Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Drohnenland – Tom Hillenbrand

7 Comments

Drohnenland
Tom Hillenbrand – Drohnenland

Verlag: Kiwi
432 Seiten
ISBN: 978-3462046625
9,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Aart van der Westerhuizen bekommt einen brisanten Fall zugewiesen. Vittorio Pazzi, EU Parlamentarier, wird erschossen in einem Feld gefunden. Trotz der dichten Drohnenüberwachung und den Möglichkeiten der Spurenanalyse – über Spiegelung des Tatorts bis hin zu Molekularanalyse – ist unklar, wer den Politiker erschossen hat. Wie gut, dass der Fall Westerhuizen zugeteilt wurde – einem der ‚altmodischen‘ Ermittler. Er fährt noch gerne selbst zu den Tatorten und befragt Zeugen lieber selbst als in einer Spiegelung. Doch zusammen mit seiner Analystin Ava Bittman nutzt er auch alle Möglichkeiten von Terry, dem Analyserechner der Ermittler des EU Parlaments. Trotzdem fällt es Westerhuizen und Ava schwer, eine Spur des Täters zu finden. Doch als es endlich gelingt, merken sie erst, in welche Gefahr sie sich begeben haben…

Meine Meinung:
„Drohnenland“ ist ein Kriminalroman der in einer unbestimmten, aber noch nahen Zukunft spielt. Das ist mir wichtig – ich möchte in Büchern, die in der Zukunft spielen, immer noch den Verlauf von unserem Heute in das dortige Jetzt sehen. Deshalb hat es mich besonders gefreut, dass dies bei „Drohnenland“ der Fall ist.

Die Zukunft, in der wir uns befinden, ist dominiert von Technik. Jeder trägt Specs und ist damit immer erreichbar und verfügt über Zugang zu allen möglichen Informationen. Drohnen beherrschen das Stadtbild – zur Überwachung, aber auch als Nachrichtendrohnen, Kuriere, etc. Autofahren ist total entspannt – man muss nur sein Fahrziel nennen. Es regnet ständig – zumindest am Ort des Geschehens, in Brüssel. Es scheint auch mal kurz die Sonne, aber eigentlich ist gerade Regenzeit in Brüssel. Die Konsequenzen des Klimawandels sind also deutlich zu sehen, auch wenn sie hier Nebensache sind. Es gibt wie erwartet Superkonzerne, sogenannte Jébols, die praktisch überall ihre Finger drin haben. Einige Sachen, die mich auch näher interessiert hätten, streift er nur, z. B. dass die USA ihre Macht verloren hat, dafür aber die Brasilianer wohl einiges an Macht (und Geld!) haben.

Die Zukunft, die Tom Hillenbrand zeichnet ist gut überlegt und äußerst realistisch. Der Titel ist „Drohnenland“ und ja, die Drohnen sind allgegenwärtig, doch meines Erachtens keineswegs beängstigend. Hier stellt sich wie immer die Diskussion, was schwerer wiegt: Privatsphäre oder Sicherheit. In „Drohnenland“ werden die Drohnen zur Bekämpfung des Verbrechens benutzt und sind auch durchaus sinnvoll. Doch auch in dieser Welt gibt es Schlupflöcher und so wird auch in der Zukunft ermittelt.

Die EU ist mächtig geworden und hat ihre eigene Polizei bekommen, zu der Aart van der Westerhuizen gehört. Sie setzen neueste Technologie ein, um die Täter zu fassen. Terry heißt ihr Analyserechner, der auch Wahrscheinlichkeiten berechnet. Entgegen meiner Befürchtung, wird aber niemand aufgrund einer schlechten Wahrscheinlichkeitsprognose verhaftet. Für die Kommunikation mit Terry sind die Analysten ausgebildet und jeder Kommissar hat einen Analysten an der Seite. Für Aart ist das Ava.

