Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Lange Leipziger Kriminacht

4 Comments

Der 11.03. war eine kleine Odyssee für mich und bevor ich von der Langen Leipziger Kriminacht berichte, lass ich Euch noch ein wenig an meinen Erlebnissen teilhaben.

Der Startzeitpunkt für die Lange Leipziger Kriminacht war 18 Uhr und so hab ich meinen Tag danach geplant. Dumm war nur, dass ich am Dienstag noch eine Benachrichtigungskarte von der Post im Briefkasten hatte. Ich habe noch auf meine Blog-Visitenkarten gewartet, die ich schon vor gefühlten Ewigkeiten bestellt habe. Wenn ich die mitnehmen wollte, musste ich also bis 10 Uhr warten, bevor ich losfahren konnte. Das hat meinen kompletten Zeitplan durcheinander gewirbelt.
Also bin ich um kurz vor 10 Uhr losgefahren, über Stuttgart in die Nähe von Nürnberg und hab da eine Rast bei meiner Mama eingelegt, die mir einen leckeren Schaschliktopf gekocht hatte. Nun ja, leider hatte ich nicht so viel Zeit, also bald wieder weiter – gen Leipzig. Vor der LLN ins Hotel einzuchecken hatte ich schon abgeschrieben und zum Glück ein Hotel gewählt, welches eine Rund um die Uhr besetzte Rezeption hat. Somit bin ich genau eine halbe Stunde vor Beginn der LLN in Leipzig angekommen – nach einigen Irrungen und Wirrungen und Unstimmigkeiten mit meinem Navi, einer gesperrten Straße und nach “Totensonntag” von Andreas Föhr als Hörbuch, bei dem mir jetzt ausgerechnet noch ein Kapitel fehlt – habe ich sogar wirklich ganz zufällig einen Parkplatz gefunden, der nur 100 Meter entfernt war vom Veranstaltungsort, dem Café Waldi.

Nun zur Langen Leipziger Kriminacht.
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Das Café Waldi ist ein uriges, auf “Oma” getrimmtes Lokal (Mustertapete, olle Schinken und Kuckucksuhren an der Wand, Discokugel an der Decke), in dem es eine sehr leckere (und zum Glück schnell servierte) Kartoffelsuppe gibt. Ein Besuch ist hier auch ganz ohne Kriminacht lohnenswert – für gestrenge Raucherregeln gewohnte Süddeutsche sei noch zu erwähnen, dass im Obergeschoss geraucht werden darf.

Um 18 Uhr ging es dann los – 10 Autoren, ein Moderator, zwei Pausen und ein laaaanger Abend voller Morde, Tote, Killer und Opfer, Blut und Innereien. Auf der Webseite der LLN findet ihr die vorgestellten Werke inkl. Klappentexten und Infos über die Autoren. Von mir gibt es jetzt einen Eindruck pro Lesung.

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Olaf Jahnke – Tod eines Revisors
Die erste Lesung konnte mich leider nicht sehr reizen. Es ging um einen Selbstmord, der wohl keiner sein soll, doch recht mehr habe ich nicht mitbekommen. Ich bin immer wieder abgeschweift und das Buch konnte mich nicht fesseln. Ich vermute jedoch, dass es eher mit meinem anstrengenden Tag zu tun hat und ich einfach noch nicht lesungsaufnahmebereit war.

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Ben Atkins – Stadt der Ertrinkenden, vorgetragen von Wolfgang Franßen, dem Chef des Polarverlags
Eine sehr ausdrucksstarke Lesung von einem Buch, welches ich unbedingt noch lesen möchte. Schon allein das Alter des Autors – 20 Jahre jung und begonnen hat er das Manuskript schon mit 15 – lässt einen ratlos den Kopf schütteln. Wie kann ein so junger Autor, der noch nie in Amerika war, die 1920er dort so genial und einfallsreich schildern? Herr Franßen hat dem Buch genau den richtigen Ton verpasst und mir nochmal bestätigt, dass ich dieses Buch unbedingt haben muss.

