Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Mit viel Humor: Mr. Majestic verbessert sein Karma – Sam Parangi

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Sam Parangi – Mr. Majestic verbessert sein Karma
Verlag: rororo
448 Seiten
ISBN: 978-3499227660
9,99 €

 

 

 

 

Gerade komme ich aus dem klirrend kalten, düster kargen Kirgisistan und bin jetzt im bunten, warmen, wuseligen Indien gelandet. Genauer gesagt in Bangalore. Gemeinsam mit Hari Majestic – eigentlich Huree und auf Englisch gerne mal Harry. Was soll ich sagen – es war ein Kulturschock.

Nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Art der Erzählung unterscheidet sich drastisch. Sam Parangi blickt mit einem zwinkernden Auge auf die indische Gesellschaft und lässt seinen Mr. Majestic trotz einiger Gefahren relativ locker und humorvoll durch die Geschichte tänzeln. Eher komisch anmutend, statt düster, gefährlich oder riskant. Wobei das Cover schon verraten hat, dass dies wohl keine düstere Geschichte werden wird.

Hari, eigentlich Internetbetrüger und Spammailversender, versucht eine verschwundene Amerikanerin zu finden, die es aufgrund seiner Mails nach Indien verschlagen hat. Die Schwester der Gesuchten beauftragt Mr. Majestic und Hari macht sich auf die Suche. In einer von Millionen von Menschen wimmelnden Stadt wie Bangalore gar nicht so einfach. Und doch macht er nach und nach Fortschritte – mit Hilfe seines Onkels, der Polizeiinspektorin, eines Wahrsagers, einer Bande Verbrecher, der Filmindustrie, oder die die es zumindest gerne wären, und und und.

Die Atmosphäre des Buches stellt Indien meines Erachtens doch recht verharmlosend dar. Hari ist in den unteren Kasten zu Hause, wohnt im Büro seines Onkels und verdient die paar Kröten, die er braucht durch Betrügereien – allerdings keine mit Menschenkontakt. Er lebt in einer schlechten Gegend und schlägt sich so durch, doch die Armut und der Geldmangel werden eher nebensächlich behandelt. Der Autor versucht Indien auf eine humorige Art darzustellen. Auch der Schreibstil und Haris trockene Art passen dazu wunderbar. Wenn ich ehrlich sein soll, war das fast ein bisschen viel Humor. Entweder ein paar weniger Seiten oder doch ab und an ein wenig Ernsthaftigkeit hätten dem Buch sicher gut getan. Auf seiner Suche nach der verschwundenen Amerikanerin kommt er mit allerlei Menschen und Orten in Kontakt und erlebt tatsächlich einige kleine Stücke Indien, doch einfach ein bisschen zu wenig davon. Auch hat man zwar eine Ahnung von Menschenmassen, doch kommen herrlich wenig davon vor. Bangalore wimmelt ja schier von Menschen, doch dieses Feeling konnte der Autor mir nicht vermitteln.

Hari, als Waisenkind von einer Dame aufgenommen und nach deren Tod in die Obhutschaft des „Onkels“ übergeben, zeigt mitunter seltsam anmutende Eigenheiten. Dem Onkel, der ihn nicht respektiert und behandelt wie den letzten Dreck, bringt er Respekt und Ehrfurcht entgegen. Er ist auf der Suche nach der Liebe seines Lebens und verguckt sich in die vermisste Amerikanerin. Seine „Freunde“ sind zum Großteil auch Verbrecher und mit deren Hilfe und Unterstützung ist es auch nicht so weit her. Die Suche nach dem besseren Karma entpuppt sich auch eher als netter Nebeneffekt. Der Fall der Vermissten war recht gut konstruiert, konnte die Geschichte dann allerdings auch nicht retten, da eben das Drumherum gefehlt hat.

Auch wenn sich das jetzt alles ein wenig nörgelig anhört, es hat schon Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Nur eben keine 443 Seiten lang. 150 Seiten weniger hätten mir gereicht. Bei fast 450 Seiten möchte ich dann doch mehr. Mehr Atmosphäre, mehr Lokalkolorit, mehr Geschichte oder zumindest Gesellschaft. Und weniger Humor. Für mich war das Buch ein netter Zeitvertreib für Zwischendurch, aber wenn ich ein wenig mehr über die indische Gesellschaft erfahren möchte, gepaart mit spannenden Krimifällen oder thrillerlastigen Verbrechen, dann war „Mr. Majestic verbessert sein Karma“ ein guter Einstieg, aber keineswegs ausreichend. Leider fallen mir spontan keine anderen indischen Krimis ein, wer also einen Tipp hat, immer her damit.

Fazit:
Ein humoriger Zeitvertreib für Zwischendurch, dem ein paar Seiten weniger gut getan hätten. Von mir gibt es 3 Schafe.

3 Schafe

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