Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Erwartung – Jussi Adler-Olsen

2 Comments

Erwartung
Jussi Adler-Olsen – Erwartung
Verlag: dtv
565 Seiten
ISBN: 978-3423280204
19,90 €

 

Inhalt:
Rose wedelt mal wieder mit einem alten Fall vor Carl Mørcks Nase herum. Wie immer hat er so gar keine Lust und schiebt Rose erstmal kurzerhand zur Ausbildung ab. Doch leider ist Rose äußerst geschickt und schon ist sie wieder da und hat immer noch die Akte des vermissten Oberregierungsrats William Stark in der Hand und liegt Carl damit in den Ohren. Stark ist geschäftlich nach Afrika gereist, hat diese Geschäftsreise verfrüht und ohne Angabe von Gründen abgebrochen, ist zurück nach Dänemark geflogen und dort verschwunden. Ist das wirklich ein Fall für das Sonderdezernat Q? Ist William Stark tot oder verschwunden? Carl hat immer noch keine Lust, sich darum zu kümmern, doch sowohl Rose, als auch der noch angeschlagene Assad geben keine Ruhe und er muss sich somit mit einem neuen Fall befassen.

Meine Meinung:
Der fünfte Fall von Carl Mørck und seinen beiden Mitarbeitern Rose und Assad hat mir insgesamt nicht so gut gefallen, wie die Vorgänger. Ja eigentlich muss ich sagen, dass mir der erste Fall immer noch am besten gefallen hat. Trotzdem habe ich die Charaktere liebgewonnen und lese die Serie gerne.

Carl, der sich ewig vor der Arbeit drückende Ermittler, ergibt zusammen mit Assad, seinem geheimnisvollen aber immer äußerst hilfreichen Assistenten, und Rose, die eigentlich mal als Sekretärin angedacht war und zumindest im Moment eher dem Klientel der Polizei als der Polizei entspricht, einfach ein morbides, aber effektives Gespann ab. Ich mag die Zänkereien der drei, bei denen meist Carl – und das obwohl er der Chef ist – immer den kürzeren zieht. Seine Versuche, sich aus der Arbeit rauszuhalten und möglichst viel zu delegieren, aber dann doch einen Riecher für Unstimmigkeiten zu haben und die ‚Fährte‘ aufzunehmen, lassen mich schmunzeln. Klar, die Szenen sind überzogen, aber gerade deshalb doch so schön. Ein wenig fehlt mir das Innenleben von Rose und Assad – wobei um Assad ja sowieso noch ein großes Geheimnis schwebt, dem Carl zumindest hin und wieder auf der Spur ist. Hier erweist er sich weniger hartnäckig, als man ihn sonst so kennt.
Carl hat es diesmal aber auch wirklich nicht einfach. Nicht nur die private Situation mit seinem gelähmten Kollegen Hardy, einem schwulen Pärchen und seinem Sohn unter einem Dach und seiner nörgelnden Ex-Frau ist wie immer gewohnt schwierig, in diesem Teil verabschiedet sich sein Chef in Rente und er muss mit einem unliebsamen Kollegen vorlieb nehmen.

Doch leider beginnt die Ermittlung mit Carl, Rose und Assad recht spät und das ist auch einer meiner Kritikpunkte. Das Buch beginnt mit Geschehnissen in Afrika und Situationen aus der Regierungsbehörde von William Stark. Und aufgrund dieser Ausschnitte weiß man auch was mit Stark passiert ist und es geht nur noch darum, wann Carl und sein Team die Lösung finden. Abwechslung bieten die Erlebnisse um Marco, einen Straßenjungen, der bei seiner Flucht aus dem Clan, dem er angehört, über eine Leiche stolpert und sich dann in Kopenhagen versteckt. Sein Charakter und seine Erlebnisse waren dramatisch gestaltet und sehr interessant zu lesen. Ich habe mir ständig gewünscht, ihm auf den rechten Weg zu bringen. Zugegeben, er mag ein bisschen zu gut für diese Welt sein. Er soll wohl ein Gegenpol zu Zola und seinen Clan sein.

