Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Not my cup of tea: MUC – Anna Mocikat

3 Comments

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Anna Mocikat – MUC
Verlag: Droemer Knaur
368 Seiten
ISBN: 978-3426515402
12,99 €

 

 

 

 

Ich hatte mich so auf dieses Buch gefreut. Ich wollte mal etwas anderes Lesen, aber trotzdem in einem Thema bleiben, das mich interessiert. Also gab es einen Zukunftsroman ohne Krimi/Thriller. Ich habe MUC bei meiner Bloggerkollegin Wortgestalt gefunden und mir gleich geholt. Derweil sie ganz zufrieden ist (Ihre Rezi ist schon verfügbar) und auch ein Interview mit der Autorin geführt hat, bin ich nicht so richtig glücklich mit MUC.

Pia verlässt ihr Dorf, um nach MUC zu reisen. Ihr Bruder ist diese Reise vor 5 Jahren angetreten und seitdem hat sie nie wieder etwas von ihm gehört. Als sie zwangsverheiratet werden soll, schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe: sie flieht, um der Heirat zu entkommen und ihren Bruder zu suchen. Ihr Leben im Dorf, aber auch Ihre Suche wird ihr nicht einfach gemacht, denn sie ist anders als die anderen. Die Katastrophe vor über 100 Jahren hat viele Menschen getötet – nur Rothaarige haben überlebt. Doch Pia hat schwarze Haare.

Für mich hat sich der Roman zwar ganz zügig gelesen, doch leider hatte es sehr den Geschmack von Jugendroman. Die Protagonistin ist – obwohl schon 20 Jahre alt – fürchterlich naiv und wird während des ganzen Romans auch recht weich gebettet. Ja, es ist ein Entwicklungsroman, doch es fehlt mir an allen Ecken und Kanten an Spannung, an Initiative, an realen Gefahren. Ja, sie begegnet Wölfen – doch der Regen rettet sie. Ja, sie begegnet einer degenerierten Sorte von Menschen, die alles Mögliche mit ihr vor haben – doch die Gemeinschaft des Hades, die in der Unterwelt von MUC leben, retten sie. Es erscheint einfach alles ein wenig weichgespült. Zusätzlich mag ich einfach Jugendromane/krimis/thriller nicht sonderlich. Ich bin alt genug, um die komplette Bandbreite an Möglichkeiten in einem Buch zu erleben und das möchte ich auch gerne. Ich habe kaum Jugendromane gelesen und sie reizen mich nicht. Mit 12 habe ich angefangen Stephen King zu lesen und danach hab ich nicht mehr zurückgeschaut. 😉

Doch grundsätzlich hat das Buch gute Ansätze. Die Welt, die Anna Mocikat zeichnet, ist zerstört. Nur ein Prozentsatz der Weltbevölkerung hat überlebt. Nur Menschen mit roten Haaren haben überlebt. Anscheinend gibt es ein Gen, welches nur bei Rothaarigen vorkommt, sie vor dem Tod bewahrt. Warum alle anderen gestorben sind? Keine Ahnung. Das ist eine der Fragen, die Frau Mocikat eher im Dunklen lässt, klar hat es etwas mit den Genen zu tun, doch der Auslöser wird nicht verraten, es wird nur von einer Krankheit gesprochen. Der Roman spielt in Deutschland – hierfür gibt es definitiv einen Pluspunkt. Bayern hat sich in eine Wildnis verwandelt, Pias Dorf ist total abgeschottet und autark, eine weitere Stadt, auf die sie trifft ist von degenerierten Menschen bewohnt, die fast nur noch animalische Instinkte haben, MUC ist… ja, was ist MUC? Eine Welt in der Welt, die drei Ebenen hat: die Hochstadt, der Hades und die Unterstadt (das Mittelalter lässt grüßen!). Pia landet im Hades, einem Haufen von Ausgestoßenen, Dieben und sonstigen Gesellen. Die Hochstadt beherbergt die Elite inklusive Prophet und Wächtern und die Unterstadt enthält den ganzen Rest: abhängig und an den Propheten glaubend, ziemlich eklig, arm und schmutzig. Ein interessantes Konstrukt, welches ich gerne näher untersucht hätte. Die Hintergründe der Hochstadt – die zurückgehaltene Technologie und der Reichtum, die Unterdrückung der Unterstadt, die Politik. Alles wurde nur angekratzt, doch nicht tiefer beleuchtet.

Wie aber schon kurz angedeutet, gibt es noch offene Fragen nach der Lektüre von MUC. Das heißt, Frau Mocikat hat im nächsten Teil die Möglichkeit, hier Tiefe zu zeigen und die Welt weiterzuentwickeln. Doch wird sie das wirklich tun? Ich vermute eher, dass Pias Entwicklungsweg weitergeht und das – muss ich ehrlich gesagt zugeben – reizt mich nun gar nicht. Ihre Figur konnte mich einfach nicht überzeugen. Nicht nur ihre Naivität, sondern auch die seltsamen Liebesanwandlungen. Erst verliebt sie sich und als der junge Mann ein paar Wochen weg ist, verliebt sie sich spontan in einen anderen. Was soll ich sagen? Ich fühl mich manchmal wie eine kaputte Schallplatte: wer hat diese Liebesgeschichte gebraucht? Mehr Fokus auf die gezeichnete Welt und deren Funktionen: Politik, Wirtschaft, Aufteilung von MUC in drei Welten… es gibt so viel Spannendes in MUC und doch ist und bleibt es nichts weiter als ein Jugendroman, der in einem dystopischen Setting spielt.

Ich wollte gerne mal einen anderen Zukunftsroman kennenlernen, einen ohne Krimi und so. Das habe ich, doch ich werde wieder auf meine ‚üblichen‘ Zukunftsromane zurückkehren. Am allerbesten mit Krimi/Thriller, aber auch jeden Fall mit einem Fokus auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, ausgeklügelten Landschaften und Charakteren. Keine Weichspülung, keinen Jugendroman, keine Naivität.

Fazit:
Es war einfach nicht meins, auch wenn ich durchaus gute Ansätze gesehen habe. Für mich war die Handlung zu weichgespült, die Protagonistin zu naiv und die interessanten Punkte kaum ausgearbeitet. Wer mit Zukunft und Jugendroman etwas anfangen kann, dem sei es empfohlen. Wer etwas mit Zukunft und Spannung haben will, sollte eher auf Drohnenland oder Spademan zurückgreifen. Ich werde als nächstes zu Dewey Decimal greifen – da erhoffe ich mir mehr. Mehr von allem!

2 und ein halbes Schaf

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3 thoughts on “Not my cup of tea: MUC – Anna Mocikat

  1. Also wenn du Spademan mochtest, dann solltest du von Dewey Decimal richtig begeistert sein. MUC werde ich wohl auch links liegen lassen, hat mich von Anfang an nicht wirklich gereizt. Jemand “Zoo” von Lauren Beukes gelesen? Das würde mich eventuell interessieren.

  2. Oh nein, ich habe mich auch begeistern lassen von dem Buch und den positiven Stimmen, aber was du da schreibst, ernüchtert mich wieder. Auf naive Protagonisten und typische Jugendromanart habe ich wirklich keine Lust. Ich denke, dann lasse ich von dem Buch lieber die Finger. Schade. 😦

    • Hmm… letztendlich ist eine Meinung natürlich nur subjektiv, also vielleicht ist es ja doch etwas für Dich. Falls aber nicht, gibt es ja zum Glück noch ein paar andere Zukunftsromane, die wirklich gut sind.

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