Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Kälteschlaf – Arnaldur Indriðason

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Arnaldur Indriðason – Kälteschlaf
Verlag: Bastei Lübbe
381 Seiten
ISBN: 978-3404165469
8,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
In einem Haus am Ufer des Sees þingvellir findet Karen ihre Freundin María erhängt vor. Es gibt keine Einbruchsspuren, keine Zeichen von Fremdeinwirkung, doch so richtig kann Kommissar Erlendur nicht an einen Selbstmord glauben. Vor allem als Karen ihm eine Aufzeichnung einer Séance gibt, an der María teilgenommen hat. Erlendur ist skeptisch und glaubt schon gar nicht an Kontakt mit den Toten oder ein Leben nach dem Tod. Doch kann die Suche Marías einen Hinweis auf ihr Ableben geben? Erlendur fängt an zu graben, ohne eine offizielle Ermittlung zu haben, und fördert ein altes Familiengeheimnis zu Tage…

Meine Meinung:
Wie so oft bei nordischen/skandinavischen Krimis macht „Kälteschlaf“ einen melancholischen Eindruck auf mich. Der Krimi kommt entspannt daher, ohne große Spannungsspitzen, aber mit einem ständig nagenden Gefühl, das da etwas an dem Selbstmord nicht richtig ist. Und diesem Gefühl folgt man zusammen mit Erlendur. Man muss einfach wissen – war es wirklich Selbstmord und wenn ja, warum? Oder war es doch Mord?
Hin und wieder sind Abschnitte zu finden, die Marías Sicht zeigen – natürlich vor dem Selbstmord. So hat der Leser mitunter einen kleinen Wissensvorsprung, doch natürlich wohl dosiert und man darf trotzdem miträtseln, ob und wer es war und vor allem, wie es geschehen ist.

Erlendur ist ein hartnäckiger, aber besonnener Ermittler. Er traut dem Selbstmord nicht und beginnt eine Ermittlung, ohne dass seine Kollegen oder gar der Chef davon wissen. Es ist nicht viel los und er hat Zeit dafür. Natürlich muss er das nicht nur vor seinen Kollegen geheim halten, sondern auch die Personen, die er befragt sind misstrauisch und er „borgt“ sich eine Studie vom Sozialamt um seine Ermittlungen zu begründen.
Auch privat erfährt man einiges von Erlendur. Er ist geschieden und hat nur noch Kontakt zu seinen beiden Kindern Sindri und Eva Lind. Seine Tochter hat sich in den Kopf gesetzt, dass ein normales Verhältnis zwischen ihren Eltern möglich sein muss, obwohl das Erlendur und seine Exfrau abstreiten, doch sie schafft es, dass die beiden sich treffen. Beide machen es wohl, um ihrer Tochter zu helfen, die mitunter Drogenprobleme hat.

Doch zurück zu dem Fall. Weder die Gerichtsmedizin noch die Spurenermittlung kann viel herausfinden oder weiß mitunter gar nicht, wonach sie suchen soll. So marschiert Erlendur von einem Zeugen, Bekannten, Freund, Verwandten zum anderen und man folgt einer klassischen Ermittlung. Nebenbei gräbt er zwei alte Vermisstenfälle aus, zwei junge Erwachsene, die vor fast 30 Jahren verschwunden sind. Beide Fälle wurden nicht miteinander in Verbindung gebracht, sind aber fast zeitgleich geschehen. Der Vater des einen Verschwundenen sucht Erlendur regelmäßig auf und das regt den Kommissar an, sich die Fälle nochmal anzusehen.

Das Finale kommt langsam angeschlichen, doch hat es dann eine gewisse Brisanz und Dringlichkeit. Beide Ermittlungen gelangen zu einem Durchbruch und Erlendur kann sich gar nicht entscheiden, wo er zuerst hin soll. Der/Die Täter/in hat sich m. E. schon durch das Buch langsam herauskristallisiert, doch das Wie war im Falle von Marías Selbstmord das eigentlich Spannende. Das Ermittlungsergebnis der beiden Vermisstenfälle hat mich dann aber doch noch überrascht.

Fazit:
Eine Mordermittlung ohne Mord, „nur“ mit einem Selbstmord und ohne offizielle Ermittlung? Geht nicht? Doch geht! Erlendur zeigt, wie es geht! Von mir gibt es 4 Schafe.

4 Schafe

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