Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Und wieder ein paar Gedanken rund ums Buch…

11 Comments

Neulich haben wir im Freundeskreis über Bücher diskutiert. Eigentlich nichts besonderes, denn wir alle lesen gerne. Ich bin mit meiner Leidenschaft für Krimis/Thriller zwar ein Außenseiter, aber wir haben auch über ein allgemeines Thema gesprochen, über das ich mir schon seit ein paar Tagen Gedanken mache.

Dass Klappentexte mal mehr mal weniger schlecht sind, darüber rege ich mich schon gar nicht mehr auf – die Klappentextschreiber müssen ja auch ihr Geld verdienen und wer kann schon verlangen für 5 Zeilen Text ein ganzes Buch zu lesen? Gut, ich würde es tun, aber kann ja nicht jeder ich sein. 😉

Aber mir geht es um ein anderes Thema. Oft, sind unter dem Klappentext noch Empfehlungen von verschiedensten Leuten, Institutionen, Journalisten, etc. Mit ein bisschen Glück kennt man die Namen, manchmal aber auch nicht. Doch immer häufiger muss man sich fragen, ob der/die/das dieses besagte Buch auch wirklich gelesen hat und diesen Satz dazu sagen kann / darf.

Lasst mich ein paar Beispiel anführen:
Mindreader von Patrick Lee
Hierzu sagt Lisa Gardner: Der reine Adrenalinrausch! Endlich mal ein Actionthriller mit komplexen Figuren und echten Gefühlen. Unbedingt lesen.
Adrenalin ok, Action, aber ja. Komplexe Figuren? Tatsächlich? Wo waren die denn? Sam Dryden ist der klischeehafteste Supersoldat der Welt – wo ist denn da die Komplexität? Und echte Gefühle… hmm… dazu äußere ich mich nicht tiefer, denn sonst verrate ich was vom Inhalt.

Phil Rickman – Sündenflut / Das Gespinst des Bösen
Hierzu sagt die Times: Der beste Band dieser Serie (Sündenflut) / Sein bisher bestes Buch (Das Gespinst des Bösen)
??? Keinen Bock gehabt das Buch zu lesen, um ein aussagekräftiges Feedback hinzubekommen, lieber Journalist? Bestes Buch kann man ja immer mal sagen, passt scho.
Pff… und das von der Times…

Klüpfel/Kobr – Schutzpatron
Hierzu schreibt der Spiegel (von Piper auf deren Homepage zitiert): Mit über 3 Millionen verkauften Büchern… das erfolgreichste Autorenduo Deutschlands.
Wie genau soll mich das überzeugen, dieses Buch zu kaufen? Soll mich die schiere Masse der anderen Käufer dazu überreden? Denn Masse ist ja immer unbedingt klasse, nicht?
Ich fand, dieser Teil war der schlechteste der Reihe und ich hab mir den nächsten Teil nur geholt, weil ich den günstig ertauschen konnte. Seitdem setzt er bei mir allerdings Staub an…

Ja, schon ok. Ich bin grad recht gemein. Aber ich hab natürlich auch die fiesesten Beispiele rausgesucht. Ja, manchmal klappt man ein Buch zu und kann diesen zusätzlichen Kommentaren von mehr oder weniger bekannten Autoren, Journalisten & Co. zustimmen, aber meinen Erfahrungen nach eher selten. Bringen diese Kommentare den Lesern aber vor dem Buchkauf tatsächlich etwas? Wer richtet schon sein Augenmerk auf so einen Kommentar und sagt: Ja, wenn der das gut findet, dann nehm ich es mit? Ich vermute, dass man mit diesen Kommentaren zwar Eindruck schinden will, aber effektiv nichts erreichen kann. Der Leser ist ja doch eher geneigt, sein Urteil nach den Klappentexten zu richten…. die allerdings wiederum… na ja, anderes Thema.

Fertig für heute.

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11 thoughts on “Und wieder ein paar Gedanken rund ums Buch…

  1. Ach ja, das gute alte Thema Bauchbinder für Bücher. Hat mir mal mein Prof an der Uni erklärt: Früher wurden solche Zitate aus Buchbesprechungen als Papierstreifen um ein Buch gebunden. Sollte quasi Werbung sein. Lang, lang ist’s her. Jetzt findet man solche Zitate halt auf den Buchrücken und so. Es ist ja so, dass sich die Verlage aus einer Kritik den prägnantesten und für sie positivsten Satz dafür heraussuchen. Meist vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Dadurch kommen dann solche Hohlsätze raus. Da kann der Journalist nix für. Das ist vom Verlag so gewollt. Auch immer wieder eins meines Highlights: Wenn aus einer Kritik für den Vorgängerband zitiert wird. Hat ja mit dem aktuellen Teil nix zu tun. Wirkt als Werbung/Schmankerl aber trotzdem. Die Journalisten sind machtlos dagegen. Verlage dürfen zitieren. Und sie dürfen zitieren, was sie wollen.
    Wie das jetzt bei Schriftstellerkollegenzitaten aussieht, weiß ich nicht. Gerade im Horrorbereich gibt es ja zu fast jedem Buch ein Zitat von Stephen King. Wenn er wirklich so viel liest, frage ich mich, wo er die Zeit hernimmt, noch selbst zu schreiben. Andererseits ist er aber derart gründlich (und weiß um seinen Ruf), dass er es sich nicht leisten kann, ein Buch nur anzulesen, um dann ein kurzes Statement dazu zu schreiben. Im Zweifelsfall gilt da eben, dass die Geschmäcker verschieden sind. Just my two cents. 😉

