Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Irgendwie untypisch: Der Code – Fredrik T. Olsson

2 Comments

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Fredrik T. Olsson – Der Code
Verlag: Piper
518 Seiten
ISBN: 978-3492056397
16,99 €

 

 

 

 

Ein „umwerfender“ (Zitat von Tokel Lindquist – wer auch immer das ist) Thriller aus Schweden – Thriller aus Schweden? Echt? Ich dachte, da gibt es nur Krimis. Mitunter gute Krimis, keine Frage, aber ein Thriller? Tja, man hat so mitunter mal Probleme, wenn man ein Genre nicht so ganz in einem Land verorten kann. Thriller, in der Art wie „Der Code“, kommen doch meist aus den USA. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass „Der Code“ zwar einen schwedischen Protagonisten hat, doch an sich recht amerikanisch daher kommt.

William Sandberg, ein aussortierter, geschiedener Kryptologe liegt nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus, als er entführt wird. In einem Schloss, in einem unbekannten Land, hält man ihn fest. Allerdings nicht unbequem – großes Zimmer, reichhaltiges Frühstück – und doch erwartet man von ihm, einen Code zu knacken. William, der zwar störrisch aufgrund der Entführung ist, beginnt sich für den Code zu interessieren, denn schließlich ist das sein Fachgebiet, der Inhalt seines Lebens. Unterstützung bekommt er hierbei von der niederländischen Archäologiewissenschaftlerin Janine Haynes, derweil seine Exfrau, eine Journalistin, verzweifelt nach ihm sucht.

Ja, an William Sandberg muss man sich als Leser erst mal gewöhnen. Ein selbstmordgefährdeter Held ist doch ein wenig eigenartig und als Leser sträubt man sich dann doch gegen seine doch recht schnelle ‚Umprogrammierung‘. Ja, schon klar, er vermisst das Knacken der Codes und fühlt sich am Ort der Entführung eigentlich recht wohl. Doch letztendlich muss ihm doch klar sein, dass er danach (nach der Lösung – falls es gelöst wird) wieder vor dem gleichen Problem steht. Und der Autor schreibt es zwar nicht explizit, aber er deutet an, dass William sein eigenes Projekt beendet. Nun ja, ich bin ja für den Tod von Protagonisten, zumindest ab und an – nicht alles muss man zur Serie verarbeiten – doch bei diesem hier frage ich mich schon, warum überhaupt noch den Code knacken?

Nun ja, da sind ja noch die andere Wissenschaftlerin und Williams Exfrau inklusive ihrem Studenten/Praktikanten. Auch hier überleben nicht alle und ich muss schon sagen, dass der Autor mich mit der Dichte der Tode seiner eigentlichen Hauptfiguren doch überrascht hat. Nichtsdestotrotz sind am Ende natürlich noch welche übrig, keine Sorge. Janine Haynes ist schon länger als William entführt und hat sich einige Privilegien ‚ergaunert‘. Nichtsdestotrotz erscheint es mir unglaubwürdig, dass sie schon ein halbes Jahr in dem Schloss ist und nicht mit ihrer Flucht vorankommt, sondern dies erst gelingt, als William auch auf dem Schloss ist, obwohl er effektiv nichts dazu beiträgt, sondern eher eine Last ist.

Die Handlung hat mich zuerst stark an „Das Nostradamus Testament“ von Tom Egeland erinnert, doch das ändert sich ziemlich schnell. Derweil Egelands Thriller eher ein Abenteuerroman mit geistiger Ebene ist, ist „Der Code“ definitiv ein Actionthriller: Epidemie, Flugzeugabstürze, in die Luft gesprengte Krankenhäuser und noch vieles mehr. Unglaublich viel Action, die man auf den ersten Blick gar nicht vermutet. Die Action ist auch eher abseits des Haupthandlungsstrangs zu finden.

Denn auf dem Schloss geht es eher gemächlich zu, abgesehen von einigen Streitgesprächen und ein paar Fluchtversuchen. Das liegt vor allem an der „Organisation“. Die ist mir sehr suspekt. Nicht weil sie natürlich superduper geheim ist und total gut organisiert und alle Regierungen davon wissen und sie im geheimen unterstützen, sondern weil die beiden Befehlshaber so fürchterlich verständnisvoll und nett sind. Bäh! Sollten das nicht eigentlich knallharte Arschlöcher sein, die für eine Organisation mit drei Buchstaben arbeiten und über Leichen gehen? Ach halt, das ist ja die amerikanische Variante. In der schwedischen sind es dann eben menschlich nahe und nur mäßig durchgreifende Typen. Sogar der Schlägertyp vom Wachschutz ist nett. Brrr! Und doch muss ich anerkennen, dass dies so herrlich nicht das Klischee bedient, dass es schon fast wieder gut ist. Überhaupt ist Herr Olsson in seinen Charakteren herrlich untypisch und in (fast) keinem Klischee zu finden. Für einen Thriller dieser Art doch eher ungewöhnlich.

Der Code? Ja, hier möchte ich nicht zuviel verraten. Über die DNA der Menschheit wird ja schon im Klappentext gesprochen, die Herkunft wird heiß diskutiert, aber der Autor lässt diese Frage offen. So ganz habe ich die Übersetzungsorgie nicht verstanden. Also erst übersetzt man es in Keilschrift und dann wieder in Zahlen und dann? Und wenn dort die Geschichte der Menschheit enthalten ist, wer hat die dort reingeschrieben? Ach ja…. Irgendwie schon klar, dass es keine Lösung gibt, aber doch hätte ich gerne eine. Sandbergs Schlussfolgerung ist dann allerdings recht überraschend und ich hätte gerne gesehen, was die anderen DNAs noch so aussagen. 😉

Fazit:
Spannend und mit viel Action, allerdings mit gewöhnungsbedürftigen Charakteren und einigen unlogischen und/oder nicht gelösten Wendungen bzw. Schlussfolgerungen.

3 und ein halbes Schaf

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2 thoughts on “Irgendwie untypisch: Der Code – Fredrik T. Olsson

  1. Schöne Rezension, nur an einer Stelle bin ich dann doch hängen geblieben: “Thriller, in der Art wie „Der Code“, kommen doch meist aus den USA. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass „Der Code“ zwar einen schwedischen Protagonisten hat, doch an sich recht europäisch daher kommt.” Also Schweden liegt nicht in Europa, aber die USA schon? 😉

    • Hüstel…. das ist wohl ein Verschreiber reingekommen… das kommt davon, wenn man die Rezis mitten in der Nacht tippt und vor dem Veröffentlichen nicht mehr quer liest… ich ändere das mal ab. Danke für den Hinweis!

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