Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Blutzeugen – Marco Sonnleitner

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9783839213995
Marco Sonnleitner – Blutzeugen
Verlag: Gmeiner
462 Seiten
ISBN: 978-3839213995
11,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Stefan Alfarth, ein Finanzbeamter mit Hasenscharte, wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Der Mörder hat seinen Herd ausgebaut, Klemmen angebracht und Alfarth mit Starkstrom getötet. Eine winzige DNA-Spur wird am Tatort gefunden, doch ansonsten steht die Polizei vor einem Rätsel.
Als ein weiterer Mord passiert, kann man nur durch eine zweite kleine DNA-Spur überhaupt eine Verbindung zwischen den Morden herstellen. Otylia Ehrlich, eine jüdische Polin, wurde wie schlafend in ihrem Bett gefunden. Mit einem Trichter im Mund und giftigem Pflanzenbrei im Magen.
Josef Kreuzpointner, der leitende Ermittler in den beiden Fällen, ist ratlos und bittet Bartholomäus Kammerlander um Hilfe. Kammerlander, mittlerweile Chef von einem Hotel, kehrt widerstrebend in seinen alten Beruf zurück und ermittelt als freier Mitarbeiter bei der Kriminalpolizei mit. Welche Verbindung gibt es zwischen den Opfern? Warum wurden diese beiden gewählt? Doch bevor Kammerlander mit seinem kriminalistischen Spürsinn dem Täter auf die Schliche kommen kann, geschieht ein weiterer Mord….

Meine Meinung:
Der Schreibstil von Marco Sonnleitner ist flüssig und ansprechend. Mit den ersten hundert Seiten haben Nordlichter vermutlich zu kämpfen, da hier das Bayrisch sehr prägnant ist, doch im restlichen Krimi relativiert sich das. Der Hauptteil des Ermittlungsteam – allen voran Kammerlander – spricht meist ein fast dialektfreies Bayrisch, einzig die Zeugen, die Hotelangestellten oder andere vorkommende Personen, zeigen einen tieferen bayrischen Dialekt.

Die Charaktere sind alle liebevoll und detailreich gestaltet. Allen voran natürlich Bartholomäus ,Bartl` Kammerlander. Er ist ein eher ungewöhnlicher Ermittler. Eigentlich hat er sich aus dem Kriminalgeschäft zurückgezogen, da er Probleme mit der Aufarbeitung der menschlichen Grausamkeit hat, doch zeigt er auch einen ausgeprägten Sinn nach Gerechtigkeit. So ist es kein Wunder, dass er von dem mysteriösen Fall nicht loskommt und sich auf die Ermittlungen einlässt – auch wenn hier seine Schattenseiten an den Tag treten. In den Nebencharakteren zeigt Herr Sonnleitner außergewöhnlich viel Detailreichtum. Allen voran möchte ich natürlich hier Xaver Eberhartinger, den Hausmeister des Hotels, und seinen ,Wiggerl` erwähnen. Für mich war er absoluter Sympathieträger und lockert die ganze Geschichte auf.

Die Krimihandlung war ausgeklügelt und gut durchdacht. Man muss mit vielen Handlungssträngen jonglieren. Dies macht es zum einen – gerade am Anfang – schwierig zu folgen, doch letztendlich stellt sich das als Gewinn für den Krimi heraus. Herr Sonnleitner präsentiert mehrfach mögliche Täter, die einem zum miträtseln animieren und lässt einen dann doch immer wieder ratlos zurück, wenn man falsch lag. Letztendlich war der Täter – zumindest für mich – total überraschend. Die vielen Handlungsstränge zeigen verschiedene Perspektiven, doch nie ist der Leser im Vorteil gegenüber den Kriminalisten – und das obwohl er mehr weiß. Das macht es wirklich spannend und rätselhaft. Auch die Suche nach dem gemeinsamen Nenner ist absolut bemerkenswert – wirklich selten knabbere ich so intensiv an einem Motiv herum. Am Ende hat der Autor es sogar geschafft, zwei Showdowns einzubauen – Feuer und Eis – wirklich gut gelungen.

Fazit:
Nach anfänglichen Schwierigkeiten im ersten Teil (zum Teil wegen den vielen Handlungssträngen und Personen, aber auch wegen dem Bayrisch) entwicklet sich der Krimi wirklich gut und lässt einen aufgeregt und erwartungsvoll miträtseln. Sympathische Charaktere, einen ungewöhnlichen Ermittler, überraschende Wendungen, Spannung und offene Fragen bis zum Ende – was will man mehr bei einem Krimi? Einen halben Punkt Abzug gibt es für die Schwierigkeiten im ersten Teil, doch dann bleiben ja immer noch 4,5 Schafe. 😉

4 und ein halbes Schaf

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