Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Gezuckert: Mörderkind – Inge Löhnig

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Inge Löhnig – Mörderkind
Verlag: List
458 Seiten
ISBN: 978-3548612263
9,99 €

 

 

 

 

Dieses Buch hätte ich gerne bei vorablesen.de gewonnen, doch das hat leider nicht geklappt. So habe ich es mir sofort bestellt und auch fast sofort gelesen. Ich mag die Serie um Kommissar Dühnfort und war gespannt, wie Frau Löhnig der Standalone gelungen ist. Und deshalb ist „Mörderkind“ in meinem Regal gelandet… na ja, eigentlich stand es noch nie im Regal und wird auch nicht mehr da landen, aber egal.

Der Krimi handelt von Fiona Jacoby, einer jungen Frau, die noch keinen Platz im Leben gefunden hat. Als sie 6 Jahre alt ist, wird ihr geliebter Vater verhaftet und wenig später des Mordes an seiner Geliebten verurteilt. Ihre Mutter begeht kurze Zeit danach Selbstmord. Für Fiona bricht eine Welt zusammen. Enttäuscht von ihrem Vater, allein gelassen von ihrer Mutter, als Mörderkind beschimpft legt sie sich eine dicke Haut zu und lässt niemanden an sich ran. Auch nicht ihren Vater als er entlassen wird. Als er stirbt gelten seine letzten Worte Fiona und er beteuert seine Unschuld.

Das ist der Ausgangspunkt des Krimis. Fiona ist widerspenstig und will ihrem Vater keinen Glauben schenken, aber natürlich lassen sie die letzten Worte ihres Vaters ihr keine Ruhe. Erst widerwillig, dann stur und unabänderlich sucht sie nach der Wahrheit. Ihr Charakter hat mir sehr gut gefallen: stur, bockig und rotzig. Sie lässt sich nichts gefallen. Im ersten Kapitel nimmt sie einem Autofahrer, der sie geschnitten hat, mal kurz und knackig den Wind aus den Segeln und das hat mir schon bei der Leseprobe gefallen. Leider konnte mich ihr Meinungsumschwung nicht ganz überzeugen – das ging mir einfach zu schnell. Sie ist seit 16 Jahren felsenfest überzeugt, dass ihr Vater schuldig ist und ändert diese Meinung innerhalb von wenigen Tagen. Wenn hier ein kleiner Puffer eingebaut gewesen wäre, in dem die Zweifel immer größer werden, hätte ich das authentischer gefunden.

Die Autorin berichtet abwechselnd von Fionas Suche und den Geschehnissen vor 19 Jahren. Dieser Trick nimmt dem Leser einerseits Spannung weg, verrät aber letztendlich doch nicht den Ausgang der Geschichte. Einen perfiden Plan hat sich die Autorin hier ausgedacht. Ich bin noch am grübeln, ob dieser ohne die Rückblicke nicht spannender gestaltet hätte werden können. Unglücklicherweise hatte ich sofort eine Person als Mörder von Fionas Vater in Verdacht und der war es dann auch. Und dazu gehört auch nicht sonderlich viel Spürsinn – man muss sich nur Fragen, wem der Mord etwas gebracht hätte.

Die Handlung – also die Geschehnisse vor 19 Jahren und die „Ermittlung“, die Fiona durchführt sind wirklich interessant. Vor allem die vergangenen Geschehnisse finde ich sehr perfide und gut durchdacht. Da hat Frau Löhnig sich etwas richtig Gutes ausgedacht. Auch die aktuellen Ermittlungen sind spannend, leben aber einfach auch sehr durch die Bissigkeit von Fiona.

Ganz schrecklich fand ich zwei Dinge: Die Liebesgeschichte, die sich nicht nur namentlich („Mr. Darcy) an Stolz und Vorurteil von Jane Austen anlehnt, sondern auch – zwar nicht hundertprozentig – an den Inhalt. Musste das mal wieder sein? Kann ein Protagonist nicht mal alleine ermitteln? Muss Fiona den Rettungssanitäter, der ihr die letzten Worte ihres Vaters übermittelt, überall mit hin schleppen? Bäh.
Und dann das Ende. Ok, es wurde alles aufgelöst und war auch logisch strukturiert. Doch dann wird es wirklich fürchterlich kitschig. Liebesgeschichte, Familienwiedervereinigung und Zukunftsperspektive. Das Ende war so zuckersüß, dass eigentlich nur „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“.

Fazit:
Eine gute Idee mit einer sympathisch-kantigen Protagonistin, die mir aber leider von der Umsetzung nicht so sehr zugesagt hat. Auch der ganze Zuckerguss (Liebesgeschichte, Happy End) stört mich mehr als das er die Geschichte abrundet. Ich bin zwar für Standalone, aber der hier hat mir dann doch nicht so gut gefallen. Von mir gibt es nur 2 ½ Schafe.

2 und ein halbes Schaf

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