Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Roadmovie: Angel Baby – Richard Lange

2 Comments

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Richard Lange – Angel Baby
Verlag: Heyne
350 Seiten
ISBN: 978-3453437937
9,99 €

 

 

 

 

Ein mexikanischer Drogenboss, seine Geliebte, ein Auftragsmörder, ein korrupter Bulle und ein Wrack treffen an der mexikanischen Grenze aufeinander. Was erst mal wie der Beginn eines schlechten Witzes klingt, umfasst die fünf Hauptpersonen in Richard Langes Thriller „Angel Baby“. Jeder angetrieben von einem Wunsch kleben sie aneinander wie Kaugummi, bis die Kaugummiblase zerplatzt.

Luz ist die Geliebte von Rolando, einem narco, der unweit der mexikanischen Grenze seine Drogengeschäfte betreibt. Rolando – oder auch El Principe – hat sie von El Samurai geerbt und wie das so üblich ist, ist er eifersüchtig bis zum Haaransatz und hält Luz mehr oder weniger in seinem Haus gefangen. Luz hat aber eine kleine Tochter, von der Rolando nichts weiß, und beschließt, dass es Zeit ist, Rolando zu verlassen und ihre Tochter wiederzusehen. Sie schießt die beiden Angestellten nieder und türmt mit dem Geld und der Waffe aus Rolandos Safe.

Malone schafft im Auftrag von Freddy pollos (Illegale) über die Grenze. Meist mehrere im Kofferraum eingezwängt, doch es gibt auch Sonderbehandlungen. Luz bekommt diese und darf vorne mitfahren – ein Grenzbeamter wurde bestochen. Der wiederum weiß von Luz’ Geld und denkt sich, das wäre doch ein nettes steuerfreies Sümmchen und holt Thacker ins Boot. Ja, und dann ist da noch Jerónimo, der eigentlich gerade im Knast sitzt, aber von El Principe rausgeholt wird, um Luz zurückzuholen. Nicht ganz freiwillig, denn El Principe hält seine Familie als Druckmittel gefangen.

Eine wilde Hetzjagd von Mexiko bis in die USA beginnt und reißt die Protagonisten in einem rasanten Strudel hinfort. Jeder verfolgt sein Ziel, doch die unterschiedlichsten Bündnisse werden geschlossen und wieder aufgetrennt. Es wird geschossen, gestochen und geprügelt, es fließt Blut und viele Tränen. Schon seltsam, wie alle – außer dem narco – eigentlich gut oder zumindest nicht grundsätzlich böse sind und doch ständig Böses tun. Jerónimo möchte seine Familie befreien und liefert dafür Luz ans Messer, Thacker ist scharf aufs Geld und liefert so ziemlich jeden dafür aus, Malone verliebt sich in Luz und entwickelt ungeahnte Kräfte, Luz ist getrieben von ihrer Sehnsucht nach ihrer Tochter und tut dafür fast alles. Jeder hat ein Ziel, einen Wunsch und die Regeln und Moral fallen und verfallen.

Die Atmosphäre erinnert stark an einen Roadmovie. Staubige Straßen zwischen Mexiko und den USA, trostlos, aber brüllend heiß. Geröll und heißer Sand – eine Wahnsinnskulisse. Und in diesem Setting suchen alle Beteiligten ihre persönliche Freiheit und verstricken sich in einen dunklen Sumpf, rund um den Drogenboss Rolando. Die Handlung spielt nicht nur auf der Straße, doch die Reise/Flucht an sich steht bei Luz, Malone und Jerónimo für die Suche nach einer Heimat, einem Ziel. Einem Platz, an dem keine Dunkelheit mehr herrscht. Doch bevor irgendjemand dort ankommt, macht Rolando – und auch Thacker – es allen recht schwer. Doch auch die drei „Suchenden“ sind keineswegs rechtschaffen und gut. Sie möchten es zwar gerne sein – doch dafür gehen sie über Leichen. Es gibt eben kein Schwarz und Weiß – es gibt nur Grau. Das allerdings in den verschiedensten Schattierungen.

Einziger Schwachpunkt war für mich das gute Ende. Das Happy End hat der Geschichte irgendwie die Luft genommen. Ja, klar, als Leser möchte man vielleicht immer, dass die Guten gewinnen, aber realistisch ist das nicht. Und ein deprimierendes Ende hat doch meist mehr Potential.

Fazit:
Ein kurzweiliger und spannender Roadmovie von Mexiko in die USA, der 5 Schicksale nach und nach verknotet und in einem wahren Lichtrausch explodieren lässt und (leider) mit einem Happy End endet.

4 Schafe

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2 thoughts on “Roadmovie: Angel Baby – Richard Lange

  1. Hmm… ein Happy End? Da muss ich wohl nochmal drüber nachdenken…

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