Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Regengötter – James Lee Burke

3 Comments

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James Lee Burke – Regengötter
Verlag: Heyne Hardcore
662 Seiten
ISBN: 978-3453676817
16,99 €

 

 

James Lee Burke ist einer der meist gelobtesten amerikanischen Autoren, dessen Bücher leider in letzter Zeit nicht mehr oft übersetzt wurden. Gerade aus diesem Grund muss man sich freuen, wenn wieder mal ein Buch von ihm übersetzt und verlegt wird. Die erste positive Reaktion habe ich auf MyCrimeTime gelesen – Nicole hat „Regengötter“ zu einem ihrer Jahreshighlights gekürt und war hin und weg. Etwas später hat sich der Lobeshymne auch Iris auf DieLeserin angeschlossen. Warum aber erzähle ich Euch das? Das könnt ihr bei den beiden Blogs, die ich nur empfehlen kann, selbst durchlesen. Also warum?

Ganz einfach: ich bin anderer Meinung. Für mich war es keineswegs ein Highlight, doch einen Teil der Schuld muss ich jetzt erstmal dem Verlag zusprechen. Das Buch hat über 600 Seiten und ist damit für einen Thriller schon ein dicker Brummer. Leider hat sich der Verlag auch entschlossen, dies recht groß geschrieben auf dickes Papier zu drucken. Dieses Monstrum an Buch hat mir schon von Anfang an den Lesegenuss verdorben – und das hat nichts mit dem Inhalt zu tun. Es wirkt sich aber darauf aus. Ständig habe ich die Position des Buches in der Hand verändert, irgendwann habe ich es auf den Tisch legen müssen und darüber gebeugt gelesen. Ich liebe meine Couch – und da lese ich auch am liebsten. Mein Tisch ist zum Essen zwar echt toll, aber nicht mein bevorzugter Leseort. Im Übrigen besitze ich Stephen King Wälzer mit weit über 1000 Seiten, die dünner sind. So ist meine absolute Empfehlung an jeden, der darüber nachdenkt, sich das Buch zuzulegen: kauft das ebook!

So, damit war ich also schon grundsätzlich während der Lektüre angefressen und ich gebe zu, dass mich das ein wenig in meiner Beurteilung beeinflusst. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Punkt in die Wertung aufnehme, mich aber letztendlich doch dazu entschlossen, da mir dieser physische Umstand so negativ aufgefallen ist.

Nun aber zum Inhalt. Hackberry Holland, Sheriff in einem kleinen Ort nahe der mexikanischen Grenze, entdeckt nach einem anonymen Anruf, hinter einer Kirche neun vergrabene Frauenleichen. Diese Tatsache zieht nicht nur das FBI in die Ermittlungen hinzu, sondern auch einen Ermittler der Einwanderungsbehörde, der eine persönliche Fehde mit Preacher, dem vermuteten Mörder, hat. Dann sind da noch Pete Flores, der bei der Tat dabei sein sollte, doch abgehauen ist, und seine Freundin Vikki Gaddis. Für die Tat bluten soll Nick Dolan. Und dann gibt es noch Artie Rooney, einen Gangsterboss, und seinen Killer, Hugo Cistranos.

Wir haben also ein Kaleidoskop an interessanten und wirklich ausgezeichnet ausgearbeiteten Charakteren, die die Story wahrlich bereichern und dieser eine unglaubliche Tiefe verleihen. Burke gelingt es, jeder Figur ausreichend Platz zu schaffen und diese zur Geltung kommen zu lassen. Seltsamerweise hat mir am besten Nick Dolan gefallen. Es war einfach herrlich zu lesen, wie er sich seinen Escort-Service „gut“ redet. Schließlich muss ja jeder arbeiten.
Auch die Szenerie war atmosphärisch dicht beschrieben und hat so viele Stimmungen transportiert. Hier kann man viele Schlagwörter verwenden, die Burke, ohne sie explizit zu nennen, ausgedrückt hat: Stille, Hitze, Trostlosigkeit, Verzweiflung, Einsamkeit… auch hier setzt sich das Kaleidoskop fort.

Die Handlung schreitet eher unaufgeregt fort. Es ist keine Jagd, kein Roadtrip. Es ist eine Ermittlung, in der sich durch die Handlungen der Charaktere, immer wieder neue Schritte und Richtungen entwicklen – nach und nach. Zusammen mit Hackberry taucht man dann auch ab und an in seine Vergangenheit und erfährt einiges über seine Kriegsgefangenschaft. Er ist auch Teil der romantischen Verwicklung in dem Buch – seine Stellvertreterin Pam baggert ihn ziemlich ungeniert und andauernd an. Für mich mal wieder ein eher störender Punkt.

Leider haben aber sowohl die detaillierte Charakterzeichnung als auch die langsam dahin schreitende Handlung nur wenig Spannung bei mir erzeugt. Stellenweise musste ich mich durch das Buch richtig durchkämpfen und ich empfand es stellenweise als sehr zäh. Es kamen hin und wieder Stellen vor, die spannender waren und die mich auch fesseln konnten, doch die schleppenden Stellen haben überwogen und meinen Lesefluss unterbrochen. Doch genau dieses Wechselbad lobt z. B. MyCrimeTime, so dass dieser literarische Effekt wohl Geschmackssache ist. Für mich hat das – zusammen mit der Unhandlichkeit des Buches – einfach meinen Lesegenuss gemindert.

Fazit:
Atmosphärisch dicht, mit ausgezeichneten Charakteren und einem Auf und Ab an Spannung, welche den Thriller für mich zäh machten, zusammen mit der Unhandlichkeit des Buches bekommen von mir 3 1/2 Schafe.

3 und ein halbes Schaf

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3 thoughts on “Regengötter – James Lee Burke

  1. Hallo Christina,
    vielen Dank für deine Rezi! 🙂
    Habe in Zukunft auf jeden Fall auch vor, das Buch zu lesen. Werde es mir dann aber wahrscheinlich als ebook zulegen! 😉
    LG Melli

  2. Hach, du hast meine Rezension erwähnt und die ist weg (hatte ja den totalen Datenverlust). Ich weine.
    Danke dir für die Verlinkung!

    Oh ja, REGENGÖTTER zählt zu meinen Lesehighlights, aber es sicherlich kein Buch, das jedem gefällt. Dabei wollte ich es zuerst gar nicht lesen, weil mich die ersten Seiten mit den eher langatmigen Sätzen abgeschreckt haben. *lach*
    Wenn Charaktere, Thema und Stil aufeinander abgestimmt sind, dann zählt das Buch für mich meist zu den Top-Kandidaten. Das war hier der Fall, von daher gabs von mir auch die volle Punkteanzahl.

    Liebe Grüße, Iris

    PS: Ich weiß schon, warum ich eBooks bevorzuge 😉

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