Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Das große Schweigen: Das dunkle Paradies – Robert B. Parker

3 Comments

9783865323552
Robert B. Parker – Das dunkle Paradies
Verlag: Pendragon
338 Seiten
ISBN: 978-3865323552
10,95 €

 

 
Robert B. Parker lässt mich wirklich sprachlos zurück. Ich musste erstmal ein wenig darüber nachsinnen, was genau mir an dem Buch denn so gefallen hat. Denn gefallen hat es mir. Seeeehr gut sogar. Dabei war es jetzt kein super aufregendes Buch, sondern geht so ganz normal seinen Gang.

Es beginnt mit Jesse Stones Reise nach Paradise. Nachdem ihn seine Frau betrügt und sich scheiden lässt, verfällt Jesse dem Alkohol und wird im Morddezernat von L.A. gefeuert. Und obwohl er das Bewerbungsgespräch im betrunkenen Zustand hinter sich bringt, wird er als neuer Sheriff von Paradise eingesetzt. Jesse Stone macht sich in seinem Auto auf den Weg und durchquert nicht nur verschiedenste Landschaften, Klimazonen und Ländergrenzen, sondern auch seine Erinnerungen an Jenn, seine Exfrau. Gespickt ist das Ganze mit einzelnen Kapiteln aus Paradise, die dem Leser schon ankündigen, dass dort einiges im Argen liegt. Literarisch hochwertig und an ein Roadmovie erinnernd, doch irgendwie wartet man immer darauf, dass er in Paradise ankommt.

Natürlich tut er das irgendwann und zwar nicht mehr mit dem ganz so großen Alkoholproblem, dass die Stadtobersten erhofft hatten. Wenn nicht schon vorher, wird spätestens ab hier klar, welch eindrucksvollen Charakter Jesse inne hat. Er hält sich zurück, versinkt mitunter in Melancholie, schweigt lieber als zu viel auszuplaudern, beweist aber gerade dadurch Stärke, er behauptet sich ganz ohne großes Tamtam und Waffen. Nach und nach stören ihn Kleinigkeiten in Paradise und diese lassen ihn noch vorsichtiger werden und niemandem trauen. Er bleibt für sich und trotzdem für die Stadt. Es ist ein ungewöhnlicher Mann, den Robert Parker uns hier präsentiert.

Die Ermittlung selbst, bzw. der Fall ist nicht sonderlich spektakulär. Ähnlich wie sein Protagonist setzt Parker auch hier auf eine eher ruhige, aber eindringliche Vorgehensweise, die sich nach und nach anschleicht, dabei keine unnötigen Haken schlägt, und die in einem fast schon langweiligen Ende verpufft. Naaa, verpufft ist vielleicht der falsche Ausdruck. Nehmen wir ausläuft. Er lässt einfach das Ende rankommen und dann ist es vorbei. Kein super spannendes Finale mit Showdown, keine erfüllten Rachephantasien oder Schießereien. Es ringt einem Bewunderung ab, wie Jesse trotz seiner eigenbrötlerischen Art, seine Kollegen von sich überzeugen konnte und alle am Ende auf seiner Seite stehen (das allerdings nur übertragen – im Finale selbst stehen sie ihm gegenüber). So ist das Ende trotz aller Unaufgeregtheit genau das Ende, welches dem Krimi einen gebührenden Abschluss verleiht.

Dieser Krimi lies mein Hardboiled Herz höher schlagen. So ganz ohne die gehetzte Aufregung, die es in Hardboiled Krimis sonst oft gibt. Was ein Glück, dass der Pendragon Verlag Robert B. Parker wieder entdeckt hat und auflegt. So sind noch genügend Krimis da, in die ich meine Zähne schlagen kann und auch werde.

Fazit:
Wenn überhaupt kann ich hier nur Kleinigkeiten entdecken, die mir aufstossen, ansonsten ist „Das dunkle Paradies“ ein erstklassiger Hardboiled Krimi, dem ich jeden dem Genre zugeneigten Leser empfehlen kann. Von mir gibt es 5 Schafe!

5 Schafe

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3 thoughts on “Das große Schweigen: Das dunkle Paradies – Robert B. Parker

  1. Jetzt bin ich auch neugierig geworden. Haben Sie Tom Selleck schon mal in der Rolle als Jesse Stone gesehen?

  2. Pingback: Ein Ende und ein Anfang | Die dunklen Felle

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