Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Nicht ausgeschöpftes Potential: Blow Out – Uwe Laub

9 Comments

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Uwe Laub – Blow Out
Verlag: Ullstein
507 Seiten
ISBN: 978-3548285528
9,99 €

 

 

 

 

Vorab:
Nun bin ich ja neulich bei der Premierenlesung von „The Wall“ gewesen. Uwe Laub ist einer der Autoren und zufällig hab ich schon seit ein paar Tagen/Wochen/vermutlich Monaten „Blow Out“ im Regal stehen. Dieser Anlass war natürlich eine super Gelegenheit, um mir mein Exemplar signieren zu lassen und es dann auch gleich zu lesen.

Meine Meinung:
Das Gerüst von „Blow Out“ ist jetzt nicht sonderlich überraschend, aber für einen deutschen Autor recht ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist, dass der Thriller im Jahre 2052 spielt. Ab in die Zukunft!!! Wie immer bin ich äußerst neugierig gewesen, wie der Autor sich die Zukunft vorstellt.

Nick Schäfer ist Journalist und gerade damit beschäftigt seine demente Mutter aus einem fast überschwemmten Ort in der / an der Nordsee in eine Notunterkunft zu evakuieren, als ihn eine dringende Nachricht von Emma Fisher, der Assistentin des amerikanischen Botschafters in Berlin, erreicht, die ihm eine Wahnsinnsstory offeriert und sich aus diesem Grund auf der Flucht befindet.

Wie schon erwähnt, ist das Gerüst nicht unbedingt einfallsreich: zwei (meist ein Paar) finden etwas Geheimes oder Aufsehenerregendes heraus, von dem andere nicht wollen, dass es herauskommt. Diese Anderen (wahlweise eine Firma, Organisation, ein Staat oder etwas anderes Mächtiges) habe nicht nur Top-Leute sondern sind auch bis in die Haarspitzen skrupellos und geben nicht auf.

Trotz dieser stereotypen Hülle kann so ein Thriller durchaus spannend sein. „Blow Out“ war sehr spannend – ein wahrer Pageturner – und liefert als Bonus noch den Umstand, dass der Thriller in der Zukunft spielt: Zeitraum der Handlung ist 2052. Der Meeresspiegel ist kontinuierlich und erschreckend schnell gestiegen. Die Welt ist bevölkert von ‚Küsten’flüchtlingen, es gibt Auffanglager und Notunterkünfte. Kaum jemand ist bereit diese Flüchtlinge mehr aufzunehmen, der Platz geht einfach aus. Besonders im dicht besiedelten Europa. So kann auch Nick Schäfer seine Mutter nicht bei sich unterbringen, sondern muss sie erstmal in die Notunterkunft stecken, bevor er sich um ein Pflegeheim kümmert. Der angestiegene Meeresspiegel ist hier allerdings zwingend vorhanden, da sonst der Thriller keinen Sinn machen würde. Neben dieser Tatsache hält sich der Autor allerdings spärlich zurück in seiner Zukunftsvision. Magnetschwebebahnen, Segways und Communicatoren (die von den Protagonisten aus ersichtlichen Gründen gemieden werden) sind die einzigen technischen ‚Neuerungen‘, wobei diese ja schon heute vorhanden sind und nur vermehrt auftreten. Hier fehlt es mir doch deutlich, denn ich meine, hier hätte man noch so viel herausholen können. Wo sind die Drohnen, intelligenten Computersysteme und die drohende Stimmung der kleiner werdenden Kontinente? Die ist leider neben der Handlung des Thrillers sehr in den Hintergrund verschwunden.

Was bleibt ist ein spannender Thriller, der ein aktuelles Thema aufgreift: Die knapper werdenden Energievorkommen auf der Erde und die Lösung, welche von den USA hemmungslos und ohne an die Folgen zu denken, ausgeschlachtet wird. Nick und Emma bekommen kaum eine Verschnaufpause und wem man hier trauen kann ist unklar.
Weniger gefallen hat mir die „gefühlvolle“ Spannung zwischen Nick und Emma. Wie immer finde ich es sehr unnötig dem Krimi /Thriller eine Liebesgeschichte anzudichten. Zwar hält sich der Autor zurück, doch am Ende wird sich halt doch in die Arme gefallen. Dabei hatte ich am Ende noch den totalen Flash. (Achtung – jetzt kommt ein Spoiler!) Ganz kurz hat der Autor einem in dem Glauben gelassen, dass Nick am Ende stirbt. Das hätte ich mal richtig innovativ gefunden. Ich versteh gar nicht, dass die Autoren immer so an Ihren Figuren hängen. Muss doch nicht jeder eine Serie schreiben – so ein Standalone hat doch auch was für sich und lese ich immer wieder gerne.
Na ja, natürlich gibt es ein kitschiges Happy End (auch wenn die Kontinente natürlich weiterhin schleichend überflutet werden). Die Liebesgeschichte und das Happy End passen zum stereotypen Gerüst und sind somit wieder ganz passend.