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Martin Schöne – Wolf sieht rot
Eine Lesung die mit einem recht monoton vorgetragenem und einschläfernden Prolog begann, doch dann in einem spektakulären Auffinden der Leichen endet. Wolf, der Ermittler, erwacht in einer Tequila-Lähmung und muss den Möwen zusehen, die an den Leichen rumpicken. Solange, bis sich eine Möwe ihm zuwendet…. wirklich köstlich – da sollte man mal reinlesen.

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Eva Lirot & Hughes Schlüter – Im Feuer
Der Klappentext dieses Abenteuerromans/Thriller klang so vielversprechend. Als der Moderator dann jedoch eine Zeitung zitierte, die das Buch mit Dan Browns Werken verglich, war meine Stimmung schon gedämpft. Leider konnte mich die Lesung, die von den beiden Autoren gehalten wurde, auch nicht vom Gegenteil überzeugen. Die Geschichte war komplex – wie so oft bei dieser Art Bücher – und viel wurde kurzgefasst erzählt, die ausgesuchte vorgelesene Szene fand ich langweilig und auch am Thema – Krimi – vorbei. Das Buch wird wohl nicht meins…

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Georg Haderer – Sterben und sterben lassen
Ein sympathischer Österreicher, der mit Witzen auf Kosten der Deutschen um sich geschmissen hat, der nicht aus dem genannten Buch sondern aus einem anderen Teil vorgelesen hat und als einziger Autor bei der Lesung überzogen hat. Worum es in dem Buch ging? Keine Ahnung…. echt… ich kann mich nicht erinnern…

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Liza Cody – Lady Bag, gelesen von Else Laudan, Übersetzerin und Verlegerin im Argument Verlag
Hierzu muss ich wohl nicht viel sagen – egal wer Liza Codys Lady Bag vorliest, das Buch ist einfach herausragend und einmalig. Ein wahres Erlebnis und hätte meiner Meinung nach den ersten Platz auf der Krimi-Besten-Liste von 2014 verdient gehabt. Die Lesung von Else Laudan war dann noch das Sahnehäubchen – man merkte ihr an, dass sie dieses Buch liebt und hat diese Leidenschaft perfekt ins Publikum transportieren können. Die Bag Lady ist absolut lesenswert und vorlesenswert!

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Martin Keune – Knock Out
Bei dieser Lesung hatte ich meinen Tiefpunkt, obwohl das Buch das überhaupt nicht verdient hat. Ich war müde und fix und fertig, das Licht schummrig und Herrn Keunes Stimme hat mich ein wenig eingelullt. Von dem was ich allerdings mitbekommen habe, kann ich nur Gutes berichten. Die 1920/30 sind eine spannende Zeitperiode und gemischt mit einem Bullen, der boxt und Jazz spielt, schafft der Roman ein einzigartiges Flair.

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Leif Tewes – Tag Null
Ein Auftragsmörder, der daneben schießt. Ja, sowas soll es geben. Herr Tewes erklärte in der abschließenen Frage, dass er nicht nur Gut und Böse darstellen möchte, sondern eine Vielschichtigkeit. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Und so zeigt er einen Auftragsmörder, der ins Grübeln kommt und einen Polizisten der ein doppeltes Spiel treibt. Eine interessante Geschichte, die ich mir mal auf die Merkliste gesetzt habe.

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Susanne Rüster – Zu hoch hinaus
Hier hat eine waschechte Staatsanwältin und Richterin geschrieben und vorgelesen. Den Werdegang der Autorin fand ich fast schon ein bisschen spannender als den Krimi und hätte gerne noch mehr erfahren. Doch auch der Krimi kann sich sehen lassen – Autorennen, hübsche tote Russin, Mafia – die Zutaten für viel Spannung.

