Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Jonglage: Brixton Hill – Zoë Beck

2 Comments

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Brixton Hill – Zoë Beck
Verlag: Heyne
382 Seiten
ISBN: 978-3453410428
8,99 €

 

 

 

 

Mein zweiter Zoë Beck. Kommt mir allerdings vor wie mein erster, denn ich kann mich kaum an den ersten erinnern. Ich glaube, es war „Das alte Kind“. Ist aber eben schon eine Weile her. Der Klappentext bei „Brixton Hill“ hat mich neugierig gemacht und so habe ich zu dem Zoë Beck Thriller gegriffen.

Emma Vine hat einen Geschäftstermin bei Kimmy Rasmussen in einem Hochhaus an der Canary Wharf. Als sie dort ist, fallen die Klimaanlage sowie der Strom aus, die Ausgänge sind verriegelt und Rauch strömt in die Gänge. Kimmy, die an einem Trauma leidet, gerät in Panik, zertrümmert ein Fenster und springt aus dem 15. Stockwerk. Emma wird beschuldigt, an den Ausfällen im Hochhaus schuld zu sein. Sie soll sich eingehackt haben. Doch letztendlich muss die Polizei einsehen, dass es Emma nicht war. Doch die Ausfälle im Hochhaus sind erst der Anfang für Emmas Reise durch die Straßen Londons und des Internets, bis sie sich in Brixton Hill wiederfindet, wo alle Fäden zusammenlaufen.

Emma Vine ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten. Eigentlich gehört sie zur Upper Class – ihrer Familie gehört eine Privatbank – doch sie hat sich selbständig etwas erarbeitet und ist unabhängig. Sie ist aufmüpfig, aber beweist Mut und Tatendrang. Eigentlich verdächtigt sie ständig den Falschen und weigert sich letztendlich den Schuldigen zu erkennen. Eine Heldin mit Fehlern, auf falschen Wegen, aber eben doch mutig und trotzig, so dass der Leser ihr das nicht krumm nimmt.

„Brixton Hill“ greift zwei Themen auf und wird mit einem dritten beendet.
Ich gebe zu, dass ich das Wort nochmal nachlesen musste, aber ich habe durchaus schon öfter davon gehört: Gentrifizierung. Ein Arbeiterviertel wandelt sich nach und nach um: Studenten und Künstler bevölkern es mehr und mehr, da die Mieten günstig sind. Und bereichern das Viertel dadurch. Und zwar so, dass die Mittelschicht darauf aufmerksam wird und sich wünscht dort zu wohnen. Wenn nur die Wohnungen/Häuser in einem besseren Zustand wären und die Infrastruktur mehr hergeben würde. Und so kommen die Baulöwen ins Spiel. Sie kaufen, sie reissen ab, sie bauen neu. Und zwar überall. Ob man will oder nicht. Notfalls auch mit Gewalt. So wie Braidlux in Brixton Hill. Braidlux, ein Londoner Baulöwe, der für mehrere Hochhäuser, Wohnhäuser und Siedlungen verantwortlich ist. Komischerweise auch für alle, in denen Emma Technikausfälle erlebt. Na ja, natürlich nicht komischerweise. Das hat schon was zu bedeuten.

Das zweite Thema, dem sich der Thriller widmet ist das Internet und der Verlust der Anonymität. Emma ist sehr aktiv auf Facebook und Twitter, hält aber ihr Privatleben raus. Sie nutzt also die sozialen Medien mehr, um ihre Firma voranzubringen. Trotzdem ist man im Internet einfach nicht mehr anonym, Stichwort „gläserner Mensch“. Na ja, ein normaler User mag diese Dinge im Internet nicht so einfach rausfinden, aber Leute mit Ahnung. IT-Spezialisten, Fachleute, Hacker. Alan, eine Zufallsbekanntschaft von Emma ist so einer. Und er stalkt sie. Er liebt sie. Er lauert ihr auf, weiß wo sie ist, schreibt ihr hunderte Mails. Aus dem Grund verdächtigt sie ihn recht schnell, als denjenigen, der ihr die Ausfälle im Hochhaus anhängen will. Doch Alan liebt sie nicht nur, er sorgt sich um sie. Und dann verschwindet er. Allerdings nicht lange. Dann taucht er als Leiche auf.

Das dritte Thema schneide ich mal nur an: es geht um Vergangenheit, Familie, Rache. Die Autorin jongliert mit den Themen und hat sich meines Erachtens fast ‚verjongliert‘. Alle Themen sind sehr interessant, doch es ist fast zu viel auf einmal. Ein komplexer Fall, den Frau Beck hier zeichnet. Und unglaublich viel Action – vier Tote und mehrere Mordversuche an Emma. Es passiert auf jeden Fall ständig etwas, man bleibt an dem Thriller dran und kann ihn kaum weglegen.

Fazit:
Mit viel Spannung und Action jongliert Zoë Beck mit drei Themen, die eigentlich jedes ein eigenes Werk wert gewesen wären. Fast wäre hier die Balance verloren gegangen. Aber nur fast. Von mir gibt es 4 Schafe.

4 Schafe

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2 thoughts on “Jonglage: Brixton Hill – Zoë Beck

  1. Brixton Hill hat mir auch sehr gut gefallen. War mein erster von ihr.

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