hat einen festen Mietvertrag. Keine Mieterhöhung, keine Kündigung. Schon ihre Eltern lebten in der kleinen Wohnung und Vesta ist nicht mutig genug, etwas anderes zu tun, woanders hinzuziehen.

Und dann haben wir noch drei Männer. Einer von ihnen ist Hossein. Er hat die Wohnung zugewiesen bekommen. Eigentlich aus dem Iran, ist er hier und wartet auf seine Arbeitserlaubnis. Er ist Journalist und das iranische Regime ist nicht gut auf ihn zu sprechen.
Ganz oben im Dachgeschoss wohnt Thomas. Ein komischer Kauz, der im Bürgerbüro arbeitet. Seit die Zeiten dort eingekürzt wurden, hat er viel Zeit und sucht Beschäftigung. Bei den Damen im Haus kann er allerdings gerade so ein wenig Sympathie einstecken, mögen tut ihn keiner.
Und zuletzt ist da Gerard. Den bekommt man nie zu Gesicht, man hört ihn nur. Ständig lässt er klassische Musik spielen. An einer Schule ist er rausgeflogen, nun unterrichtet er privat Schüler, doch bei allen Ereignissen, die auf dem Flur stattfinden – er kommt einfach nicht raus.

Ein jeder hat sein Geheimnis und will auf keinen Fall preis geben, was dies ist. Doch dann passiert ein schrecklicher Unfall in Vestas Wohnung und die Hausgemeinschaft – bis auf Gerard, denn der kommt ja nie aus der Wohnung – muss eine Zweckgemeinschaft bilden. Widerwillig werden nach und nach einige Geheimnisse gelüftet, doch das Misstrauen bleibt allgegenwärtig. Nicht ganz zu Unrecht, denn unter ihnen ist ein Serienmörder. Nikki, die Vormieterin von Collettes Wohnung, ist spurlos verschwunden. Na ja, nicht ganz spurlos, denn eigentlich befindet sie sich noch im Haus, getrocknet und gepflegt wie eine ägyptische Mumie. Es ist eine unterschwellige Spannung, die das Buch durchzieht. Zwar erlebt man immer wieder die Perspektive des Mörders, doch ohne zu wissen, wer es genau ist. Und doch weiß der Leser mehr als so mancher Hausbewohner. Und nach und nach verstricken sich die Hausbewohner in ihre Geheimnisse und decken sie dadurch auf. Solange, bis sie auch den Serienmörder finden…

Fazit:
Kein Krimi, kein Thriller, nennen wir es mal ein Spannungsroman, der mir ausgesprochen gut gefallen hat. Eine ausgeklügelte Erzählung mit wenigen Personen auf engstem Raum, die alle ihre Geheimnisse hüten und Tür an Tür mit einem Serienmörder wohnen.

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5 thoughts on “Unterschwellig: Der Killer von nebenan – Alex Marwood

  1. Schöne Besprechung, klingt vielversprechend. Aber Stephen King Zitate auf Buchcovern sind das Literatur-Arschgeweih des 21. Jahrhunderts, das könnten sich Verlage auch sparen. So inflationär wie der Lobpreisungen verteilt kann man dem doch keinen Glauben mehr schenken.

    • Diese Lobpreisungen sind für mich fast ein KO-Kriterium. Wenn es ein Buch/Autor/ Verlag nötig hat, sie zu drucken, besteht die Gefahr, dass ich mir beim Kauf einen stinkenden Fisch ins Haus hole – denke ich mal so!

      • Ganz so sehe ich das nicht. Bei Autoren, die niemand kennt, finde ich so ein Lob von etablierten Kollegen schon hilfreich. Wenn es nicht gerade von Stephen King ist, lese ich das auch durchaus mit Interesse, wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass 95% dieser “Zitate” in irgendeiner Form gekauft sind – oder Freundschaftsdienste. Als K.O.-Kriterium würde ich sie jetzt nicht bezeichnen, im schlimmsten Fall sind sie mir egal.

      • Also ich hab die Zitate darauf gar nicht gelesen – auch nicht das prägnante auf dem Cover vorne. In einem früheren Beitrag hab ich mich da auch mal darüber ausgelassen, wie ich diese Zitate finde. Mittlerweile ignoriere ich sie einfach und mache mir meinen eigenen Eindruck.

  2. Pingback: Monatsrückblick Mai 2015 / Vorschau Juni 2015 | Die dunklen Felle

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