    • Als Papierstreifen um ein Buch gebunden? Das fände ich jetzt wieder mal echt witzig und eine richtig nette Idee. Das muss aber schon ganz lang her sein, dass es das gab. Sowas hab ich noch nie gesehen.
      Ja, schon klar, dass da Sätze auch mal mitten rausgerissen werden – nur was bringt dem Leser das dann effektiv?
      Zum einen sind Geschmäcker eben unterschiedlich – wie Du ja auch schon erwähnst – und zum anderen frage ich mich, ob sich in Zeiten des Internets nicht bessere Wege des Werbens finden lassen.
      Ach… aber das ist eben auch wieder so ein Thema, da könnte man ewig darüber plaudern…:-D

      • Jepp, die Bauchbinder sind schon sehr, sehr lange her. Mein Prof damals kannte das auch nur noch aus seinen Kritikeranfängen – und da habe ich noch Windeln benötigt. 😉
        Klar, einen Lesermehrwert haben solche Werbezitate nicht. Jedenfalls beim aufmerksamen Leser. Bei der einfach nur konsumierenden Masse könnte ich mir aber durchaus vorstellen, dass sie wirken. Macht ein Verlag ja auch nicht ohne Grund. Obwohl ich dir zustimme, dass diese Werbemaßnahme herzlich veraltet ist. Aber hey, schau dir den Umgang von vielen Verlagen mit dem Thema eBook an … sie sind halt alle keine Vorreiter. 🙂

      • Sehr schön, hab grad herrlich gelacht. Verlage und Vorreiter… hihi… wobei das schon mal was wäre, was die in Angriff nehmen könnten. Willkommen im 21. Jahrhundert!

  2. Mich beeindruckt es schon lange nicht mehr, die Lobhudelei von Kollegen der Autoren. Ich betrachte das als nette Gefälligkeiten, die wohl zumeist vom Verlag veranlßt werden. “Lobst du mein Buch, lob ich deins.” Je bekannter /berühmter/anerkannter der Zitatgeber ist, desto wertvoller erscheint das Lob offensichtlich einigen Verlagen.

    • Dabei fällt mir noch ein: Welche Kenntnisse Klappentext/Cover-4-Schreiber vom Inhalt des Buches haben, läßt sich bereits daran erkennen, dass Namen der Protagonisten falsch geschrieben werden. Ines ist halt nicht Inez. Kein Einzelfall!
      Es kommt zwar auf den Inhalt an, aber als Kunde ernst genommen, fühle ich mich bei solchen Nachlässigkeiten des Verlags vom Verlag nicht.

      • Das ist allerdings wahr – wenn man schon so deutlich sehen kann, dass hier das Buch noch nicht mal ansatzweise gelesen oder wenigstens angelesen wurde, kann man diese Kommentare ja noch mehr den Hasen geben.
        Ich bin für: weniger Zitate, mehr Leseempfehlungen am Ende des Buches!

      • Manchmal kann der Texter aber gar nichts dafür, denn sie haben oft mit dem Produktionsprozess kaum etwas zu tun. Also vor allem bei den großen Verlagen. Da muss der Klappentext schon fertig sein, bevor das Buch aus der Übersetzung bzw. aus dem Lektorat ist. Und wenn man jetzt massig Klappentexte schreiben muss, hat man ja gar nicht die Zeit, alle Bücher selbst vorher zu lesen. Da muss man sich auf die Verlagsinformationen verlassen. Und wird einem da ein Name falsch geliefert (oder eben ein veraltetes Exposé, das noch einen ganz anderen Schwerpunkt hat, als das eigentliche Buch, das dann entstanden ist), hat man halt die A-Karte gezogen. Das ist halt die Krux, wenn zu viele Hände und Augen und Hirne bei der Entstehung eines Buches mitwirken.

      • In solchen Fällen hast Du natürlich recht. Da wäre so ne abschließende Qualitätskontrolle natürlich gut.
        Aber nichtsdestotrotz: ich bin für mehr Leseempfehlungen und weniger Zitate – über den Klappentext kann man sich schon streiten, auf den will ich natürlich nicht verzichten, auch wenn es hier ab und an einige Schoten zu lesen gibt.

  3. @ My Crime Time: Der Texter ist mir ziemlich schnurz. Mir geht es darum, dass in erwähnten Fällen, der Verlage unsauber arbeiteten. Ziel sollte sein, ein anständiges Produkt zu einem angemessenen Preis zu liefern. Das ist in anderen Branchen genau so. Ich könnte jetzt viel über Projektmanagement schreiben, über die einzelnen Schritte, auch die der Qualitätskontrolle. Auf einige Prozessschritte scheint in der Buchbranche – aus welchen Gründen auch (Zeitdruck, Kostendruck, andere) – nicht jeder Wert zu legen.

  4. Ja, stimmt. Hier kritisierst Du tatsächlich noch relativ harmlos 🙂 Aber gefällt mir. Gern mehr in diese Richtung “Büchergedanken”! Liebe Grüße!

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