Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

East meets West: Japantown – Barry Lancet

7 Comments

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Barry Lancet – Japantown
Verlag: Heyne
587 Seiten
ISBN: 978-3453437807
9,99 €

 

 

 

 

„Japantown“ war ein Thriller mit dem ich lange geliebäugelt habe. Angezogen hat mich vor allem der Gegensatz San Francisco / Japan, aber natürlich auch die fünf Leichen mit nur einer einzigen Spur am Tatort: einem Kanji. Nach der Lektüre kann ich sogar noch mehr Gegensätze aufzählen, die Jim Brodie, der Protagonist der Geschichte, darstellt. Er ist nicht nur zwischen Ost und West… hmm, zerrischen ist falsch, eher eingeklemmt, würde ich sagen, sondern er steckt auch zwischen zwei Jobs: dem als Kunst- und Antiquitätenhändler und dem Chef einer Security-Agentur. Beide Jobs hat er sozusagen geerbt: den Kunstverstand von seiner Mutter, die Agentur von seinem Vater. Verwitwet und zusammen mit einer kleinen Tochter ist er – nun sagen wir mal – gut beschäftigt.

Ab und an hilft er der Polizei auch mal, wenn es um Verbindungen zur asiatischen Kultur, vor allem natürlich Japan, geht, doch als er diesmal gerufen wird, ist es etwas ganz anderes als sonst. 5 Leichen – darunter 2 Kinder – finden sich in Japantown. Alle mit Schüssen hingerichtet. Und es gibt keine Spuren – bis auf ein Kanji, ein japanisches Schriftzeichen, welches seltsamerweise auch bei der Ermordung seiner Frau Mieko auftauchte. Jim beginnt nochmals mit der Recherche nach dem Kanji und gerät in einen Strudel, der ihn geradewegs nach Japan bugsiert…

Der Thriller spielt sowohl in den USA als auch in Japan und ich muss zugeben, dass mir die Teile in den USA viel besser gefallen haben. Vielleicht, weil ich das erwartet habe und überrascht war, als es auf nach Japan ging. Nichtsdestotrotz konnte ich einiges über Japan lernen und vor allem in die japanischen Gepflogenheiten reinschnuppern und mehr erfahren. Man merkt, dass der Autor etwas von Japan versteht, etwas von Kunst versteht, etwas von Kampfkunst versteht – dass er eben einfach Fachwissen gut verpack eingebaut hat und dem Leser ein Gefühl von Ost und West gleichermaßen vermitteln konnte. Es war sehr spannend geschrieben und es gab für Brodie – und den Leser – kaum Verschnaufpausen, so dass man eigentlich fast durchs Buch gehetzt ist. Na ja, ein wenig gestockt ist es bei mir bei dem japanischen Teil.

Jim Brodie ist ein sympathischer Kerl, sorgt sich zumeist aufopferungsvoll um seine Tochter, hat Sachverstand und viele Verbindungen. Überzogen waren die dargestellten Kampfkünste. Schon klar, dass er welche aufgeschnappt hat, als er in Japan war und diese von mir aus auch in den USA verfeinert bzw. bereichert hat. Doch ständig sagt ihm sein bester Mitarbeiter, dass er gegen die Soga (erklär ich gleich) keine Chance hat und letztendlich hat er die aber doch und macht sie fast im Alleingang nieder. Da mag ich doch eher die Helden, die nix können, aber sich pfiffig aus einer Situation herauswinden können. Superhelden gehören in Comics und nicht in Krimis und Thriller. Da erwarte ich dann schon ein wenig ausgefeiltere Charaktere und keine Klischees. Zumindest wenn es nach mir geht. 😉

Komischerweise findet Brodie bei der jetzigen Recherche recht schnell eine Verbindung des Kanjis nach Japan in das Dorf Soga-jujo. Die dort ansässige, aber auch weltweit verteilte und operierende Bruderschaft hat mit den Morden zu tun. Genaueres möchte ich nicht verraten, doch zumindest muss ich die Soga erwähnen, damit ich erklären kann, dass mir das „too much“ war. Eine jahrhundertealte, geheime Bruderschaft von gedungenen Mördern mit allen möglichen Kampftechniken, Hightech-Ausrüstung und – natürlich – ohne Skrupel. Das war einfach ein bisschen zu viel des Guten. Auch hier würde ich wieder sagen: weniger ist manchmal mehr.

Und natürlich gibt es ein Happy End. Die Bösen sind vernichtet, die Guten siegen. Ob es wohl einen nächsten Teil mit Jim Brodie geben wird? Ich weiß nicht. Eigentlich finde ich es einen guten Abschluss und wie viele Krimis um einen Protagonisten mit Kriminalfällen in San Francisco, die nach Japan reichen, kann man schon schreiben und damit glaubwürdig bleiben? Schon bei diesem Teil fehlt ja mitunter an Glaubwürdigkeit, einfach durch die überzogenen Aspekte des Buches. Ein weiterer Teil dieser Art? Ich hoffe nicht – gerne lese ich aber einen weiteren Standalone von Barry Lancet und freu mich schon mal drauf. Auch wenn ich nicht weiß, ob es einen geben wird. 😉

Fazit:
Gegensätze herrlich vereint, viel Wissen und harte Action treiben den Leser durch „Japantown“. Bis auf die Übertreibung in einigen Aspekten, war dieser Thriller ein großes Lesevergnügen. Von mir gibt es 4 Schafe.

4 Schafe

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7 thoughts on “East meets West: Japantown – Barry Lancet

  1. Sehr schöne und ausführliche Rezension, der liegt hier auch noch auf dem riesigen “Was ich 2014 nicht geschafft habe”-Stapel. Was einen weiteren Fall angeht kann ich dir schon mal verraten, dass es im Mai mit “Tokio Kill” den nächsten Roman mit Brodie bei Heyne geben wird.

    • Seufz… und damit ist es mal wieder eine Reihe. Na mal sehen… vielleicht bin ich im Mai den Serien ja gewogener als jetzt gerade. 😉
      Und bevor ich es vergesse: Danke für das Lob – das freut mich!

  2. Ja, es wird einen zweiten Teil geben. 😉 “Tokio Kill” erscheint im Mai und da ich auch schon lange mit “Japan Town” liebäugel, werde ich bis zum Frühling wohl hier noch zugreifen!

  3. Bei mir ist “Japantown” ja im Häcksler gelandet: https://mycrimetimeblog.wordpress.com/2014/08/24/krimigehackseltes-5/
    Aber ich freue mich, dass dir die Lektüre wesentlich besser gefallen hat. 🙂

    • Ja, in der Tat hat er bei mir besser abgeschnitten, wobei ich den Punkt ‘Viel zu..’ von Dir schon verstehen kann. Aus dem Grund will ich ja auch keine Serie – denn da können die Übertreibungen ja nur weitergehen. In einem neuen Standalone würde ich Barry Lancet auf jeden Fall noch eine Chance geben. Aber so… na ja, ich muss mal sehen, wie mein Mai Feeling so ist.. 😉

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