Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Politisches Verwirrspiel: Der achte Zwerg – Ross Thomas

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9783895812514
Ross Thomas – Der achte Zwerg
Verlag: Alexander Verlag Berlin
350 Seiten
ISBN: 978-3895812514
14,90 €

 

 

 

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Minor Jackson auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. Als er Nicolae Ploscaru, einen kleinwüchsigen Rumänen, trifft, tun sich beide zusammen, um einen Auftrag zu übernehmen. Von der Familie werden die beiden auf die Suche nach Kurt Oppenheimer geschickt. Der hat sich mittlerweile zum professionellen Killer entwickelt und macht Jagd auf frühere Nazi-Verbrecher. Aber nicht nur seine Familie sucht ihn, sondern auch die verschiedenen Geheimdienste der Besatzer. Doch Oppenheimer weiß sich zu tarnen und zu täuschen und so beginnt eine Jagd durch die Besatzungszonen des Nachkriegsdeutschlands.

Obwohl Minor Jackson die Hauptfigur ist, geht er fast unter in dem Geplänkel und Verwirrspiel der verschiedenen Geheimdienste und des Zwergs. Denn ob er Ploscaru trauen kann, ist immer in der Schwebe. Nun ist „Der achte Zwerg“ ja ein Standalone und die einzige Chance Minor Jackson näher kennen zu lernen und doch gelingt einem das kaum. Er hat im Krieg für den OSS (Office of Strategic Service – Vorläufer der CIA) gearbeitet und findet sich zwischen den einzelnen Parteien gut zurecht. Er zeigt ein gesundes Misstrauen zu allen Parteien, doch nicht so offensichtlich wie vermutet. Jede Partei versucht ihn für sich einzunehmen, denn im Gegensatz zum Zwerg – dem alle nicht über den Weg trauen – ist Minor Jackson fast ein unbeschriebenes Blatt. Man weiß nicht, in welche Richtung er tendiert und wem er vertraut bzw. für welche Ziele sein Herz schlägt.

Doch Minor bleibt wie gesagt etwas zurück. Man erlebt viele Passagen aus der Sicht der unterschiedlichen Geheimdienste auf ihren verschiedenen verschlungenen Wegen. Die Amerikaner und die Engländer, die offen und auch miteinander agieren, aber durchaus jeder eigene Ziele verfolgt. Die Russen, die mit Spitzeln und verdeckt arbeiten. Die Franzosen halten sich zurück. Ach ja, und dann ist da ja noch Oppenheimers Familie. Die den verlorenen Sohn in den Schoß der Familie zurückholen will. Tja, auch das ist nicht so wie es scheint, denn auch die geliebte Familie hat eigene Ziele. Einzig unbeteiligt und auf keinen Vorteil bedacht – außer vielleicht heil aus der Sache herauszukommen und ein wenig Geld zu bekommen – ist Minor Jackson.

Oppenheimers Sicht folgt man auch einige Zeit und es ist schon bewundernswert, wie er sich durchschlägt und nicht ganz so verwunderlich, dass er geworden ist, was er ist. Zumal man ihm als Leser das auch gar nicht übel nehmen kann. Er ermordet einen Fälscher, der Nazi-Verbrechern eine weiße Weste besorgt und klaut dessen Liste, die er beginnt gewissenhaft abzuarbeiten. Hat jemand Mitleid mit den Nazi-Verbrechern? Wohl kaum, doch jeder glaubt zu wissen, wie er Oppenheimer für seine Ziele nutzen kann. Ob das Oppenheimer nun gefällt oder nicht.

Die Atmosphäre ist aufgeladen – keiner traut dem anderen, es herrscht Misstrauen, versteckt hinter freundschaftlicher Kameradie. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und es gibt einige herrlich komische Stellen, die durch bissige Kommentare und die skurrilen Charaktere leben. In dieser aufgeladenen Atmosphäre gelingt es dem Autor ganz nebenbei das Nachkriegsdeutschland zu verdeutlichen. Schwarzmarkt, versteckte Kneipen, Zigaretten als Zahlungsmittel, Menschen, die alleine in einem Haus leben und es gut haben, Menschen, die dürr sind und in Häusern zusammengepfercht. Nach dem Krieg eben. Puristisch auf der einen Seite, verschwenderisch auf der anderen – auch hier klar getrennt: arm und reich.

Und doch ist letztendlich klar, worauf das Verwirrspiel der Besatzungsmächte hinausläuft, wie das Ende sich gestaltet. Ist Euch nicht klar? Ja, dann, dann müsst ihr das Buchwohl auf jeden Fall lesen, herausfinden, warum Ploscaru der achte Zwerg ist und wer am Ende gewinnt und verliert.

Fazit:
Ein grandioses politisches Verwirrspiel in den Besatzungszonen der Nachkriegszeit, mittendrin Minor Jackson, der keinem trauen kann und natürlich – der achte Zwerg.

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