Die dunklen Felle

Krimis, Schafe – und Felle.

Fußball Noir: Abpfiff – Dominique Manotti

Ein Kommentar

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Dominique Manotti – Abpfiff
Verlag: Argument
230 Seiten
ISBN: 978-3867541978
17 €

 

 

 

Fußball also. Darum geht es in dem neuen Manotti. Hmm, da mag sich der ein oder andere denken, lieber nicht, manche stürzen sich vermutlich begeistert drauf. Ich gehöre eher zur ersten Kategorie, wobei der Name Manotti mich einfach überzeugt hat. Manotti schreibt über Fußball? Egal – ein Manotti ist ein Manotti und überhaupt wollte ich da schon lange mal wieder einen lesen – warum also nicht den neusten auf Deutsch erschienenen Titel „Abpfiff“, der dritte übersetzte Teil um Comissaire Daquin?

Vor einer Einkaufsmeile werden zwei Personen erschossen, von zwei Tätern auf einem Motorrad. Die eine ist Nadine Speck und die andere ist Romero, Drogenfahnder in Daquins Abteilung. Doch keiner wusste von seinem Treffen mit Speck – und wer ist überhaupt Nadine Speck? Die Täter sind schnell gefasst, doch sie wurden für den Mord beauftragt. Speck ist die Schwester des Stadionwartes des FC Lisle-sur-Seine und die Verbindung zum Verein macht Daquin stutzig. Der Verein steht kurz vor dem Aufstieg zum französischen Meister und Vereinspräsident Reynaud, gleichzeitig Bauunternehmer und Bürgermeister, versucht mit allen Mitteln die Ermittlung in eine andere Richtung zu drehen. Doch nicht mit Daquin.

Nach der Lektüre kann ich zum Thema Fußball zumindest mal das folgende sagen: alles halb so schlimm. Es geht nämlich nicht um das Fußball spielen an sich, sondern um die Hintergründe. Gut, man liest sich auch mal durch ein Spiel, doch der Fokus liegt auf dem Dickicht hinter einem Verein, einem 1. Liga Verein, einer Geldmaschine par excellence. Fußball ist zwar das Stichwort, doch es geht um weit mehr. Ein bunter Strauß an Verbrechen lässt sich hinter der Fassade eines Fußballvereins finden – zumindest in „Abpfiff“, von Doping bis zum Drogenhandel, von Geldwäsche bis Korruption, untermauert mit Intrigen, Mauscheleien und Betrügereien. Ein Facettenreichtum, der nun mit zwei Morden garniert wurde. Der Mord an Romero ist der Stein des Anstoßes. Daquin, eigentlich in der Drogenfahndung, dreht es so, dass er und seine Kollegen ermitteln können. Nicht immer einwandfrei oder sagen wir mal, frei ausgelegt, aber mit viel Raffinesse und Gerissenheit.

Doch das alles ist – fast – nebensächlich, ein Mittel zum Zweck. Das Thema Fußball, die Verbrechen, die Charaktere… Der Stil, die Sprache, das ist es, worauf es ankommt. Wenn mal wieder jemand einen Artikel veröffentlicht und behauptet, Krimi sei keine Literatur, dann hat der wohl noch nie etwas von Dominique Manotti gelesen. Minimalistisch verknappt, aufs Wesentliche konzentriert, hart und unnachgiebig, ins Gesicht gespuckt. Schon in „Ausbruch“ ist der Stil unverkenntlich, doch hier scheint es mir noch ausgeprägter, noch knapper, noch klarer.

Und dieser Stil, diese Sprache ist es, die die Geschichte bilden, die Charaktere festigen und den Leser mit fortspülen. Man saust durchs Buch, die Spannung ist förmlich greifbar, der Druck, unter dem die Polizisten stehen, die Zeit, die den Ermittlern davon fliegt. Ach, und irgendwie hat es doch das Thema Fußball sein müssen. Ein Thema, dem man die Maske abreißen kann, um das faulige Innere zu zeigen. Ob jeder /alle /viele Fußballvereine so ein marodes Inneres zeigen? Ich weiß es nicht, aber vorstellen kann ich es mir jetzt durchaus. Und wenn dann ein Fußballverein seziert wird, dann doch bitte von Dominique Manotti – denn nur so hat man ganz nebenbei noch einen literarischen Leckerbissen.

Fazit:
Ihr interessiert Euch für Fußball? Lest das Buch. Ihr interessiert Euch nicht für Fußball? Lest das Buch.
Ihr wollt nicht? Dann verpasst Ihr ein Meisterstück. Lesen, lesen, lesen, lesen Punkt

Ein Kommentar zu “Fußball Noir: Abpfiff – Dominique Manotti

  1. Bei Manotti kann man nichts falsch machen. Obwohl sie ja eine alte Linke ist und die haben es ja eher nicht so mit Fußball…;)

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