Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Irre alte Schrulle mit Hund: Lady Bag von Liza Cody

7 Comments

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Liza Cody – Lady Bag
Verlag: Argument
317 Seiten
ISBN: 978-3867542227
17 €

 

 

 

Vorab:
Auch diesmal muss ich mich beim Argument Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken. Ich gebe zu, dass ich am Anfang skeptisch war. Eine Obdachlose begegnet dem Teufel…. Mir war schon klar, dass wir nicht vom Teufel selbst reden oder gar ins Mystische driften (zum Glück), aber doch war ich unentschlossen. Nun bin ich aber froh, mich doch dazu entschlossen zu haben, die „Bag Lady“ in mein Leben gelassen zu haben.

Meine Meinung:
„Es ist alles da, datiert und chronologisch. Geben Sie’s auf, Baglady…“
„Für Sie immer noch Lady Bag.“

„Lady Bag“ ist als Kriminalroman tituliert und ja, es gibt schon einen Mordfall, der Auslöser und Begleiter zugleich ist, doch eigentlich dreht es sich um die Reise der Baglady durch London. Durch ein London, wie ich es noch nie beschritten habe – weder per Buch noch persönlich. Zwischen den nobelsten Ecken und den tiefsten Gossen trifft die Baglady allerhand skurrile Gestalten und lässt sich vom Leben von einer Begebenheit zur andern schleudern. Es ist eine irrwitzige Odyssee durch eine der beliebtesten Städte der Welt, die mir jetzt noch besser gefällt.

Dabei geht es in dem Kriminalroman um Themen, die die meisten oft umschiffen. Obdachlose, Penner, Bettler – oder eben Bagladys. Sie sind unsichtbar. Viele schauen weg und nur wenige wissen überhaupt, wer Obdachlose sind und wie es sich als Obdachlose/r lebt. Wie so viele, ist auch unsere Baglady durch eine falsche Entscheidung in der Obdachlosigkeit gelandet und schon bis dahin ist es eine Reise, über die man ein Buch schreiben könnte. Doch der Krimi setzt an, als die Baglady schon fünf Jahre auf der Straße zugebracht hat, zusammen mit Elektra, einem ausgemusterten Greyhound mit Arthritis, der in weinseligen Phasen auch ihr Ratgeber ist. Beide sind das Leben auf der Straße gewohnt, die Schlafrolle und die Plastikplane gehören einfach dazu. Elektra beschert mehr Einnahmen beim Betteln, doch die Baglady sorgt gut für sie – sie ist ihre einzige Vertrauensperson in den Gassen zwischen so vielen Verbrechern und Vagabunden. Für andere ist sie Luft. Als Bettlerin wird sie entweder ignoriert oder beschimpft und bevormundet.

Und dann begegnet sie dem Teufel. Ihrem Teufel. Dem Teufel in Menschengestalt. Dem Menschen, der schuld daran ist, dass sie auf der Straße lebt. Derweil er in ihrem Haus residiert. Er sieht sie nicht, er erkennt sie nicht, aber sie erkennt ihn. Und sie muss ihm folgen. Er ist der Teufel und führt sie in Versuchung. Das ist der Startpunkt einer Reise quer durch London, die durch die skurrilsten Umstände zu einer Toten führt, an deren Ermordung auch die Baglady unter Verdacht steht. Mit reichlich Blessuren und viel rotem Algerischen steuert sie wie in einem Flipper von einem Ereignis zum nächsten. Mal von eigenen, mitunter verwirrten Entscheidungen getrieben oder von äußeren Umständen, aber immer ungewollt. Denn eigentlich will sie nicht auffallen, sie will einfach nur dort bleiben wo sie ist. Klingt komisch? Ist aber so. Wenn man sich mal an etwas gewöhnt hat, gibt man es nicht so schnell auf.

Ich habe noch nie etwas von Liza Cody gelesen und wie schon gesagt, war ich skeptisch ob des Themas. Doch Liza Cody konnte mich vollauf überzeugen. Nicht nur mit ihrer Baglady und dem ungewöhnlichsten Porträt von London, sondern auch mit ihrer Art, dies darzustellen und zu beschreiben. Ich durfte in eine andere Welt reinschnuppern, zugegebenermaßen nicht die wohlriechendste, aber auf jeden Fall eine unglaublich interessante und unbekannte, neue Welt. Der Leser erlebt die Geschehnisse aus Sicht der Baglady, die nicht immer klar ist, sondern auch mal diffus und schwammig. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Fall am Ende des Krimis gelöst ungelöst ist. Wie das geht? Lest selbst und lasst Euch überraschen!

Fazit:
Ein London, wie Ihr es noch nie erlebt haben, eine Frau, wie es sie kein zweites Mal gibt und eine aberwitzige Odyssee kombiniert mit einem Mordfall – das ist „Lady Bag“, ein verflucht guter Gesellschaftsroman mit einem kräftigen Spritzer Krimi. Lassen Sie sich darauf ein – es lohnt sich!

5 Schafe

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7 thoughts on “Irre alte Schrulle mit Hund: Lady Bag von Liza Cody

  1. *hibbel* Bei mir liegt der Krimi ja auch schon ganz weit oben auf meinem Lesestapel, aber leider muss es noch so ein, zwei Wochen warten, bevor ich mich damit beschäftigen kann. Dank deiner Besprechnung bin ich jetzt allerdings noch hibbeliger!

  2. Pingback: Ein Ende und ein Anfang | Die dunklen Felle

  3. Pingback: Verlosung – ein Versehen kann auch sein Gutes haben ;-) | Die dunklen Felle

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