Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Wo sind all die…. : Der Lohn des Bösen – Gwen Florio

2 Comments

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Gwen Florio – Der Lohn des Bösen
Verlag: Goldmann
317 Seiten
ISBN: 978-3442482115
8,99 €

Lola Wicks, eine toughe Journalistin, die man aus Afghanistan gar nicht mehr weg bekommt, wird in ihre Heimat USA zurückbeordert und vor vollendete Tatsachen gestellt: die Stelle der Auslandskorrespondentin wird gestrichen. Trotz vehementer Versuche ihrerseits die Stelle zu erhalten – wenn nötig auf eigene Kosten – wird ihr vom Redakteur ein Urlaub aufgezwungen. Sie beschließt, ihre alte Freundin und Kollegin Mary Alice Carr in der Kleinstadt Magpie zu besuchen, doch als sie dort ankommt liegt Mary Alice erschossen auf ihrer Veranda.

Lola Wicks ist für mich eine der interessantesten Protagonistinnen, die ich je erlebt habe, auch wenn ich finde, dass zum einen manche Teile tatsächlich noch extremer ausgearbeitet hätten werden können und mir zum anderen ihre Entwicklung/Entscheidung am Ende nicht so gut gefällt. Lola ist Auslandkorrespondentin und seit Jahren nicht mehr aus Kabul und Umgebung herausgekommen. Selbst zurück in den USA schläft sie immer noch voll angezogen im Schlafsack, statt sich den westlichen Annehmlichkeiten wieder hinzugeben. Sie ist weltgewandt, andersartig, komisch und seltsam. Zudem ist sie hart im Nehmen, besitzt kaum Freunde und stößt jeden vor den Kopf. Sie hat Macken – und genau das macht sie aus. Und doch weicht sie während der Handlung mehr und mehr von ihren Grundsätzen ab, passt sich an die nicht ganz so idyllische Kleinstadtlangweile an, anstatt weiter mit den Extremen ihres Charakters zu reizen und den Leser bei Stange zu halten. (Achtung – jetzt kommt ein Spoiler!) Ihre Entscheidung am Ende des Buches, nicht nur den Job als Auslandskorrespondentin nicht weiterzuverfolgen, sondern auch den Job in der Großstadt auszuschlagen und nach Magpie zu ziehen, finde ich schade. Ich hätte mich wahnsinnig gefreut, wenn Lola in einem ihrer nächsten Fälle eine Ermittlung in der Großstadt oder gar im Kriegsgebiet wagt. (Spoiler Ende)

Magpie – eine Kleinstadt in Montana. Das stand auch im Klappentext. Sowie die Worte “verschworene Gemeinschaft”. Ich dachte sofort an eine Kleinstadt, in der es unterschwellig brodelt, Geheimnisse lauern und jeder jeden anlügt. Von dem nahen Indianerreservat stand im Klappentext allerdings nichts. Auch nicht, dass sich Lolas Ermittlungen hauptsächlich dorthin konzentrieren und der Mordfall nicht im “idyllischen” Kleinstadtsetting gelöst wird. Somit war ich bass erstaunt, als plötzlich vom „Res“ geredet wurde und weder Lola noch ich als Leser erstmal verstanden haben, was das überhaupt ist. Hätte ich mir das Buch gekauft, wenn im Klappentext davon die Rede gewesen wäre? Ich weiß es nicht. Bisher haben mich Indianer eigentlich nicht sehr interessiert und das Buch hat sie mir keineswegs näher gebracht. Zwar wird viel von indianischen Traditionen und Sitten gesprochen, doch man sieht nie etwas davon. Klar, ein Mordfall beleuchtet oftmals eher die negativen Aspekte eines Landes / einer Gesellschaft / einer Kultur. Doch so richtig ist das “Feeling” – die Kultur der Indianer – nicht rübergekommen. Für mich hat sich Lola schon sehr bald in die Richtung Indianerreservat festgebissen, was ich als Leser nicht ganz verstanden habe. Wobei sie letztendlich nicht ganz unrecht hatte. Trotzdem ist sie nur auf einer ‚Nebenspur‘ und findet den Täter erst darüber – übrigens den/diejenige/n, den/die ich schon von Anfang an verdächtig fand. Ich habe mich auf ein Kleinstadtsetting gefreut, denn da verstecken sich ja oft die übelsten Taten unter der gutbürgerlichen Schicht, doch bekommen habe ich eine Ermittlung in einer seichten Indianerreservatsumgebung ohne Tiefen und nur wenig Hintergründe.

Hmm… irgendwie schade. Auch wenn sich der „Thriller“ (in Anführungszeichen, weil ich es eher als Krimi bezeichnen würde) ganz spannend gelesen hat, ich die Protagonistin sehr gerne mochte und der Fall auch recht gut aufgebaut war, bin ich mir unsicher, ob der nächste Teil etwas für mich ist. Dieser ist nämlich schon in Planung – und dreht sich leider schon wieder ums Indianerreservat. Ich vermute mal, dass dieses die Grundlage der Serie um Lola Wicks bildet und aus dem Grund bin ich mir nicht sicher, ob es für mich einen weiteren Teil gibt.

Fazit:
Eine wahnsinnig tolle Protagonistin in einem für mich nicht sehr spannendem Setting, die am Ende den Fall auf schmerzhafte Weise löst und dann leider eine für mich unglückliche Entscheidung trifft: nämlich zum Umzug in das nur mäßig interessante Setting. Von mir gibt es 3 Schafe.

3 Schafe

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2 thoughts on “Wo sind all die…. : Der Lohn des Bösen – Gwen Florio

  1. Die Protagonistin reizt mich nach deinen Beschreibungen auch, komisch und seltsam mag ich ja, klingt also schon mal vielversprechend! Hatte das Buch nur am Rande wahrgenommen, ich glaube, mir ist in den Programmvorschauen auch schon der zweite Band begegnet, ich glaube zum Ende des Sommers soll der erscheinen. Na ich werd mal schauen, ob mir das Buch bis dahin noch über den Weg läuft, einen Versuch scheint es mir doch wert zu sein! 🙂

    • Wenn Dir das Thema mehr liegt als mir, kann ich Dir das Buch empfehlen. Mit so einem Erstling kann man ja auch erstmal reinschnuppern – ob man der Serie dann folgt ist ja eine andere Sache.

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