Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Steirerkreuz – Claudia Rossbacher

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Steirerkreuz
Claudia Rossbacher – Steirerkreuz
Verlag: Gmeiner
275 Seiten
ISBN: 978-3839215364
9,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Ein Mann und sein Hund werden an kopfüber an einem Baum erhängt aufgefunden. Neben einem Pilgerweg gelegen, schleichen erst mal Worte wie Ritualmord und Serientäter durch die Gedanken unseres Ermittlerduos, doch als die Identität des Opfers feststeht, gehen die Ermittlungen in eine andere Richtung. Der Tote ist Peter Schindlecker, ein verurteilter Vergewaltiger, der nach der Haftentlassung in sein Heimatdorf zurückgekehrt ist. Seither erfuhr der Mann Anfeindungen von den Dorfbewohnern. Das ist auch nicht besser geworden, als Magdalena Pierer zu ihm gezogen ist, denn Magdalena ist das bei der Vergewaltigung gezeugte Kind, seine Tochter. Das Ritualhafte lässt die Ermittler nicht los, doch scheint der Täter aus der verschworenen Dorfgemeinschaft zu stammen – oder?

Meine Meinung:
Ich mag die Serie um Sandra Mohr und ihren nervigen Chef Sascha Bergmann!
Claudia Rossbachers Schreibstil gefällt mir gut. Natürlich muss man sich an die mitunter österreichischen Begriffe gewöhnen. Da wird der Verdächtige eben nicht vernommen sondern einvernommen und man geht nicht schlafen sondern liegen – um mal zwei einfache Beispiele zu nennen. Für mich als Süddeutsche jetzt nicht ganz so schwierig, für alle anderen gibt es ein kleines Glossar am Ende angefügt.

Sandra Mohr ist die ausgeglichene, korrekte Ermittlerin, die auch mal Herz hat, derweil Sascha Bergmann, ihr Vorgesetzter, den Gegenpol bildet: polarisierend, unsensibel, mit anzüglichen Bemerkungen und unpassenden Scherzen. Doch ab und an braucht ein Verhör eben einen Einwurf, der das Gegenüber aus der Reserve lockt. Obwohl Sandra da wohl anderer Meinung wäre, finde ich dass die beiden sich arbeitstechnisch gut ergänzen. Zugegeben muss Sandra schon auch einiges mit ihrem Chef aushalten. Und Sandra hat diesmal arg zu kämpfen. Der Fall macht ihr zu schaffen, aber das würde gehen, wäre da nicht der Unfall von Julius, der sie plagt. Deshalb ist sie diesmal nicht immer souverän, wenn ihr Kollege Bergmann sie mit seinen anzüglichen Bemerkungen und unpassenden Scherzen zur Weißglut treibt.

Die vorkommenden Personen der Dorfgemeinschaft spiegeln Stereotype wieder: der ausgestoßene Straftäter, die als Hexe verschrieene (ist das wirklich ein Wort? Word meckert das zumindest nicht an) Magdalena, die aber natürlich von Grund auf gut ist und eben kräuterkundig, der seelsorgende Pfarrer, der natürlich sein Beichtgeheimnis wahren muss, und und und. Trotz dieser Stereotypen finde ich Krimis, die in verschworenen Dorfgemeinschaften spielen immer ungemein spannend. Hier gibt es immer das Kleinbürgertum par excellence und ich kann mich tierisch darüber aufregen und fragen ob alle – ich eingeschlossen – wirklich so reagieren würden.

Der Fall spielt in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft, die jemanden zum Ausgestoßenen gekrönt hat. Zugegeben Peter Schindlecker ist ein verurteilter Vergewaltiger und auch mir würde mulmig werden, wenn ich wüsste, dass ein Straftäter in meiner Umgebung wohnen würde. Doch man muss auch anmerken, dass er zum einen mehr als zurückgezogen lebte und zum anderen, dass auch die Dorfbewohner ihre grausamen Seiten haben. Ich persönlich hatte schon ziemlich bald jemand in Verdacht und dieser wurde auch bestätigt. Leider sind die beiden auch mit den Ermittlungen noch nicht durch gewesen, bevor der Täter selbst hervortritt. Nichtsdestotrotz war es spannend, den beiden Ermittlern zu folgen und die Dorfgemeinschaft ‚aufzubrechen‘. Zudem gab es neben dem eigentlichen Täter noch ein, zwei Überraschungen, die die Autorin für mich bereithielt.

Gerade in diesem Band ist mir aufgefallen, dass Fr. Rossbacher nicht nur die ‚schönen‘ Spuren ausbreitet, sondern auch auf die Kleinarbeit der Ermittler hinweist, die gemacht werden muss und die aufgrund der Spannung in anderen Krimis oft in der Versenkung verschwinden. Und nein, man muss nicht alle 500 Adressen der Urlaubsgäste mit den Ermittlern durchtelefonieren, aber ich finde es gut, dass zumindest darauf hingewiesen wird. Es ist eben manchmal eine elendige Sisyphusarbeit, die die Ermittler, bzw. ihre Helfer leisten.

Fazit:
Mal wieder ein gelungener Krimi aus der Feder von Claudia Rossbacher. Eine verschworene Dorfgemeinschaft kommt gegen das Duo Mohr und Bergmann nicht an, auch wenn private Probleme an beiden nagen. Einen kleinen Abzug gibt es für die eigentlich vom Täter selbst abgeschlossene Ermittlung. Und von mir gibt es eine Frage: Wann wird denn mal in Graz ermittelt – oder steht das gar nicht auf dem Plan? 😉

4 Schafe

 

Weitere Fälle mit Sandra Mohr und Sascha Bergmann:
SteirerblutSteirerherzSteirerkind

 

 

 

 

Steirerblut – Teil 1
Steirerherz – Teil 2
Steirerkind – Teil 3

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