Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Zukunft, Hardboiled: 2/14 – Nathan Larson

14 Comments

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2/14 – Nathan Larson
Verlag: Diaphanes
256 Seiten
ISBN: 978-3037346549
17,95 €

 

 

 

 

Ich habe schon so viel über 2/14 und Dewey Decimal gehört/gelesen, dass ich endlich auch reinschnuppern wollte. Vor allem, da es schon ein Weilchen in meinem Regal geschlummert hat. Ein recht kurzes Buch, welches Nathan Larson da fabriziert hat, doch es ist der erste Teil einer Trilogie und somit gibt es Nachschub! Es hat mir recht gut gefallen, doch ein Sache hat mich dann doch gestört.

2/14 spielt in einer nahe gelegenen Zukunft in einem zerstörten New York. Nicht nur 9/11 sondern auch 2/14 musste es ertragen und Dewey Decimal, lebt in der New York Library. Früher mal Soldat, hat er jetzt keine Erinnerungen mehr daran und verbringt seine Zeit mit der Neuordnung des Bücherbestandes. Ab und an erledigt er auch Aufträge für Daniel Rosenblatt, einen Oberstaatsanwalt, als Privatschnüffler oder auch Auftragskiller. Sein neuer Auftrag führt ihn zu Yakiv Shapsko, einem Mafiaboss, und seiner Frau Iveta und Dewey landet nicht nur in einer Dreiecksbeziehung sondern auch zwischen einer Menge Prügel und Kugeln.

Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich das Buch perfekt gefunden hätte, wenn es in der heutigen Zeit, so ganz ohne Katastrophen-/Endzeit-/Zukunftszenario gespielt hätte (und die Sache mit dem Purell® nicht gewesen wäre, aber dazu später). Aber so gibt es einfach zwei Themen, die ich in meine Meinung einbeziehe und leider hat mir das Setting einfach nicht genug gegeben. New York ist zum Großteil zerstört, die U-Bahn ist nur noch für Reiche zugänglich, Häuser stehen leer, sind besetzt oder werden von Reichen bewohnt. Und auch ein gewisses Maß an Kriminalität, Korruption und Verzweiflung ist enthalten. Doch alles ist recht kurz gehalten, mitunter nur angedeutet. Ich will in einer Zukunftsdarstellung einfach immer ein bisschen mehr – wie funktioniert die Welt in dieser Zeit, nach diesen Geschehnissen. Ich will Dewey Decimal durch die Straßen New Yorks ziehen lassen und mir die Welt erklären – natürlich neben der Ermittlung, den Schießereien und mitten unter Gangstern.

Dewey Decimal ist ein ganz besonderer Held. Mit mehr oder minder leichtem Autismus geschlagen und Paranoia versehen, läuft er zu den verschiedenen Tageszeiten nur gerade oder ungerade Straßen, fährt nur gerade oder ungerade U-Bahnlinien, trägt ständig Purell® auf und schluckt Pillen en masse – so kurz vor Schluss haben mich diese Angewohnheiten angefangen ein wenig zu nerven. Der Autor tritt diese kleinen Besonderheiten recht breit. Dabei ist das gar nicht nötig. Dewey Decimal ist ein Hardboiled Held wie er im Lehrbuch steht (falls es sowas gibt) und muss sich gar nicht hinter seinen Besonderheiten verstecken. Auch hier wurde ich wieder an „Stirb langsam“ erinnert, als Dewey sich mit zerschossenem Knie durch New York schleppt. Stoisch ruhig und doch immer mit den richtigen Worten auf der Zunge gesegnet, sind die Waffen immer geladen und bereit. Wer also kriegt diesen harten Kerl weich? Eine bezaubernde, toughe Frau natürlich.

Dewey flippert zwischen den beteiligten Parteien hin und her. Nicht alle heißen, wie sie heißen, keiner sagt ihm alles, undurchsichtig und verwirrend scheint der Fall, den er lösen muss. Es gibt Gangster, Prügel, Schießereien und Drohungen, es wird gelogen, behauptet und verschleiert. Und dazwischen Dewey, ein Mann ohne Erinnerungen, der sich durchboxt und irgendwann keine Lust mehr dazu hat, den Punching Ball zu spielen. Er löst den Fall auf seine Weise – und ja, ok, dann darf’s danach auch ein wenig Purell® sein.

Thomas Wörtche beschreibt 2/14 als “… ein[en] Hybrid, irgendetwas zwischen Science-Fiction und Privatdetektivroman und Politthriller mit leichter Tendenz zum Ego-Shooter” und das trifft es ziemlich gut. Mir hätte es tatsächlich ohne Science-Fiction besser gefallen, doch ich hege große Hoffnungen, dass „Boogie Man“, Teil zwei der Dewey Decimal Reihe, hier ein wenig mehr Einblick in das zerstörte New York der nahen Zukunft zeigt.

