Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Immer wenn der Schnee fällt – Marit Reiersgård

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Marit Reiersgård – Immer wenn der Schnee fällt
Verlag: Egmont Lyx
442 Seiten
ISBN: 978-3802593925
9,99 €

 

 

 


Inhalt:

Oda, die fünfjährige Tochter von Solveig und Erik, verschwindet. Fieberhaft wird die Umgebung abgesucht, doch Oda bleibt verschwunden. Was ist mit ihr passiert? Ist bei den verschneiten und schlechten Wetterverhältnissen ein Unfall passiert? Hat Oda sich verlaufen und ist erfroren? Oder hat sie jemand entführt? Vielleicht sogar der Vater, der sich eigentlich fern halten soll?
Bitte Røed, neue Kollegin im Revier, bekommt zusammen mit Verner Jacobsen den Fall zugeteilt. Doch bevor sich die beiden richtig darum kümmern können, wird in der Nachbarschaft Vibeke Hansen, eine Künstlerin, tot in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. So nah beieinander vermuten die Ermittler einen Zusammenhang und nehmen sich beide Fälle vor. Doch die Ermittlungen sind schwierig. Der Schnee hält die Leute innen, es gibt wenig oder keine Zeugen, aber natürlich genügend Vorurteile und Geheimnisse. Haben die beiden Fälle wirklich etwas miteinander zu tun?

Vorab:
Diesen Krimi habe ich bei der Leser-Welt gewonnen. Die Frage, ob die Kindesentführung mit dem Tod der Künstlerin zusammenhängt, war hier der Reiz, um mich für ein Exemplar zu bewerben und die Glücksfee war mir hold. Vielen Dank dafür!

Meine Meinung:
Ich habe ja in letzter Zeit (also so ein-zwei Jahre oder so) die skandinavischen Krimis/Thriller für mich entdeckt – und das ganz ohne Henning Mankell, Stieg Larsson oder Hakan Nesser. Irgendwie haben mich immer andere Autoren / andere Themen / etc. mehr gereizt. Doch nun begebe ich mich gerne in den kalten Norden und nun habe ich wieder einen skandinavischen Krimi gelesen – diesmal ein Debüt aus Norwegen, welches wohl einen Reihenauftakt darstellt.

Wie so oft stelle ich mir auch bei diesem Krimi die Frage: Wo kommt denn schon wieder dieser Titel her? Ok, der Krimi spielt im Winter und es liegt Schnee, aber was heißt denn immer? Im Norwegischen ist der Titel ein Wort lang und das wird mit „Immer wenn der Schnee fällt“ übersetzt???? Hört sich an, als würden bei Schneefall ständig Künstlerinnen ermordet und kleine Mädchen entführt….
Beim Schreibstil gibt es – wie meist – nicht viel zu kriteln. Es lässt sich flüssig lesen und erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Einzig der Vorname ‚Bitte‘ hat bei mir am Anfang für ein bisschen Verwirrung gesorgt und ich musste ein, zweimal einen Satz erneut lesen.

Das Ermittlerteam, welches aus dem alteingesessenen Verner Jacobsen und der neuen Bitte Røed, besteht, ist jetzt zwar nicht mit Klischees beladen, aber auch nicht sonderlich innovativ. Einzig die zusätzlichen Kilos von Bitte fand ich ungewöhnlich – füllige/dicke Ermittler findet man ja nicht so häufig und spontan fallen mir nur männliche dicke Ermittler ein. Zwar hat Bitte nicht ständig etwas zum Essen in der Hand, aber doch öfters als die anderen Kollegen und ist eher extrovertiert und aufdringlich. Sie ist geschieden und ist mit ihren zwei Kindern hergezogen. All das macht sie irgendwie zu einer – nennen wir es mal so – Wuchtbrumme. Jemand mit geballter Power.
Verner Jacobsen ist eher ruhig und kalt. Er lässt die Geschehnisse nicht an sich ran und wirkt auch bei den Befragungen unbeteiligt. Was ihn natürlich nicht zu einem schlechten Polizisten macht, aber mit der Mutter eines vermissten Kindes spricht es sich vermutlich mit Einfühlungsvermögen schon besser. Er hat privat an einigem zu Knabbern und betrachtet seine neue Kollegin erstmal mit Skepsis.

Das Ermittlerduo ist also eher nicht überraschend und zugegebenermaßen hat es einige Zeit gedauert, bis ich mit den beiden warm geworden bin, bzw. ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt vollständig gelungen ist. Mit begründet ist das aber auch in der Tatsache, dass die beiden sich die Erzählpassagen mit noch drei weiteren Personen teilen. Das ist zum einen Solveig, die Mutter der verschwundenen Oda. Sie macht sich natürlich Vorwürfe, aber auch Gedanken, wo Oda ist und wer ihr was angetan haben kann. Sie verarbeitet die Informationen, die sie erhält und zieht ihre eigenen Schlüsse. Ihre Figur fand ich wahnsinnig interessant und konnte mich gut in sie reinfühlen.
Dann haben wir noch Raimo und Janni Egge, Sohn und Mutter, wohnhaft in der Nachbarschaft. Janni war sehr gut mit Vibeke Hansen, der ermordeten Künstlerin befreundet, und Raimo hat bei ihr Kunstunterricht genommen. Pikanterweise ist Raimo mit Bittes Tochter liiert, was für zusätzliche Spannungen im Ermittlerteam sorgt. Janni war für mich die reizvollste Figur und ich habe ihre Passagen, die mit Flashbacks gefüllt sind, immer verschlungen.
So richtig kann man bei diesem Krimi gar nicht von Protagonisten sprechen – alle fünf haben ungefähr gleich viel Anteil an dem Buch. Spontan sind mir Solveig und Janni am besten im Gedächtnis geblieben und auch die Figuren, die mich am meisten berührt haben. Ja, das Ermittlerduo war es leider nicht – was schade ist, denn dies ist ja der Beginn einer Reihe und man kann die beiden ja wiedertreffen. Möchte man das auch?

Ich denke, das würde ich spontan entscheiden, wie der Klappentext des nächsten Teils aussieht, denn die Krimihandlung von „Immer wenn der Schnee fällt“ hat mir schon ganz gut gefallen. Zugegebenermaßen war es jetzt kein phänomenal verzwickter Fall mit tausend überraschenden Wendungen und einem spektakulären Showdown am Ende. Aber es war eine solide und gut konstruierte Handlung, die sich nicht nur durch die Ermittler sondern auch Opfer, Zeugen, Täter, etc. getragen hat und das Ende war auch ohne Showdown spannend. Der interessanteste Aspekt war für mich die Frage, wie Odas Verschwinden mit dem Tod von Vibeke Hansen zusammenhängt. Nicht einzigartig, aber ungewöhnlich ist der Epilog – der findet ein Jahr später statt. Ob man das wohl im nächsten Teil wiederfinden kann?

Fazit:
Von den fünf Hauptpersonen ist mir das Ermittlerduo leider nicht sehr in Erinnerung geblieben, dafür aber Solveig und Janni. Leider werden die beiden im nächsten Teil wohl nicht mehr vorkommen. Die Handlung fand ich solide und spannend, wenn auch nicht überragend. Von mir gibt es 3 ½ Schafe.

3 und ein halbes Schaf

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