Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Gäääähn: Zorn. Wie sie töten – Stephan Ludwig

4 Comments

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Stephan Ludwig – Zorn. Wie sie töten
Verlag: Fischer
406 Seiten
ISBN: 978-3596198610
9,99 €

 

 

 

Jetzt sitze ich schon geschlagene 5 Minuten vor der leeren Seite und verwerfe jeden ersten Satz, den ich mir überlege. Doch jetzt denke ich mir, warum eigentlich? Das Buch war für mich eine Qual und das kann auch jeder gleich im ersten Satz wissen. Na gut, es ist jetzt doch der dritte Satz geworden, aber egal. Mir hat der vierte Teil der Zorn und Schröder Reihe überhaupt nicht gefallen und für mich war es der letzte Teil der Serie.

Schon im letzten Teil, der mir allerdings noch wesentlich besser gefallen hat, ist mir Herrn Ludwigs Tendenz zum Auftrumpfen aufgefallen. Es reicht eben nicht mehr nur ein Mord, nein, es musste gleich eine ganze Serie sein. Und auch in diesem Teil reicht nicht ein Mörder, nicht ein Mord, nein, wir haben gleich mehrere. Hört sich für manch einen jetzt vielleicht recht spannend an, war es aber nicht so wirklich.

Angefangen hat das Buch mit 200 Seiten Langeweile. Schröder ist aus der Polizei ausgetreten und führt ein Lokal, welches nur mittags offen hat und Zorn ist sein einziger Gast. Wenn Zorn nicht dort rumhängt, dann tut er das gewohnt faul in seinem Büro. Keine Ermittlung, keine Aktion, kein gar nichts! Wie schrecklich. Aufpeppen sollte wohl die Sicht der Mörderin – Berit Steinherz. Nein, ich verrate hier nicht zu viel. Die Serienmörderin ist gleich bekannt. Und man achte auf den sehr sprechenden Namen. Steinherz bringt also ständig Leute um – natürlich getarnt als Unfälle und Selbstmorde und dergleichen. Und doch sind immer irgendwie Hinweise dabei, die entdeckt hätten werden können – eben nur nicht von Zorn. Notorisch faul wie immer fläzt er sich in seinem Büro, außer wenn er zum Rauchen raus geht. Das funktioniert wunderbar, wenn der fleißige Schröder da ist und sucht, findet, animiert, doch ohne ihn ist einfach die Luft raus. Und ich finde die beiden Charaktere zwar sehr gut, doch langweiligen, gezwungenen Mittagsgesprächen will ich nicht folgen.

Tja, und dann ist da noch Malina. Schon beim letzten Mal war das eher ein Störfaktor im Buch als wahre Bereicherung. Und so ist es auch diesmal. Schwanger sind sie. Malina und Zorn. Zorn noch mehr. Der träumt sogar vom Kind – wer braucht das denn in einem Krimi? Und welchen Sinn und Zweck hat das denn? Am Ende geht Malina (mal wieder) – mir ist es egal, ob sie wiederkommt. War ja mein letzter Teil der Serie.

So, da hätten wir jetzt die ersten 200 Seiten. Da war ich dann kurz vor dem aufhören, doch dann fährt Stephan Ludwig tatsächlich einen 200-seitigen Showdown auf. Ob ich das so richtig gut finde, weiß ich immer noch nicht. Es passiert dann wahnsinnig viel: Schröder wird entführt und festgehalten, Malina trifft auf Berit Steinherz und wird mit einer Garotte in Schach gehalten, Schröders Mutter schiebt einen fast gelähmten Mann in die Kapelle und ein Altersheim explodiert und Zorn steckt da irgendwo mittendrin. Bis dann alle irgendwie in der Kapelle aufeinander treffen. Die Unterkapitel sind ab Seite 200 noch kürzer – mitunter nur einen Satz lang – und die Handlung erinnert an einen Film. Allerdings einen sehr abgehackten, mit u. a. extrem kurzen Szenen. Der Showdown, auch wenn ewig lang, war recht spannend zu lesen, doch es gab schon wieder keine Ermittlung, keine Aktion. Reine Reaktionen auf Steinherz‘ Taten und die Geschehnisse. Schon klar, das Ganze nennt sich Thriller und nicht Krimi, doch wenn ich Polizisten als Hauptakteure einbaue, dann muss ich auch Ermittlungen einbauen und nicht nur Zufälle und Reaktionen. Am Ende, als Schröder wieder mit an Bord ist, bekommt man ein einen Rückblick, warum man die Serie mal ursprünglich angefangen hat: wegen der Dynamik zwischen Zorn und Schröder. Die Reihe mag zwar nach Zorn benannt sein, doch seien wir mal ehrlich: weder Zorn noch die Reihe wären ohne Schröder auch nur irgendwas. Damit Weiterleser aber getröstet sein können: Schröder tritt der Polizei wieder bei und es gibt sogar noch eine kleine Überraschung am Ende.

So, ich hab mich jetzt genug geärgert. Ich schreibe ja nicht sehr oft negative Meinungen, doch dieses Meinungsbild ließ sich – abgesehen von den ersten sprachlosen fünf Minuten – viel schneller tippen. Mit negativen Emotionen klappt sowas halt besser. Aber letztendlich bin ich doch froh, dass ich meist ein gutes Händchen habe und mehrheitlich gute bis sehr gute Bücher lese. Auch mit Standard und Durchschnitt kann ich gut leben – nicht jedes Buch muss mich überraschen oder bezaubern. Aber auch für ein schlechtes Buch bin ich dankbar, wie ich gerade merke, denn schließlich erinnert es einen daran, wie man sich ein gutes Buch wirklich vorstellt und zum anderen macht Verrisse schreiben genauso viel Spaß wie Verrisse lesen – und vielleicht geht es Euch ja auch so? 😉

Fazit:
200 Seiten Langeweile, dann 200 Seiten Showdown und Ende. Keine Ermittlung, keine Polizeiarbeit, keine Dynamik. Irgendwie war das nix. Von mir gibt es 1 ½ Schafe.

1 und ein halbes Schaf

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4 thoughts on “Gäääähn: Zorn. Wie sie töten – Stephan Ludwig

  1. Mir hat “Wie sie töten” leider auch nicht gefallen. Anfangs war ich von Zorn und Schröder angetan, aber den letzten Band fand ich auch enttäuschend.
    Was Verrisse angeht, versuche ich, sachlich zu bleiben, aber wenn ich mich über ein Buch ärgere, dann gehen manchmal auch die Gäule mit mir durch. Und als Leser finde ich Verrisse “mit viel Schwung” einfach toll zu lesen.
    LG Gabi

    • Na, ich hoffe, ich hab die Mitte getroffen – sozusagen ein wenig sachliche Gäule. Der Ärger darf schon durchkommen, nur eben konstruktiv. Aber eine Meinung ist und bleibt es!

      • Man muss schon deutlich sagen können, was einem nicht gefallen hat. Und das hast Du. Das war übrigens in etwa das, was auch mir nicht gefallen hat. Mit ein bisschen Schwung, aber sachlich, und ohne persönlich gegen den Autor zu werden. So mag ich Verrisse.

  2. Vielen Dank, Christina, für deine ehrliche Meinung. Ich habe bisher um Zorn einen Bogen gemacht. Werde ich auch weiterhin tun.

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