Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Kaleidoskop des Bösen: Das Handwerk des Teufels – Donald Ray Pollock

5 Comments

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Donald Ray Pollock – Das Handwerk des Teufels
Verlag: Liebeskind
303 Seiten
ISBN: 978-3935890854
19,80 Euro

 

 

 

 

Ein wenig hab ich mich über den Klappentext ärgern müssen. Dort werden Ereignisse geschildert, die erst im letzten Drittel des Buches passieren. Klar, ein mordendes Pärchen, dass durch die Lande zieht und Anhalter umbringt, zieht Leser an, doch der Krimi von Herrn Pollock hat doch so viel mehr zu bieten.

In “Das Handwerk des Teufels” zeigt der Autor die Verkettung von Ereignissen und Personen über den Lauf von 10 – 20 Jahren hinweg. Carl und Sandy, das mordende Pärchen, ist ein Teil davon, doch der Fokus liegt auf Arvin Russell. Als Arvins Mutter Krebs bekommt, mutiert sein Vater vom religiösen zum fanatisch-religiösen Menschen. Der errichtete Altar im Wald wird erst mit Tieropfern, später sogar mit menschlichen Blutopfern dekoriert und der Vater zwingt seinen Sohn stundenlang hier zu beten. Helfen tut das archaische Ritual allerdings nicht. Arvins Mutter stirbt und sein Vater nimmt sich das Leben. Arvin landet bei seiner Großmutter. Erstaunlicherweise geht der religiöse Wahn fast ohne Auswirkungen an Arvin vorbei, doch etwas nimmt er doch von seinem Vater mit: man darf sich nichts gefallen lassen – wenn einer dich angreift, warte auf den geeigneten Zeitpunkt und zahle es ihm mit gleicher Münze heim.
Dieser Leitspruch bringt Arvin mal weniger, mal mehr Ärger ein und lässt ihn schließlich auf Carl und Sandy treffen.

Die Atmosphäre, die Pollock schafft, scheint trostlos, ja fast ein wenig belanglos, aber auf jeden Fall düster. Die Geschehnisse um den Altar im Wald oder auch Carl und Sandy brechen hier nicht aus, sondern passen sich ein. Es ist keine Geschichte, die dem Leser Hoffnung spendet oder gar ein Happy End verspricht. Über mobbende Teenager, korrupte Sheriffs bis hin zu dem Klischee schlechthin: pädophilen Pfarrern, bietet Pollock eine Bandbreite an Charakteren, die in einem kaleidoskopartigen Strudel auf ihr Verderben zurasen. Keine Sorge, es überlebt schon jemand, aber zugegebenermaßen nicht viele. Könnte eine trostlose Geschichte sein, die der Autor hier geschrieben hat. Ist es aber nicht.

Die alles verbindende Komponente ist die Religion und damit auch der Teufel. Nicht umsonst findet dieser sich im Titel wieder. Neben Arvins Verbindungen zur Religion haben wir noch Leonora, eine Halbwaise, die bei Arvins Großmutter lebt und sehr fromm ist, Leonoras Vater Roy, der gemeinsam mit dem im Rollstuhl sitzenden Theodore als Wanderprediger durch die Lande zieht und natürlich den neuen Pfarrer, der sich den weiblichen Teenagern voller Hingabe zuwendet. Es gibt so viele verdorbene Charaktere in „Das Handwerk des Teufels“ und nur wenig Lichtblicke. Selbst Arvin, der Leonora immer beisteht und eigentlich recht anständig agiert, greift, wenn nötig, eben auf den Leitspruch seines Vaters zurück und streut Vergeltung.

So, jetzt hab ich mit ganz vielen schweren, düsteren Worten um mich geworfen und ihr fragt Euch bestimmt, warum Ihr das dann lesen sollt. Ganz einfach: „Das Handwerk des Teufels“ ist ein Kunstwerk. Gespickt mit den schlimmsten Taten, die man im Namen des Herren, begehen kann, geht es damit nicht hausieren, sondern präsentiert das Ganze herrlich normal und alltäglich, fast erschreckend realistisch. Es ist kein aufregendes Buch – und das obwohl Herr Pollock die Bandbreite an möglichen Verbrechen so ziemlich ausgeschöpft hat. Es ist nebensächlich und dadurch einfach großartig.

Fazit:
Ein Kaleidoskop an Verbrechen, verteilt auf zwei Jahrzehnte, im trostlosen Ohio – von mir gibt es eine absolute Empfehlung.

5 Schafe

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5 thoughts on “Kaleidoskop des Bösen: Das Handwerk des Teufels – Donald Ray Pollock

  1. So sieht es aus. Seine Kurzgeschichten (“Knockemstiff”) sind auch nicht zu verachten.

  2. Und schon wieder ein Buch mehr auf der Liste, uff.

    Tatsächlich stand es schon mal auf meiner Vormerkliste, hab mich dann aber für KNOCKEMSTIFF entschieden, das mir aber nur durchschnittlich gefallen hat. Daneben gegriffen nennt man das wohl. 😉

    Deine Rezension verleitet mich dazu, DAS HANDWERK DES TEUFELS zu versuchen. Liebe Grüße, Iris

  3. Pingback: Der Literatur-Spiegel im August 2016 - Meine Highlights

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