Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Trügerische Idylle: Kinderland – Marco Sonnleitner

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9783839215395
Marco Sonnleitner – Kinderland
Verlag: Gmeiner
372 Seiten
ISBN: 978-3839215395
11,99 €

 

 

 

 

Meine Meinung:
„Kinderland“ ist der zweite Fall von Bartholomäus Kammerlander. Der erste Teil, „Blutzeugen“ hat mir damals gut gefallen und so war ich gespannt auf den nächsten Teil.

Das erste was mir aufgefallen ist, war die vermehrt auftretende Mundart. Nun komme ich ja ursprünglich aus Franken und hab mit dem bayrischen Dialekt keine Probleme. Doch ist mir schon aufgefallen, dass es diesmal einfach mehr vorgekommen ist als im letzten Teil. Der Autor äußert sich hierzu im Nachwort. Er verwendet den Dialekt, um die Charaktere noch individueller zu gestalten und Lokalkolorit einzubringen. Nun, ich frag mich, inwieweit hier noch individualisiert wird, wenn fast alle Charaktere bayrisch reden. Ich hab es gut verstanden, aber ich kann mir vorstellen, dass Nordlichter hier so ihre Probleme haben. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es nicht einfach ist, sich durch einen fremden Dialekt ‚durchzukämpfen‘. Damit ist für mich „Kinderland“ ein Regionalkrimi, oder zumindest eher für den süddeutschen Raum bestimmt.

Nun muss ich gestehen, dass mir Bartholomäus Kammerlander, der Protagonist, immer noch nicht so richtig nah gekommen ist. Eigentlich ist er im Ruhestand und die Ermittlungen regen ihn auf, machen ihn nervös, bringen komische Eigenarten bei ihm hervor und doch ermittelt er, wenn in seinem Hotel etwas geschieht. Und dann ist er eigentlich auch der Chef der Truppe, denn alle anderen verlassen sich auf sein Urteil und folgen ihm. Das finde ich äußerst seltsam. Eigentlich sollte Kreuzpointer das Team leiten, doch das tut er (vermutlich) nur, wenn Kammerlander nicht mitmischt. Ansonsten findet sich im Team alles was man sich wünscht: der Mann fürs Grobe, eine Frau, ein Hypochonder. Auch das Team im Hotel ist bunt gemischt. Hier gefällt mir besonders Hausmeister Xaver mit seinem Dackel Wiggerl und seinem fürchterlich schwulen Bruder. Der Krimi lebt von seinen Figuren und das gelingt ihm auch. Die Figuren sind alle recht ausführlich, aber nicht ausufernd beschrieben. In diesem Teil darf man noch einem Täter folgen und hier ins Seelenleben Einblick nehmen. Auch in Kammerlanders Seele darf man diesmal tiefer blicken und erfährt etwas über seine Erlebnisse in den USA. Nichtsdestotrotz bleibt dieser Abschnitt seines Lebens noch im Dunkeln.

Das Thema ist und bleibt hochaktuell: es geht um die Entführung und den Verkauf von Kindern. Das Thema ist erschreckend und man vermutet das auf dem bayrischen Lande auch nicht. Hier zeigt sich wieder, dass Verbrechen nicht nur in der Stadt stattfinden. Was mich allerdings nicht überzeugt hat, ist der Täterkreis. Der Kopf des ganzen bleibt bis zum Ende unbekannt, doch die Handlanger darf man kennenlernen. Seltsamerweise sind hier aber nur – ich sags mal salopp – Deppen die Handlanger. Die eine glaubt tatsächlich, dass sie den Kindern ein besseres Zuhause im ‚Kinderland‘ verschafft, der andere weiß zwar worum es geht, ist aber zurückgeblieben. Kann so eine Organisation bestehen und tatsächlich durchkommen mit solch schwachen Stellen? Veit, der zurückgeblieben ist und der Mann fürs Grobe, taucht dann auch immer wieder bei Kammerlanders Hotel auf, da er sich in einen Gast verliebt hat. Zum einen ist seltsam, dass er die Gefahr zwar wahrnimmt, diese aber völlig ignoriert und zum anderen ist unglaubwürdig, dass dies von allen Angestellten, etc. unbemerkt bleibt.

Auch wenn das Thema dem Krimi eine düstere Ebene verleiht, hat der Krimi eine durchgehend gemütliche, sympathische Atmosphäre. Spannung war schon vorhanden, doch eher in einer gesetzteren, trödeligeren Art. Der Krimi ist eben kein Pageturner, lebt dafür mehr von der Atmosphäre und den Figuren.

Fazit:
Ein Regionalkrimi mit sympathischen Figuren, gemütlicher Atmosphäre und langsamer, aber stetiger Spannung. Leider aber auch nicht mehr. Von mir gibt es 3 Schafe.

3 Schafe

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