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Ralf Kramp – Mord und Totlach
Für den Abschluss haben sich die Veranstalter ein wahres Schmankerl aufgehoben. Herr Kramp hat eine seiner Kurzgeschichten aus “Mord und Totlach” vorgestellt. An einer Kurzgeschichte ist erstmal schön, dass man diese in einer Lesung meist komplett hört. Wenn es dann noch am Ende einer laaaangen Kriminacht ist und das eine herrlich köstliche Kriminalgeschichte ist, die einem die Lachtränen in die Augen treibt, ist das genau richtig für den Ausklang des Abends. Wenn Gimli73, SchnuteXXL und Pippilotta auf Leguan und Knallerbse auf einer einsamen Waldlichtung aufeinder treffen, kann es ja nur um Nacktwandern gehen – was das mit einem Krimi zu tun hat? Na, das müsst ihr schon selbst lesen…. 😉

 

So, dass war die 9. Lange Leipziger Kriminacht und wenn ich das das nächste Mal ein wenig besser plane, komme ich auch nächstes Jahr. So bin ich danach noch von Leipzig nach Halle getingelt und hab mein Hotel gesucht. Und um halb eins konnte ich dann endlich meine Augen schließen und mich zur Ruhe betten.
Ein schöner Abend, der auf jeden Fall eine Wiederholung verdient – auf zur nächsten Langen Leipziger Kriminacht in 2016 – mit einem Jubiläum.

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4 thoughts on “Lange Leipziger Kriminacht

  1. Hallo!
    Dein Ausflug nach Leibzig hört sich ein bisschen wie ein “Live-Krimi” an. 🙂 Aber mit Andreas Föhr und Michael Schwarzmaier im Auto war es sicher nur halb so schlimm, oder?! 😉

    Wäre Leibzig nicht so weit weg, würde ich auch total gerne mal zur Langen Kriminacht kommen.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Hmm… so richtig nah wohne ich an Leipzig allerdings auch nicht. Sind ja immerhin 500 km…
      Oh ja, das Hörbuch war echt klasse. Ich liebe es wie Michael Schwarzmaier die Andreas Föhr Bücher liest – das ist einfach immer ein Erlebnis.

  2. Scheint sich gelohnt haben, der lange Tag! Lesungen mit mehreren Autoren, bzw. mehreren Büchern sind klasse, finde ich. Bin im Dezember beim Potsdamer Krimitag auf den Geschmack gekommen, da gab es 6 Krimiautoren, einfach herrlich, das ist fast wie ein Büffet, man bekommt viele tolle Geschichten präsentiert und kann sich am Ende aussuchen, wo man zugreifen will! 😉 Insofern war das bestimmt ein toller Abend, mit so viele “Kostproben”!! 🙂

    Ben Atkins steht übrigens auch noch auf meiner Leseliste, allerdings würde ich mich über das Alter gar nicht so wundern, warum sollen nicht auch junge Menschen bildgewaltig schreiben können? Sich Eindrücke zu holen, ist in der heutigen Welt ja kein Problem mehr und was den Tiefgang angeht, das macht ja nicht das Alter sondern die Erfahrungen, manch einer hat mit 20 schon mehr erlebt als andere mit 50 ertragen könnten. Und, aus aktuellem Anlass, weil ich die Reihe gerade lese, Jakob Arjouni hat “Happy Birthday, Türke” auch mit 19 geschrieben! 😉

    • Oh ja, das Krimibüfett hat sich wahrlich gelohnt und war ein sehr schönes Erlebnis.
      Na ja, das mit dem Alter – da hast Du schon recht, aber selten ist es trotzdem. Die Erfahrungen kommen eben doch meist mit den Jahren und sind in jungen Jahren eben noch nicht en masse vorhanden. Nach der Leseprobe bin ich jedenfalls noch mehr gespannt und schon ganz hibbelig bis ich es Lesen darf…

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