Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Still – Zoran Drvenkar

1 Comment

40803552n
Zoran Drvenkar – Still
Verlag: Eder & Bach
414 Seiten
ISBN: 978-3945386002
16,95 €

 

 

 

Vorab:
Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar vom Eder & Bach Verlag bekommen und bedanke mich hiermit herzlich dafür.

Meine Meinung:
Über Zoran Drvenkar habe ich schon viel gehört, aber bis jetzt nichts gelesen. Zu sehr hat mich der ungewöhnliche Schreibstil des Autors abgeschreckt, denn ich habe befürchtet, damit auf Dauer nicht zu Recht zu kommen. Doch ich habe mich geirrt. Der Schreibstil ist zwar gewöhnungsbedürftig, eben weil er sehr ungewöhnlich ist, aber wenn man sich daran gewöhnt hat, enthält er einen literarischen Festschmaus bereit. Ja, man muss sich einlassen auf die ungewöhnliche Einteilung von Ich, Du und Sie. Vor allem mit der Du Perspektive hat der Leser (na ja, zumindest ich) die meisten Probleme. Es ist einfach ungewöhnlich, um nicht zu sagen äußerst selten, dass diese Perspektive gewählt wird. Doch Drvenkar macht das in „Still“ sehr bewusst. Er gibt die Du Perspektive Lucia, dem Opfer, welches entkommen ist. Die Ich Perspektive bekommt Mika Stellar (der eigentlich ganz anders heißt) und die Sie Perspektive wird an die Täter vergeben.

Drvenkar greift ein aktuelles, aber kein neues Thema in seinem Thriller auf: Kindesmissbrauch. Seine Herangehensweise unterscheidet sich aber. Die Polizei spielt nur eine Nebenrolle, es geht um den Vater des entführten Mädchens, und seine Ermittlungen. Der Leser steigt erst ins Geschehen ein, als Mika seine Recherchen schon abgeschlossen hat und in Kontakt ist mit den Personen, denen er die Entführung seiner Tochter anlastet. Die Beharrlichkeit, mit der Mika vorgeht, ist getrieben von Verzweiflung, doch er muss seine Fassade mit aller Kraft aufrecht halten, um sich nicht zu verraten – dabei könnte er jedes Mal kotzen, wenn er auf Sie trifft.

Sehr gelungen finde ich die Atmosphäre des Buches. Schon das Cover zeigt eine dunkle, von Schnee bedeckte Landschaft und dieses Thema spiegelt sich durchgehend im Thriller. Man konnte förmlich die Kälte aus den Seiten wabern sehen – zumindest im Wald bei der Hütte und dem See.

Jetzt wird es etwas schwierig für mich, das eine zu erklären, was mir nicht gefallen hat, ohne zu viel zu verraten. Deshalb nur soviel: Die Wende, die das Buch genommen hat, erscheint mir einfach zu unglaubwürdig und zudem fürchterlich mysteriös. Das kam für mich völlig unerwartet und das schreibe ich dem Autor als Pluspunkt zu, aber trotzdem gefällt mir die Wende nicht. Näher will ich darauf nicht eingehen, auch wenn es noch viel zu sagen gäbe, aber ich möchte niemand die Spannung nehmen und spannend war es, das Buch. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Wende, die dem Thriller am Ende nochmal einen richtigen Kick gegeben haben – wenn auch bei mir begleitet mit einem leichten ungläubigen Kopfschütteln.

Und es macht mich unglücklich, wie Mika aus diesem Buch herausgeht. Das Buch hat kein Happy End und auch dafür zolle ich dem Autor Respekt – das schaffen Autoren nicht immer. Der Show-down ist in der kalten schneeigen Luft verpufft und war trotzdem spannend. Zudem bin ich recht glücklich darüber, dass dies ein Stand Alone ist und mal kein Beginn einer neuen Serie – aber das nur nebenbei.

Fazit:
Ein atmosphärisch dichter, literarisch anspruchsvoller Thriller mit viel Spannung und Gänsehautfeeling, dessen Wende mich aber leider nicht überzeugen konnte. Von mir gibt es 3 ½ Schafe.

3 und ein halbes Schaf

Advertisements

One thought on “Still – Zoran Drvenkar

  1. Pingback: Vier Freunde: Hotline – Jutta Maria Herrmann | Die dunklen Felle

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s