Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Die Macht der Worte: Lexicon – Max Barry

2 Comments

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Max Barry – Lexicon
Verlag: Heyne Hardcore
461 Seiten
ISBN: 978-3453269118
14,99 €

 

 

Meine Meinung:

„Lexicon“ ist ein Buch aus dem Heyne Hardcore Programm. Es ist nicht als Krimi oder Thriller gekennzeichnet, auch wenn es ein Zitat auf dem Rückcover enthält, dass es als „raffinierteste[n] Thriller des Jahres“ bezeichnet. War es ein Thriller? Irgendwie schon, wenn auch anders als die meisten Thriller kann man es dem Genre schon zuordnen. Auch die Heyne Hardcore Reihe passt perfekt.

Der Thriller enthält zwei zeitversetzte Zeitstränge, die sich zum Ende hin immer mehr vermischen – ganz ohne Angabe, in welcher Zeit man sich gerade befindet, doch irgendwie klappt das ganz ohne Verwirrung des Lesers – Kompliment an den Autor!
Der eine Strang handelt von Wil Parke, der von zwei Männern am Flughafen entführt wird. Die Handlung hier ist geballt von Aktion und gepflastert mit Toten. Die Dichter versuchen Wil in ihre Hände zu bekommen und Tom, einer der Entführer, versucht das mit allen Mitteln zu verhindern.
Der zweite Strang dreht sich um Emily Ruff. Eine jugendliche Ausreisserin, die sich mit Hütchenspielen über Wasser hält, bis sie von einem seltsamen jungen Mann angesprochen und einem Test unterzogen wird. Der junge Mann kommt von einer Schule und sucht hierfür neue Schüler. Emily kommt in Frage und wird zu weiterführenden Tests in die Schule gebracht.

Nach und nach kristallisiert sich in beiden Erzählsträngen heraus, dass hier Worte die eigentlichen Protagonisten sind. Worte sind Macht, „Worte sind Waffen“, Worte dienen der Beeinflussung und Steuerung. Und die Dichter sind Meister der Worte. Hier tummeln sich T.S. Eliot, W. B. Yeats, Plath, Woolf und alle sonstigen Dichter, die Rang und Namen haben. In einer internationalen Konferenz trifft man dann auch auf Goethe. Natürlich aber nicht auf die echten Dichter. Zuerst hat mich die Schule verdächtig an die X-Men und Charles Xavier erinnert, später eher an eine Verbindung oder Geheimloge.

Abwechselnd befindet sich der Leser also in einer atemlosen Hetzjagd quer über den Erdball bis in die Geisterstadt Broken Hill, zwischen Menschen, denen man nicht trauen kann, da man nie weiß, ob sie beeinflusst sind oder nicht und erfährt im anderen Erzählstrang, wie man Dichter wird, wie Worte beeinflussen, wer und was beeinflusst wird. Ein bisschen bin ich durch die Mitte getrudelt, da ich einfach einen tieferen Sinn und ein Ziel gesucht habe, warum man denn unbedingt Leute beeinflussen muss. Aber klar, es geht um reine Macht. Um nichts anderes. Zu einfach? Für mich schon. Irgendwie hatte ich hier mehr erwartet.

Das ist einer meiner Kritikpunkte, doch versteht mich nicht falsch, der Thriller war wahnsinnig spannend. Die Abwechslung zwischen dem Roadtrip mit Will und Tom und Emilys Lehre, die mir persönlich fast unheimlicher war als die ganzen beeinflussten „Zombies“ im anderen Erzählstrang, war ausgewogen und hat einen praktisch die Kapitel verschlingen lassen. Emily wird sehr gut beleuchtet und zeigt einen tiefen Charakter, bis sie etwas aus der Perspektive verschwindet, bei Wil gibt es ja noch ein Geheimnis, weswegen er eher oberflächlich beleuchtet wird, bis er… ja, das will ich mal noch nicht verraten. Etwas hinten an sind die Dichter. Über diese wird kaum etwas bekannt, schon gar nicht über Yeats, den Leiter der Schule und Obersten der Dichter (zumindest der englischsprachigen). Auch Tom (T.S. Eliot) bleibt flach. Bei den Dichtern ist das aber bewusst so gewollt, da man leichter beeinflusst werden kann, wenn man Gefühle zeigt. Ja, es ist schon eine etwas komplexe Welt, die uns Max Barry hier zeigt, aber trotz der „fantastischen“ Elemente, spielt der Thriller in unserer Welt und bleibt somit realistischer als ich gedacht habe.

Am Ende ist so gar nicht klar, wer an was schuld ist, auch wenn Yeats sich als Oberschurke herrlich eignet. Letztendlich kann aber natürlich das Gute siegen, auch wenn es vorher als Böses erschien und es gibt ein Happy End. Wie schade. Wie immer wünsche ich mir hier mehr Innovation. Liebe Autoren – lasst Eure Protagonisten doch mal sterben. Lasst sie los! Ein Happy End macht nicht zwangsläufig ein gutes Buch aus. Da muss schon mehr her! Das ist aber auch mein letzter (zweiter) Kritikpunkt und ansonsten gibt es nichts zu mäkeln. Ich hatte großen Lesespaß und liebäugele mit Max Barrys anderen Büchern – auch wenn die vielleicht nicht ganz in mein Genre passen.

Fazit:
Der etwas andere Thriller: eine Mischung aus Hetzjagd und Lehrstunden, garniert mit der Macht der Worte. Spannend bis zur letzen Seite – trotz Happy End. Von mir gibt es 4 Schafe.

4 Schafe

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2 thoughts on “Die Macht der Worte: Lexicon – Max Barry

  1. Das klingt ja ungewöhnlich. Hatte das Buch auch schon ein paar Mal in der Hand, hätte aber gar nicht mit Dichter-Gestalten a la Goethe und Yeats gerechnet! Muss ich mir doch noch einmal genauer ansehen und vielleicht beim nächsten Besuch im Buchladen mal anlesen…

    Ansonsten sage ich ja auch immer: Mut zum Figurentod! 😉

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!! 🙂

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