Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Irischer Roadtrip: Ein letzter Job – Adrian McKinty

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46372
Adrian McKinty – Ein letzter Job
Verlag: suhrkamp
396 Seiten
ISBN: 978-3518463727
14,99 €

 

 

 

 

Meine Meinung:
Ach, ich weiß gar nicht recht, was ich zu „Ein letzter Job“ sagen soll. Nach dem Lesen ist bei mir einfach so eine Unzufriedenheit zurück geblieben. Das heißt aber nicht, dass der Thriller durchgehend schlecht war, eigentlich war er ganz gut. Aber mal von vorne.

Killian hat sich aus der Szene eigentlich schon verabschiedet. Er lebt zurückgezogen und studiert. Doch dann soll er noch einen Job erledigen und die finanzielle Vergütung ist einfach nicht abzulehnen. Er soll die Ex-Frau und die beiden Mädchen des einflussreichen Unternehmers Richard Coulter finden. Wie das oft so ist, steckt aber hinter dem Auftrag mehr als gesagt wird.

Killian wird dem Leser als erfahrener Problemlöser verkauft, der eben schon eine Weile aus dem Geschäft ist und dann wieder einsteigt. Das Konzept geht nicht auf, denn der zweite Spezialist, der beauftragt wird, ist Russe, jünger und eiskalt. Er zeigt Killian mal gleich, wo der Hammer hängt, um hier ein olles Sprichwort auszupacken. Killian kennt schon gute Tricks und ist auch darauf bedacht, seinen Weg nicht mit Leichen zu pflastern, sondern einen einvernehmlichen Weg zu finden und eben nur im Notfall Leichen zu hinterlassen. Ganz anders „Starschina“, der russische Auftragskiller. Er lässt jeden von Killians Tricks auffliegen und ihn dumm dastehen. So ist Killian eigentlich immer am Hetzen. Im Übrigen ist er auch immer von seinen Tricks überzeugt, auch wenn diese dann kurze Zeit später durch den Russen auffliegen. Ich hätte es ja noch verstanden, wenn er nach dem ersten Mal einfach dazu gelernt hätte, aber das hat er nicht.

So konnte ich mich nicht wirklich mit Killian anfreunden. Er war mir zu unflexibel und träge, wenn auch sympathisch, einfach durch seine Einstellung zum Leben. Meine Unzufriedenheit ruht darin, dass er sich ständig dumm anstellt, obwohl ich ihn eigentlich für einen klugen Menschen halte. Spannend zu lesen sind seine Erlebnisse trotzdem. Erst allein, später dann mit Rachel und den Kindern ‚am Bein‘, versucht er, dem Russen immer einen Schritt voraus zu sein und alle am Leben zu erhalten. Hierbei wird er von einem Ort zum anderen getrieben und man lernt Nordirland ganz gut kennen.

Der absolute Supergau ist die Liebesgeschichte in diesem Thriller. Die hab ich nicht gebraucht und ich denke, ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, die braucht niemand in dem Thriller. Eigentlich nimmt sie dem Thriller sogar die Glaubhaftigkeit und schreit lauthals „Klischee“!

Als Killian in Islandmagee, bei seinem Volk, den Pavee, für eine Weile Unterschlupf findet, gibt der Autor Einblick in eine – zumindest mir – völlig fremde Kultur. Sie erinnern an Zigeuner, sind aber wohl nicht mit diesen verwandt. Ihr Usprung liegt bei den Kelten oder frühen Christen und oft werden sie auch als Tinker(von denen hab ich schon gehört, ist aber wohl die englische Variante) oder Traveller bezeichnet. Die Pavee sind ein fahrendes Volk und Killian stammt von ihnen ab. Sie werden ohne jegliche Fragen willkommen geheißen und als ein Angriff droht, stehen sie alle Seite an Seite. Dieser Einblick in eine andere Kultur hat mir sehr gut gefallen und dem letzten Drittel etwas Besonderes gegeben. Das war allerdings auch nötig, da Killian eher mit Glück, als mit Verstand und Logik das Ende positiv beeinflussen konnte.

Nichtsdestotrotz gelingt es dem Autor, ein abgeschlossenes Ende durch den Epilog offen zu halten. „Ein letzter Job“ ist ein Standalone und so bleibt der Leser mit dem ungewissen Abschluss zurück, doch letztendlich hat es dem Thriller seine Würde bewahrt. Ein anderes Ende wäre mir viel zu kitschig erschienen.

Fazit:
Spannend, doch leider mit einer Hauptfigur, mit der ich mich nicht ganz anfreunden konnte. Ein Plus gibt es für die irische Landschaft und die Kultur der Pavee, ein Minus für die klischeehafte Liebesgeschichte. Alles in allem bekommt „Ein letzter Job“ von mir 3 Schafe.

3 Schafe

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One thought on “Irischer Roadtrip: Ein letzter Job – Adrian McKinty

  1. Jepp, mir ging es beim Lesen ganz genau so wie dir! Aber wirklich genau so! Also identisch! Leseseelenschwester!

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