Die Erzählstränge um Carl und sein Team wechseln sich mit denen von Marco ab, zwischendurch kommen auch immer mal wieder andere Charaktere zu Wort, z. B. Starks Vorgesetzter. Die Spannung bestand eher in dem schon vorhandenen Wissen des Lesers und dem Bedürfnis, dass man endlich möchte, dass Carl und Marco zusammentreffen. Doch letztendlich ging es nur noch darum das Buch zu beenden, damit auch die Ermittler den Täter finden und das hat sich mitunter gezogen wie Kaugummi. Hier war für mich definitiv nicht der Weg das Ziel. Wenn ich da an den ersten Fall „Erbarmen“ zurückdenke, bei dem man nicht wusste, warum, wer und wo die Frau festgehalten wurde und zudem ihr erdrückendes Schicksal miterleben musste, fehlte mir bei diesem Band doch einiges an Spannung.

Fazit:
Ein weiterer Fall des Trio infernale, dass einen Schmunzeln lässt, mit tollem Nebencharakter, fast schon Zweitprotagonist Marco, doch leider einem schon bekannten Tathergang und Täter. Somit hat man der Ermittlung nur noch folgen können und mit rätseln war ausgeschlossen. Von mir gibt es dafür 3 ½ Schafe.

3 und ein halbes Schaf

 


Weitere Fälle des Sonderdezernats Q:

1. Erbarmen
2. Schändung
3. Erlösung
4. Verachtung


Und nochmal: Mal so nebenbei bemerkt:

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zum Buch selbst loswerden. Ich verbinde den dtv – Deutschen Taschenbuchverlag – ja immer noch mit Taschenbüchern. Und die Serie um das Sonderdezernat Q hat als Taschenbuch begonnen. Nach dem kommerziellen Erfolg ist der dtv jetzt (also eigentlich schon ab Band 3) dazu umgestiegen, die Fälle im Hardcover zu veröffentlichen. Ich habe diesen Band jetzt ertauscht, aber gekauft hätte ich es nie und ich muss ehrlich sagen, dass ich schon Serien aus den Augen verloren und aufgehört habe, wenn von Taschenbuch auf Hardcover umgestiegen worden ist, da die Wartezeit einfach so lange war. Ich bevorzuge Taschenbücher (schon rein aus finanziellem Aspekt, aber auch einfach aus praktischen Gründen) und ich finde es störend, wenn mittendrin auf Hardcover umgestiegen wird, aber auch hier siegt wohl der Kommerz und ich muss damit leben, meine Serien später weiterzulesen als andere – oder eben gar nicht mehr. Glücklich macht es mich aber nicht.

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2 thoughts on “Erwartung – Jussi Adler-Olsen

  1. Auch hier sprichst Du mir wieder direkt aus meiner Bücher-Seele. Ich habe zwar Olsen noch nicht gelesen (Band 1 liegt aber schon in Sichtweite im Regal ganz vorn^^), habe aber auch mit dem Problem zu kämpfen, dass erfolgreiche Bücher plötzlich auf HC umgestellt werden. Bin nämlich Taschenbuchsammlerin, ich bin in das Format ganz verliebt und möchte, wenn ich eine Reihe einmal als TB begonnen habe, nicht mittendrin auf HC wechseln. Einzige Ausnahme ist bei mir Jeffery Deaver, da gibt es diesmal den neuen Band der Lincoln Rhyme-Reiheauch für mich als HC, aber auch nur, weil da meine Sammlung sowieso aussieht wie Kraut und Rüben. Ich lese den Autor schon seit 14 Jahren und der Verlag hat immer wieder die Ausgaben geändert. Also, so what. Aber bei anderen Reihe finde ich es störend und insbesondere wie in Fällen der Olsen-Bücher fast schon fies. Erst die Leser mit TB ködern und dann läuft es gut und wir stellen auf HC um. Klar bringt das Geld, verstehe ich ja alles, nichtsdestotrotz ist für den Leser mehr als ärgerlich und wie Du ganz richtig sagst, die ein oder andere Reihe verliert man bei der langen Wartezeit schon mal aus den Augen. Schade drum…

    Liebe Grüße!! 🙂

    • Schön, dass wir uns da so gut verstehen… 😉
      Auch wenn es mir nicht gefällt, wie der Verlag die Formate handhabt, kann ich Dir Teil 1 und 2 der Serie um das Sonderdezernat Q nur empfehlen. Soll ja nicht der arme Autor darunter leiden, wenn die Formate ärgerlich sind… 😀

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