Abschließend kann ich noch sagen, dass ich diese Art von Thriller eher von amerikanischen Autoren kenne und es schon ungewohnt ist, dass ein deutscher Autor solch einen Thriller geschrieben hat und ihn außerdem auch noch in Deutschland ansiedelt. Das war erfrischend abwechslungsreich.

Fazit:
Ein sehr spannender Thriller, der leider aber nicht das Potential der Zukunftsvision ausgeschöpft hat. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt, die Stereotypen und Klischees passen und nehmen dem Thriller nicht die Spannung. Von mir gibt es 4 Schafe.

4 Schafe

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9 thoughts on “Nicht ausgeschöpftes Potential: Blow Out – Uwe Laub

  1. Das klingt ja interessant. Weiß jetzt gar nicht, warum ich dem Thriller keine Aufmerksamkeit geschenkt habe. Deine Anmerkungen zum Buch sind ja – bis auf kleine Ausnahmen – durchwegs positiv. Kommt auf die Leseliste!

    PS: Ja, so ein Heldentod am Ende wäre mal eine Abwechslung. 🙂

    • Mit dem Tod der Helden tun sich Autoren glaub ich schwer – das schließt dann ja eine Serie aus und das will wohl keiner riskieren. Ist jedenfalls meine Vermutung. Deshalb wird auch jeder Mut zum Heldentod von mir honoriert. 😉

  2. Mh, wenn schon Zukunft, dann bitte auch richtig Zukunft. Das sollte meiner Meinung nach sehr gut ausgearbeitet sein, denn sonst bleibt ja nicht unbedingt viel von der außergewöhnlichen Idee. Dann ist es halt nur ne Allerweltsstory, die man so aus Thrillern kennt. Schade eigentlich. Übrigens: Sebastian Fitzek sei (un)dank werden deutsche Thriller-Autoren immer amerikanischer. Okay, Frank Schätzing hat auch Schuld. 😉

    • Ja, die fehlende Zukunft ist schon der Haken an der ganzen Sache. Der Thriller hätte gut und gerne auch im Heute spielen können. Ansonsten war er aber schon ganz spannend – mit Fitzek und Schätzing kann ich nicht vergleichn. Ich kenn nur “Der Schwarm” als Hörspiel und dann hört es schon auf. Die sind beide nicht so meins. Aber so einen Ökothriller aus deutscher Hand in amerikanischer Machart hatte ich eben doch noch nicht. Wirklich schade, dass die Zukunft nicht so ausgearbeitet war – das hätte es richtig rausgerissen.

      • Oh, dann musst du mal “Ausgebrannt” von Andreas Eschbach lesen! Spielt auch in der Zukunft. Jedenfalls zum Teil. Es geht auch um die Energiereserven. Sehr tief- und hintergründig, spannend und vor allem sehr amerikanisch – im positiven Sinne.
        Wenn du es gerne technisch-futuristisch magst, dann kann ich dir “Herr aller Dinge” empfehlen. Auch von Andreas Eschbach. Auch sehr amerikanisch im positiven Sinn. Das gilt auch für “Eine Billion Dollar” von ihm. Oder “Der letzte seiner Art”. Ach, lies halt einfach Andreas Eschbach! 😉

      • Ok, ok, überredet. 😀
        Von Eschbach kenne ich nur “Das Jesus-Video” und das ist schon eine Weile her. Das war ganz gut, aber nichts besonderes. Aber ich werde mal sehen, welches der genannten mich spontan anspricht und mir ein Exemplar besorgen. Versprochen! ;-9

      • Oh ja, “Das Jesus-Video”! Das war als Teenager meine Eschbach-Einstiegsdroge. Vor drei Jahren habe ich versucht, es nochmals zu lesen. Ging nicht, hat mir nicht mehr gefallen. Ich bin gerade aber am Überlegen, ob ich es trotzdem noch einmal lesen soll, denn jetzt ist mit “Der Jesus-Deal” ja der Nachfolger rausgekommen. Übrigens sind auch alle Science-Fiction-Bücher von Eschbach ziemlich gut. Zumindest fand ich sie mit Anfang 20 ziemlich gut. 🙂

      • Ach halt, “Ein König für Deutschland” kenne ich auch noch. Das fand ich sehr spannend – allerdings eher weniger aus der technisch-futuristischen Sicht.

      • Stimmt, “Ein König für Deutschland” hat mich auch begeistert – aufgrund der Ideologie und des Gedankenspiels, wie einfach man Politik manipulieren kann.

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