Aart ist ein kauziger, Ava würde sagen „altmodischer“ Ermittler, der in einer winzigen Wohnung, dafür in direkter Nähe zu seinem Arbeitsplatz wohnt. Der Krimi ist aus seiner Sicht geschildert und in den ersten Kapiteln erscheint er mir kühl und distanziert. Doch letztendlich ist es eher eine kurze, präzise Erzählweise, die in der Umgebung dieser Zukunftsvision äußerst passend scheint. Er ist hartnäckig und legt die Anweisungen von seinem Chef schon mal frei aus. Für mich ist er ein äußerst sympathischer Ermittler, der zwischen Altem und Neuem steckt und zusammen mit seiner Analystin diesen schwierigen Fall versucht zu lösen.
Ava ist eine Frau der Zukunft. Sie vertraut der Technik über alles und kann mit ihr auch dementsprechend gut umgehen. Nichtsdestotrotz ist sie Aarts Vertraute und begleitet ihn durch den Fall hindurch in jeglicher Lage.

Der Fall war wirklich hervorragend konstruiert und in die Welt der Zukunft eingepasst. Da das Opfer ein Parlamentarier ist, handelt es sich um einen politischen Mord und dieser hat nicht nur bei den Obersten Priorität in der Ermittlung, sondern natürlich auch eine ganz andere Ebene der Ermittlung. Aart erhält Zugriff zu der neuesten Version von Terry und zum Mirrorspace – einer Technologie, mit der er sich unsichtbar in ein aktuelles Geschehen hinein spiegeln kann. Diese Technologie wird natürlich hauptsächlich vom Geheimdienst der EU genutzt, doch die Ermittlung ist hoch eingestuft und Aart soll diese wegen der politischen Verwicklungen schnell zum Abschluss bringen. Die Ermittlungen werden für Aart immer gefährlicher und man setzt sogar Auftragskiller auf ihn an.

Das letzte Drittel des Krimis konnte mich sogar nochmal richtig überraschen, denn es zeigt Mittel und Wege der Technologisierung zu entkommen. Nicht ganz einfach, aber möglich. Für Aart in diesem Teil des Krimis unvermeidlich.
Das Finale war dann nochmal spannend und zumindest ich war vom Täter doch überrascht. Vor allem auch von der Tragweite des ganzen Komplotts, welches der Täter verfolgt hat. Und das alles nur wegen der Technologie…

Fazit:
… aber ich will hier nicht zu viel verraten, nur so viel: Dieser Krimi war absolut lohnenswert und kriegt von mir eine klare Kaufempfehlung! Ein Kriminalroman im zukünftigen Brüssel – eine unglaublich realistische Darstellung, die Tom Hillenbrand hier geliefert hat. Für mich ein perfektes Buch, welches eigentlich mehr als 5 Schafe verdient.

5 Schafe

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7 thoughts on “Drohnenland – Tom Hillenbrand

  1. Menno, du bist jetzt schon der dritte Blogger, der sich extrem positiv zu diesem Thriller äußert. Ich muss dieses Buch lesen!

    • Ja, auf jeden Fall! Ich fand den Krimi echt klasse und kann Dir nur empfehlen, den zu lesen.
      Ich wünschte, ich würde mehr so spannende Verknüpfungen von Krimi und Zukunft finden…. *seufz*

      • Och, da gibt es einige Titel: Spademan und 2/14 zum Beispiel. Habe ich auch beide bei mir rezensiert – wenn auch sehr unterschiedlich.

      • Spademan hab ich hier schon ‘rumliegen’ und das wandert dann doch mal spontan weiter nach oben im SUB.
        Für 2/14 hast Du eine Rezension geschrieben und das ist daraufhin schon auf meiner Wunschliste gelandet…. seufz… ich wünschte ich hätte mehr Geld zum Bücher kaufen. 😀

  2. Das stimmt mich extrem freudig, was ich hier lese! Das Buch liegt ja hier schon bereit, mir hat ja beim Anlesen im Buchladen schon der erste Satz genial gut gefallen! 😀 Die Vorfreude ist dank Dir nochmal deutlich gestiegen, muss ganz bald Zeit für das Buch einplanen!! 😀

  3. Pingback: Ein Ende und ein Anfang | Die dunklen Felle

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