Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Selbstfindungstrip: Vaters unbekanntes Land – Bernhard Stäber

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Bernhard Stäber – Vaters unbekanntes Land
Verlag: Egmont LYX
403 Seiten
ISBN: 978-3802595790
9,99 €

 

 

 

 

Das Buch habe ich schon vor zwei Wochen ausgelesen und ich versuche zwar immer zeitig die Rezensionen zu verfassen, doch manchmal ist es ganz gut, wenn ich das nicht tue. Das zwingt mich, intensiv darüber nachzudenken, was mir von dem Buch eigentlich in Erinnerung geblieben ist und warum das so ist.

In dem Krimi nimmt sich Psychologe Arne Eriksen eine Auszeit, nachdem er zwei Patienten verloren hat und nur knapp dem Tod entronnen ist. Er fährt von Berlin nach Norwegen, der Heimat seines Vaters. Schon nach kurzer Zeit begegnet er der Kommissarin Kari Bergland, die ihn um Mithilfe bittet, da die andern norwegischen Psychologen unabkömmlich sind. Der Sohn eines berühmten Verlegers wurde ermordet und verstümmelt aufgefunden – nun ja, erst der Kopf und später der Rest. Doch Kari stellt eine Bedingung: Arne muss sich gleichzeitig in Therapie begeben, damit sie sich in der Ermittlung auf ihn verlassen kann.

Und das ist eigentlich auch schon der Punkt in dem Buch, der mich stört. Ein großer Teil der Handlung dreht sich darum, wie Arne therapiert wird und sich selbst findet. Übrigens nicht beim Kollegen um die Ecke, sondern einige Flugstunden entfernt in einem samischen Zelt und mit Wunderkräutern, die ihm Halluzinationen bescheren. Die Ermittlung gerät stellenweise in den Hintergrund und bei einer der wenigen – und natürlich unter Druck stehenden – Mordermittlungen in der norwegischen Einöde ist es anscheinend kein Problem den einzigen Psychologen mit Erfahrung in der Analyse von Straftätern für einige Tage auf einen Selbstfindungstrip zu schicken. Das erscheint mir einfach unglaubwürdig. Und das ist richtig schade, denn sowohl die Charaktere als auch die Handlung sind recht gut gelungen.

Arne Eriksen ist ein gespaltener Mann. Durch den tragischen Schicksalsschlag, den er erleben musste, leidet er an Panikattacken, die sein Leben aus der Bahn werfen. Um zur Ruhe zu kommen, will er sich in die norwegische Einsamkeit zurückziehen. Leider gelingt ihm das nur spärlich, da er durch den Tramper Frode, den er aufsammelt, alsbald Kari kennenlernt und sich von ihr überreden lässt, an der Ermittlung teilzunehmen. Natürlich packt ihn der Fall und so willigt er in die Bedingung ein. Dabei ist er bei der Ermittlung gut aufgehoben – auch wenn das nicht alle Kollegen so sehen. Nicht nur psychologisches Fachwissen bringt er mit, sondern auch Geschichtswissen, dass ihn letztendlich hinter das Motiv des Täters blicken lässt.

Die Motivation ist die recht übliche Mischung aus Eifersucht und Rache, die sich allerdings in einem wahnsinnigen und perfiden Geist zu einer Tragödie gesteigert haben. Jede Aktion des Täters hat für ihn eine Bedeutung, doch ist natürlich für das Ermittlerteam gar nicht oder nur schwer zu erkennen. Nach und nach fügen sich einige Puzzleteile zusammen und führen zu einer Geschichte, die schon lange zurückliegt und wie meist unter den Teppich gekehrt wurde. Eriksen kann nicht nur den entscheidenden Hinweis liefern, sondern begibt sich gemeinsam mit Frode natürlich mitten in einen dramatischen Showdown, der aber natürlich – und leider – glücklich endet. Ich weiß, Autoren mit Serien sind auf der sicheren Seite, doch auch hier plädiere ich mal wieder für mehr Mut zum Protagonistentod. Doch schon im Anhang wird darauf verwiesen, dass dies eine Serie wird und weitere Teile beim Lyx Verlag in Vorbereitung sind.

Fazit:
Arne Eriksen ist ein Held mit Ecken und Kanten, der in eine spannende Ermittlung rutscht. Auch wenn die Selbstfindung in normalen Therapiesitzungen für mich glaubwürdiger gewesen wäre und nicht unbedingt in dieser melodramatischen Art hätte sein müssen, hat es mir Spaß gemacht, den Krimi zu lesen. Vielleicht geht es ja im nächsten Teil mehr um Mord und weniger um Selbstfindung. Von mir gibt es 3 Schafe – mit dem Potential zu mehr im nächsten Teil.

3 Schafe

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