Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Ausgeklügelt: Gefährlicher Frühling – Sophie Sumburane

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9783865323866
Sophie Sumburane – Gefährlicher Frühling
Verlag: Pendragon
280 Seiten
ISBN: 978-3865323866
12,99€

 

 

Ein spannendes Thema, welches die Autorin sich hier vorgenommen hat. „Gefährlicher Frühling“ handelt vom arabischen Frühling, einer Zeit, in der verschiedene arabische Länder sich zu Protesten gegen die Regierung erhoben haben. Gepaart wird dieses historisch spannende Thema mit einem recht normal aussehenden Kriminalfall in Leipzig.

Der Leser folgt auf der einen Seite Kalem Ryshad, einem Mann, der sich den Protesten in Ägypten anschließt, und Mohamad Hassan, einem „Mitarbeiter“ des Regimes und brutalen Folterer, auf der anderen Seite findet man Charlotte Petzold, die in dem Fall der ermordeten Chefin eines Ingenieurbüros ermittelt. Während man den Lebenswegen der beiden Ägypter, zeitlich versetzt zu den Ereignissen in Leipzig, folgt und nach und nach miterleben kann, wie diese in einer überraschenden Wendung aufeinander treffen, beginnt Charlotte mit den Ermittlungen und ist so gar nicht zufrieden mit der allzu leicht aufgestellten Behauptung, dass der Exfreund der Täter gewesen sein soll. Als die Kommissarin in den Firmenunterlagen wühlt, deckt sie nach und nach auf, woran die Firma eigentlich gearbeitet hat. Neben den offiziellen Aufträgen im arabischen Raum, war die Firma im großen Rahmen am Waffenschmuggel beteiligt.

Sophie Sumburane gelingt ein ganz außergewöhnlicher Einblick in den arabischen Frühling. Zum einen durch die Seite der Opposition und zum anderen aus den Augen eines Folterers. So werden die Ereignisse aus beiden Perspektiven geschildert und zeigen Ägypten als ein erschüttertes Land. Ein Land, in dem die Proteste immer lauter werden und die Aktionen der Regierung und des Militärs immer verzweifelter und gewalttätiger. Die beiden stimmen mich sehr nachdenklich und vor allem Mohamad Hassan ist mit den widersprüchlichsten Gedanken versehen, so dass man nicht drum herum kommt, auch in der lesefreien Zeit darüber nachzudenken. Und dann hat die Autorin noch einen Kniff eingebaut, der mich ungläubig nach Luft schnappen ließ. Eine verblüffende Wendung, die mich die Ereignisse in Ägypten noch mehr verschlingen hat lassen.

Dagegen steht die kühle und sachliche Ermittlung in Leipzig. Charlotte Petzold ist die einzige Figur, die mir in Erinnerung geblieben ist, die weiteren Ermittler, Zeugen, etc. sind alle recht blass und bleiben nicht haften. Doch auch mit Charlotte hatte ich so meine Probleme. Durch die Rückblenden nach Ägypten bleibt für die Ermittlung gefühlt wenig Zeit und hier wird noch einiges Persönliches von Charlotte Petzold mit aufgearbeitet, so dass einige Wendungen sehr plötzlich und wie aus dem Nichts vor einem lagen. Die verschlungenen Wege der Waffenschmuggler werden am Rande aufgedeckt und enthüllen einige erstaunliche Mittäter, doch irgendwie konnte ich keinen richtigen Bezug zu den Ermittlungen finden. Dazu war zum einen der Teil des arabischen Frühlings zu prägnant, zu beeindruckend, und zum anderen lässt mich das Ende zwiespältig zurück – nämlich zufrieden unzufrieden.

Fazit:
Ein Krimi, der von den Erlebnissen des arabischen Frühlings lebt, dessen Ermittlungen aber dadurch kurz und kühl wirken. Gemeinsam mit einer verblüffenden Wendung und einem zufrieden unzufriedenen Ende gibt das 4 Schafe.

4 Schafe

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