Fazit:
Ein gelungener Hardboiled Held mit Macken, der eine verzwickten Fall mit viel Blei löst und dabei leider nur flüchtig durch die Straßen von New York streift. Für das nächste Mal wünsche ich mir mehr – mehr Zukunft. Von mir gibt es trotzdem noch recht zufriedene 4 Schafe.

4 Schafe

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14 thoughts on “Zukunft, Hardboiled: 2/14 – Nathan Larson

  1. Hallo!

    Eine sehr gut geschriebene Rezension! 🙂
    Bis jetzt hatte ich von der Trilogie und dem Autor noch nichts gehört – das Buch hört sich aber echt spannend und lesenswert an.

    Liebe Grüße
    Tina

  2. Oh klasse, das Buch steht auch noch auf meiner Leseliste! 🙂 Mehr Zukunft, weniger Science Fiction? Gewagte Wünsche! 😉 Ich freu mich jetzt aber umso mehr auf das Buch, deine Rezension lässt blicken, dass das Buch in etwa meinen Erwartungen entsprechen könnte. Hast Du dich an Spademan erinnert gefühlt?

    Liebe Grüße, Philly

    • Jetzt wo Du es ansprichst… ja, in der Tat, ein wenig ähnelt es Spademan. Und dann doch nicht. Vielleicht liegt es an New York – das ist ja anscheinend sehr beliebt in zukünftigen Szenarien. 😉

  3. Ich fand das Buch ja um einiges besser als Spademan. Leider bringt Teil 2 nicht so wirklich was Neues, man erfährt immer noch kaum etwas über Deweys Vergangenheit, weshalb ich fieberhaft auf den Abschluss der Trilogie warte.

    • Mich hatten einige Beschreibungen irgendwie daran erinnert, habe “Spademan” ja erst kürzlich gelesen, daher war das nich ganz frisch auf dem Schirm. Aber da bei Spademan schon noch Luft nach oben war, mich der Mix aus Science Fiction und Hardboiled aber gut unterhalten hat, wäre es ja nicht schlecht, wenn 2/14 noch besser wäre! 🙂

      • 2/14 ist so hardboiled wie nur irgendwie möglich 😉 Was mich bei Spademan hat mir auch gefallen, wirkte aber eher wie ein Drehbuch. Das waren ja teilweise wirklich mehr Skizzen als Sätze.

    • Es ist das Mysteriöse, was entzückt. Die Ungewißheit, was wirklich an jenem Valentinstag geschah und wer dafür verantwortlich war. Der zweite

      • Hier geht’s weiter: Im zweiten Teil wiederholt sich Vieles. Deshalb geht es mir so wie dem Schneemann: Ich warte darauf, was sich im dritten ereignet. Da muss der Himmel über NY herunterfallen oder die Geschichte mit mit einem großen Showdown aufgelöst werden.

  4. Perfekt! 🙂 Bezüglich Spademan, ja stimmt, sehr szenisch. Ich mag so ein Schreibstil ja, insofern man das als “Stil” bezeichnen mag! 😉

  5. Ich. MUSS. Das. Lesen!!! Unbedingt. Wenn ich mir deine Rezension dazu verinnerliche, dann denke ich, dass es bei mir wahrscheinlich noch besser abschneiden wird. Ich mag so zerstörte Zukunftsszenarien ja gerne. Bin gespannt darauf!
    Und SPADEMAN setze ich gleich mal mit auf die Liste. 😉

    • AHHHH! Du bist wieder da – das freut mich. Ich hab Dich schon ein wenig vermisst und somit ein herzliches: willkommen zurück!!!!
      Und ja, Spademan und 2/14 werden Dir auf jeden Fall gefallen – die musst Du lesen! Ich bin schon gespannt, was Du davon hältst…

      • Ja, ich bin (ein bisschen) zurück. Zumindest als Besucher ;-).

        2/14 habe ich inzwischen gelesen und du hattest recht: Ich fand es super! Von mir gäbe es 5 Sterne, hardboiled en masse. So wie ich es mag.
        Es stimmt, die Zukunftsversion kommt ein wenig kurz, was mich aber nicht gestört hat.

        Jetzt fange ich auch gleich mit Boogie Man an und bin gespannt, wie es da weiter geht. Und Spademan habe ich auch schon vorgemerkt.

        Liebe Grüße dir, Iris

        PS: Steht LEICHTES OPFER auf deiner Leseliste? Wenn nicht: vormerken! Die Kapstadter Version einer Kettenreaktion des Bösen. 😉

      • Tja, wahrscheinlich hast Du mich jetzt gleich überholt. Boogie Man ist auch schon hier aber noch nicht gelesen.
        Leichtes Opfer hab ich mal gleich vorgemertk – danke für den Tipp!

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