Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Zwei wie Pech und Schwefel: Wilder Winter – Joe R. Lansdale

3 Comments

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Joe R. Lansdale – Wilder Winter
Verlag: Golkonda
204 Seiten
ISBN: 978-3944720395
16,90 €

 

 

Was für Typen! Hap Collins und Leonard Pine, zwei Freunde, durch dick und dünn, aber deswegen muss man den anderen ja nicht mit Samthandschuhen anfassen. In diesem Lansdale Krimi um das Duo Hap und Leonard fliegen die derben Sprüche noch und nöcher. Und natürlich auch ein paar Kugeln.

Alles beginnt mit Trudy. Haps Ex. Die taucht plötzlich auf und will Hap für eine Suche engagieren, na nennen wir es mal besser animieren. Gesucht wird das Geld aus einem Bankraub. Die Bankräuber alle tot, das Geld wasserdicht verpackt in einem Flussarm, in Marvel Creek, dort wo Hap aufgewachsen ist. Trudy ist Teil einer Truppe, welche die 60er mit dem geklauten Geld wieder beleben möchten. Oder zumindest den Zeitgeist, den Kampf gegen das Establishment. Hap zieht Leonard mit hinein und schon befinden wir uns im arschkalten Winter mitten in der Wildnis mit einem Trupp zusammengewürfelter Versager, die nach Geld buddeln. Ist doch klar, dass das nicht gut gehen kann.

Mit Hap und Leonard hat Lansdale zwei Figuren geschaffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nicht nur die äußeren Umstände (weiß/schwarz, hetero/schwul, Veteran/Verweigerer), sondern auch die Einstellung der beiden ist grundverschieden. Während Hap eher der nachsichtige, leicht zu umgarnende liebenswerte Kerl ist, der den 60ern manchmal sentimental nachtrauert, ist Leonard der harte, sarkastische Arsch an seiner Seite, für den die 60er nur eins bedeuten: Krieg. Ihre Gespräche untereinander, aber auch mit anderen, triefen vor Sarkasmus und Ironie, sind bissig und manchmal hart an der Grenze – für den Leser also ein wahrer Genuss. Das Leben hat die beiden zusammen gebracht und auch wenn beide ein eigenes Leben leben, leben sie doch irgendwie eins gemeinsam. Ein wenig desillusioniert halten die beiden sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und leben so vor sich hin. Aber sie sind ein unzertrennliches Paar – das muss auch Trudy, die Femme Fatale dieser Geschichte, schnell feststellen.

Sie ist, wie auch die anderen der Truppe, so wenig wie möglich, aber doch so viel wie nötig beschrieben. Die Gruppe ist gut gezeichnet und sehr vielschichtig. Aber es sind eben ganz einfache Leute, ein bunt zusammen gewürfelter Haufen. Trudy ist ganz einfach berechnend, immer auf ihren Vorteil aus – und eine Spatzmörderin. Howard, Trudys Freund, ist sowas wie der Anführer und politisch überzeugt. Genauso wie Chub, der allerdings viel zuviel Psychotherapie über sich ergehen hat lassen müssen. Er lächelt einfach alles weg. Und geht damit jedem tierisch auf den Zeiger. Ja und dann gibt es da noch Paco. Der harte, undurchsichtige Kerl, den unser Duo infernale noch näher kennen lernen wird. Figurentechnisch wird es am Ende noch ein wenig klischeehaft und überzogen, doch auch das fügt sich in das Gesamtbild und gibt dem Finale einen zusätzlichen Kick.

Da sind wir jetzt also: eine Gruppe Möchtegern-Verbrecher und ein Batzen gestohlenes und verloren gegangenes Geld. An sich verspricht das schon eine tolle Story und viele Komplikationen. Das Geld wird gefunden, aber das ist noch lange nicht das Ende. Natürlich betrügt jeder jeden und nichts läuft wie es soll und steuert unweigerlich auf eine riesige Katastrophe zu. Das Finale hat es dann auch gewaltig in sich und explodiert wahrlich. Und das alles im tiefen, arschkalten Winter. Doch zusätzlich kriegt man noch einen Bonus. So ganz nebenbei – heimlich, still und leise – entmystifiziert Lansdale die 60er, so dass es einem fast erst auffällt, wenn man eigentlich schon fertig ist mit dem dünnen Büchlein. Doch auch diese Sozialkritik fügt sich ein und stört sich nicht an der harten Story drum herum. Alle aus der Gruppe hatten hohe Ziele in den 60ern und nun zeigt sich, dass nichts davon so geworden ist, wie vorgestellt. Keiner hat bekommen was er erhofft hat und steht jetzt desillusioniert und leer da. Das Geld aus dem Bankraub soll diese Leere füllen – komme was wolle. Das diese Traumblase platzt ist ja fast schon vorprogrammiert. Oder?

Fazit:
Einfach, komplex und kritisch – geht nicht? Geht doch. Und zwar mit dem Duo infernale, Hap und Leonard. Nichts für sanfte Gemüter, aber ich freue mich auf weitere Teile.

4 und ein halbes Schaf

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3 thoughts on “Zwei wie Pech und Schwefel: Wilder Winter – Joe R. Lansdale

  1. Hallo, ich suche nach einem guten(Jugend-) Thriller. Ich liebe die Bücher Erebos, Tote Mädchen lügen nicht und der Joker. Es wäre nett wenn du mir ein gutes Buch empfehlen könntest!!!❤️ Liebe Grüße Jacqueline

    >

    • Hmmm… da bist Du bei mir, glaube ich, falsch. Ich lese keine Jugendthriller und auch eher weniger Mainstream. Die von Dir genannten kenne ich alle nicht und kann deshalb auch keinen Vergleich anstellen. Viel Glück bei Deiner weiteren Suche.

  2. Pingback: Monatsrückblick April 2015 / Vorschau Mai 2015 | Die dunklen Felle

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