Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Private Eye in Germany: Mein wirst du sein – Katrin Rodeit

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9783839214572
Mein wirst du sein – Katrin Rodeit
Verlag: Gmeiner
294 Seiten
ISBN: 978-3839214572
11,99 €

 

 

 

 

Der Gmeiner-Verlag hat mich wieder! „Mein wirst du sein“ – nicht perfekt, aber spannend, pfiffig und mit einem zwinkernden Auge – auch wenn ich einige Kleinigkeiten zu kritisieren habe. Und mal ehrlich: Gmeiner und Serienmörder? Das hätte ich niemals zusammengebracht. Doch es funktioniert. Und es funktioniert gut.

Jule Flemming, die Hauptfigur, ist Privatdetektivin. In Deutschland. Genauer gesagt in Ulm (nicht zu verwechseln mit Neu-Ulm). Eine deutsche Privatdetektivin – für mich nicht nur ungewöhnlich, sondern auch neu. Das gibt es vermutlich nicht so oft und mir ist noch keine in einem Krimi begegnet, meist sind es ja doch Männer. Zudem Jule Flemming auch so schön bockig ist. Geschieden, Ex-Polizistin und mit einer Mutter geschlagen, die sich mit Séancen und Träumen befasst, hat sie keine Lust sich in irgendein Schema zu pressen. Das war vielleicht mal anders, doch aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. So lebt Jule eben nicht spießig konservativ als verheiratete Polizistin, sondern verdient ihre Brötchen mit dem harten Job als Privatdetektivin.

Wobei man von ihrem eigentlichen Job und der Detektei, in der sie arbeitet, gar nicht viel mitkriegt, denn sie hat Urlaub, als Lou, ein Freund und der Besitzer des Jazz-Kellers, in dem Jule ab und an singt, sie bittet ihm zu helfen. Eine Frau ist verschwunden und sie wurde zuletzt im Jazz-Keller gesehen. Wegen Lous krimineller Vergangenheit gilt er als ein Verdächtiger und hat Angst wieder ins Gefängnis zu wandern. Also macht Jule sich auf die Suche nach der Frau – doch schon wenige Tage später wird deren Leiche aus dem Fluss gezogen. Jule sucht jetzt einen Mörder. Wie sich bald herausstellt, einen Serienmörder.

Jule Flemming ist tough, neugierig, hartnäckig. Alles, was man als Privatdetektivin braucht. Zudem auch noch störrisch und lässt sich nichts sagen, schon gar nicht von Mark Heilig, dem leitenden Ermittler. Sie geht mit der Gefahr, in die sie sich bringt, relativ gleichgültig um. Zwar hat sie Angst in ihrer Wohnung, als Anrufe bei ihr eingehen und niemand dran ist und ihre Wohnung nach der Heimkehr deutlich anders aber nicht durchstöbert aussieht, doch dickköpfig wie sie ist, bleibt sie dort und zieht das Unglück somit förmlich an. Und so tough wie sie tut, ist sie nicht immer. Mitunter ist es wohl eher eine Schale, die sie sich angelegt hat, um nicht verletzt zu werden. Mir hat Jule Flemming außerordentlich gut gefallen. Sogar die Liebesgeschichte zwischen ihr und ihrem ehemaligen Klassenkameraden Mark, jetzt leitender Ermittler stört mich diesmal nicht, sondern passt einfach.

Es ist spannend, ihrer Ermittlung zu folgen und die Autorin schafft es, viele potentielle Verdächtige unterzubringen, ohne das es überladen wirkt, oder man gar die Namen vergisst, weil es schon so viele sind. Der Täter ist letztendlich jemand, den ich bei seinem Auftauchen mal kurz als Täter im Blick hatte, doch dann wieder völlig aus den Augen verloren habe. Irgendwie waren dann alle wieder verdächtig – kein Wunder, fast jeder hat irgendeinen Dreck am Stecken. Der Fall um den Serienmörder ist gut konstruiert, besonders gefallen hat mir, dass Jule ganz viele Zeugen und Verdächtige einkreist und so nach und nach Geheimnisse aufdeckt, doch der Serienmörder aus einer ganz anderen Ecke kommt. Jule nähert sich ihm und ist sich dessen nicht bewusst bis es fast zu spät ist. Ein netter Gimmick ist, dass es noch einen zweiten Fall gibt, bei dem Jule einem Nachbarsjungen unterstützt, der gemobbt wird.

Aber wie ich schon kurz erwähnte, ein paar Kleinigkeiten hab ich doch zu mäkeln. Schade fand ich, dass Jule in den Fokus des Täters gerutscht ist. Das ist recht vorhersehbar – einfach weil viele Autoren das so machen. Hier hätte ich mir etwas Innovativeres gewünscht.
Am Ende versucht die Autorin dann verschiedene andere Täter abschließend zu präsentieren, bevor man zum eigentlichen Täter, dem Serienmörder, gelangt. Leider nicht sehr glaubhaft, da Jule schon einige Zeit an einer Verbindung arbeitet, an einer Erinnerung, die ihr den letzten Schritt zum Erkennen des Täters fehlt. Und die hat sie bei den ersten Tätern, die präsentiert werden, eben nicht. Somit ist dem Leser klar, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist und die geschickt aufgebauten Sackgassen sind ein wenig nutzlos, auch wenn sie andere Geschehnisse im Buch im Nachhinein aufklären.
Abschließend muss ich noch etwas zum Sprachstil erwähnen. Gerade am Anfang ist mir aufgefallen, dass sehr viele Phrasen verwendet wurden. Da kam vom „stillen Örtchen“ bis zur „Hand in der Steckdose“ einiges vor und hat für mich gewollt gewirkt. Gewollt flippig, um Jule als chaotische Privatdetektivin zu präsentieren. Allerdings hat sich das schnell geändert. Entweder ist es mir nicht mehr aufgefallen oder es hat sich tatsächlich gelegt, jedenfalls war die weitere Lektüre weitaus runder. Ach ja, und am Ende gibt es doch tatsächlich noch die Rezepte zu den gekochten Menüs von Jule – hmmm, lecker!

Fazit:
Privatdetektivin und Serienmörder in Deutschland – geht nicht. Geht doch! Mir hat die Lektüre trotz kleiner Schwächen gut gefallen. Von mir gibt es 4 Schafe – und der zweite Teil um Jule Flemming wartet bereits in meinem SUB.

4 Schafe

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