Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Wahltag: Wenn der Mond stirbt – Richard Crompton

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Richard Crompton – Wenn der Mond stirbt
Verlag: dtv
383 Seiten
ISBN: 978-3423260152
14,90€

 

 

 

Das Buch ist mir doch glatt in meinen Südafrika-Stapel geraten, dabei spielt es doch in Nairobi, Kenia. Mea culpa – das darf natürlich nicht passieren. Fast hätte ich das Buch wieder weggelegt, aber zum Glück hab ich es nicht gemacht. Wobei mich die Sprüche auf dem Rückcover schon wieder eher abgeschreckt haben: „… der erste Massai-Ermittler… Eine Serie, die noch von sich reden machen wird.“ So so, jetzt sind die Literaturkritiker also unter die Wahrsager gegangen. Nun denn, ich hab mich da mal überraschen lassen.

In der Tat ist der Protagonist Molell ein Massai, der seinen Stamm hinter sich gelassen hat und jetzt in Nairobi als Polizist arbeitet. Als Strafe wurde er zum Verkehrspolizisten abkommandiert, doch als eine tote Massai gefunden wird, holt man ihn zurück. Molell, der bei einer Jagd nach Dieben, mal schnell seinen Sohn im Fahrradladen abstellt und vergisst, stürzt sich mit Feuereifer in die Ermittlung und reißt Kiunga, den jungen Kollegen, der ihm zugeteilt wird, gleich mit hinein.

Wenn ich jetzt so an Molell oder den Mordfall denke, fällt mir spontan nicht mehr so recht viel ein, was hier erwähnenswert ist. Molell ist zwar ein Massai, aber das ist auch schon das einzige, was ihn von vielen anderen Ermittlern unterscheidet. Er trauert immer noch um seine Frau, die bei einem Attentat ums Leben kann, sorgt mehr schlecht als recht für seinen Sohn und muss um das Sorgerecht fürchten, dass die Schwiegermutter beansprucht. Aber natürlich ist er ein tadelloser Ermittler. Seine Massai Kenntnisse helfen ihm ein wenig, vor allem, um das Vertrauen der Freundin des Opfers – auch eine Massai – zu gewinnen, aber er ist vorrangig eins: bohrend, stur, dickköpfig, spröde. Er hat sich in den Fall verbissen und lässt ihn nicht los. Nicht nur Lucy, das Opfer, sondern auch deren Freundin Honey lässen ihn nicht mehr los. Er sorgt sich um sie und fährt seinen Beschützerinstinkt hoch. Der Fall an sich verschachtelt sich mehr und mehr und führt so in die Kreise einer Erweckungskirche, der Lucy angehörte. Der Fall nimmt Wendung in Richtung Reichtum und Politik und nur durch die Hartnäckigkeit Molells wird der Fall nach und nach aufgedröselt. Die Lösung selbst ist dann fast banal – die Ermittlung war da doch wesentlich ergiebiger und führt in die Tiefen Nairobis.

Denn das Besondere an dem Krimi ist meines Erachtens nicht unbedingt der Kriminalfall selbst, sondern das Setting, welches der Autor gewählt hat. Schon allein die Straßen und Gepflogenheiten von Nairobi zeichnen ein ganz ungewohntes und exotisch spannendes Bild, doch der Autor macht noch mehr. Er lässt seinen Fall während der Wahlen im Dezember 2007 spielen und verleiht dem Buch damit einen Einblick in die politischen Unruhen und Vorgänge um die Wahlperiode, die man so vielleicht gar nicht mitbekommen hat oder eben nur neutral mal in der Tagesschau gesehen hat. Mit Molell ist man mitten im Geschehen, eingekreist von Polizisten, durch Brandbomben entstandenes Feuer und Demonstranten und Unruhestifter. Crompton zeigt auf, wie der vermutete Wahlbetrug von statten gegangen sein kann und wie die Wahl das Land, vor allem Nairobi, in Wallung gebracht hat. Auch die Darstellung der verschiedenen Stämme, welche sich in Kenia versammeln und mit ihren unterschiedlichen Ansichten klar kommen müssen und gerade in der Wahlperiode aneinander rasseln, gelingt dem Autor grandios. Crompton hat die Zeit um die Wahlen 2007 atmosphärisch dicht um seinen Kriminalfall gewebt und ein außergewöhnliches Land gezeigt, welches noch im Umbruch ist. Obwohl der Kriminalfall sich letztendlich eher gewöhnlich auflöst, wird ein tiefer Blick in die Politik und Gesellschaft Kenias geworfen, der mich als Leser begeistert hat.

Fazit:
Ein spannender, aber weitgehend normaler Kriminalfall, dessen Setting den Ausschlag gibt und Politik wie Gesellschaft Kenias bis in die Tiefe ausleuchtet.

4 und ein halbes Schaf

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One thought on “Wahltag: Wenn der Mond stirbt – Richard Crompton

  1. Na ja, Kenia ist ja auch Ostafrika…;-) Ansonsten interessantes Setting, klingt gut.

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