Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Schlangenhaus – Sharon Bolton

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Schlangenhaus

Sharon Bolton – Schlangenhaus

Verlag: Goldmann
512 Seiten
ISBN: 978-3442468058
9,99 €

 

 

 

Inhalt:

Clara Benning lebt zurückgezogen in einem kleinen abgelegenen Dorf. Mit ihren Nachbarn oder sonstigen Menschen hat sie nicht viel zu tun. Einzig ihre Arbeit bestimmt ihr Leben: sie ist Tierärztin und arbeitet in einer Auffangstation für Wildtiere. Doch eines Morgens wird sie von einer aufgelösten Nachbarin angerufen und um Hilfe gebeten. Eine Schlange ist im Bettchen ihres Babys und Clara als Tierärztin müsste doch helfen können. Dieser Anruf ist jedoch erst der Beginn einer Schlangenplage, die den kleinen Ort heimsucht und Todesfälle fordert. Clara wird immer mehr in die Geschehnisse hineingezogen und versucht eine Erklärung für das vermehrte Auftreten der Schlangen und die Todesfälle zu finden. Als sie glaubt, eine Spur aus der Vergangenheit gefunden zu haben, schweigen die betroffenen Personen jedoch beharrlich.

Meine Meinung:
„Schlangenhaus“ ist einer der Stand-Alones von Sharon Bolton und mein zweiter Thriller von ihr. Der erste „Todesopfer“ hat mir außerordentlich gut gefallen und auch dieser gefällt mir gut – allerdings diesmal mit einigen wenigen Kritikpunkten.

Der Schreibstil von Sharon Bolton gefällt mir gut – sonst hätte ich ja wohl nicht noch ein Buch von ihr gelesen. Zwar ist er mitunter von langen Beschreibungen und vielen Gedankengängen gespickt, wie ich das eigentlich von englischen Autoren gewohnt bin, doch hat das dem Lesefluss keinen Abbruch getan. Die Schlangen spielen ja eine größere Nebenrolle und ich finde es immer gut, wenn man sein Allgemeinwissen mit Trivialliteratur ein bisschen aufbessern kann. Dies ist hier der Fall, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich soviel über Schlangen, Schlangenbisse und die Wirkungen des Schlangengifts wissen wollte.

Kommen wir zu Clara, der Protagonistin, aus deren Sichtweise der Thriller erzählt wird. Clara ist eine Einzelgängerin, die sich von der Welt zurückzieht. Und das hat einen Grund. Doch diesen Grund hält Fr. Bolton so lange zurück, dass man schon alleine deswegen gespannt weiterliest. Ich bin begeistert von der Finesse, mit der Sharon Bolton dieses Geheimnis hütet und Kapitel über Kapitel nur über Andeutungen auf Claras Charakter hinweist. Die Auflösung dieses Geheimnisses möchte ich natürlich nicht vorweg nehmen, doch hat auch dies etwas damit zu tun, dass sie kühl und distanziert auf den Tod ihrer Mutter reagiert. Auf der anderen Seite ist sie eine engagierte Tierärztin, die in ihrem Beruf aufgeht und sich durch ihr Studium auch mit Reptilien einigermaßen auskennt.

Als “Expertin” wird sie auch zur Hilfe gerufen, als im Dorf immer mehr Schlangen gesichtet werden. Einheimische Schlangen sind durchaus mal anzutreffen, doch die Menge, die in dem kleinen Dorf plötzlich auftaucht, ist äußerst seltsam. Als dann auch noch eine gefährliche, nicht einheimische Schlange auftaucht, ist Clara natürlich alarmiert. Das ist aber nicht das einzige. Es kam auch schon zu einem Todesfall. Ja, das war ein alter Mann, doch ungewöhnlich war es doch. Als der Arzt Clara bittet, sich das näher anzusehen, fällt ihr auf, dass die Giftmenge niemals nur von einer Schlange kommen kann.

Aus diesem Grund zieht sie den Schlangenexperten Sean North, der sich zufälligerweise gerade in England aufhält, zu Rate. Außerdem befindet sich noch Matt Hoare, Assistent Chief Constable, in ihrer Nachbarschaft und versucht natürlich auch das Geheimnis um die Schlangen zu lösen. Und da haben wir den Schlamassel – ein schreckliches Klischee tritt zu Tage: Clara, die Einzelgängerin, steht zwischen zwei Männern. Sie ist unsicher, naiv und denkt gar nicht daran, dass die beiden sich für sie interessieren, aber natürlich ist es so, dass die beiden gutaussehenden Männer ihr zu Füßen liegen. Bäh – darauf hätte ich in dem Thriller wirklich verzichten können. Musste dieses Klischee wirklich eingebaut werden und dann noch so plump?

Nichtsdestotrotz ist die Geschichte um das Dorf und deren Einwohner spannend gestrickt und zieht Clara immer mehr in ihren Bann. Sie stößt auf Geschehnisse im Jahre 1958, doch die noch lebenden Bewohner wollen nicht mit ihr reden, die toten Bewohner können es nicht mehr. Doch Clara zeigt sich hartnäckig und zieht immer mehr Details aus der Vergangenheit ans Licht. Da ist natürlich klar, dass auch sie zur Zielscheibe wird und Schlangen bei sich findet. Als sie dann eine ältliche Nachbarin tot auffindet und zu reanimieren versucht wird sie selbst erstmal zur Verdächtigen.

Dieser Thriller hält wirklich alle möglichen Wendungen und Überraschungen bereit. Von den Schlangen über ein Geheimnis in der Vergangenheit zur Religion – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Mitunter habe ich ein bisschen aufpassen müssen, um mit den ganzen Personen und den Erklärungen nicht durcheinander zu kommen, doch letztendlich hat sich alles erklärt. Die Auflösung des Geheimnisses und die Überführung des Täters werden dann nochmal dramatisch während eines Sturms und mit dem Fast-Tod eines ihrer Verehrer gekrönt.

Fazit:
Ein gelungener Thriller mit Schlangen, einem fünfzig Jahre alten Geheimnis, dass sich bis ins jetzt zieht und leider romantischen Klischees behaftet. Trotzdem war mein Lesevergnügen hoch und von mir bekommt „Schlangenhaus“ 4 Schafe.

4 Schafe

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