Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Der Totschläger – Chris Carter

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Totschläger
Chris Carter – Der Totschläger
Verlag: Ullstein
462 Seiten
ISBN: 978-3548285764
9,99 €

 

 

 

 

Dieses Buch habe ich bei vorablesen gewonnen und hiermit bedanke ich mich dafür herzlich!

Inhalt:
Robert Hunter erhält einen anonymen Anruf. Er soll eine Website aufrufen. Und ab da beginnt ein perfides Spiel. Auf dem Bildschirm sieht er einen Mann, gefesselt in einem Glaskasten sitzen. Der Anrufer lässt Hunter die Wahl: soll der Mann durch Wasser oder durch Feuer sterben. Als Hunter keine Wahl mehr bleibt, entscheidet er sich für Wasser, doch der Zufluss stoppt vor dem Gesicht des Mannes. Da erhält Hunter den nächsten Anruf und das Spiel geht weiter – der Anrufer flutet den Kasten mit Natronlauge und der Mann löst sich buchstäblich auf. Weder kann der Anruf zurückverfolgt werden, noch die IP-Adresse ermittelt werden. Nur eine Sache ist für Hunter und seinen Partner Garcia klar: es wird weitere Morde geben…

Meine Meinung:
Desöfteren muss ich mich über Titel ärgern. So auch hier. Ich weiß leider gar nicht, was der Verlag sich dabei gedacht hat, das Buch „Der Totschläger“ zu nennen. Kein einziges Opfer in dem Thriller wird tot geschlagen. Im Original heißt der Thriller „One by One“ und dieser Titel passt perfekt. Vermutlich musste der neue Titel zu den Titeln der vorigen Bücher passen, damit der geneigte Kunde nicht durch einen total innovativen Titel abgeschreckt wird. Nun ja, ich kann es nicht ändern und will das auch gar nicht an dem Thriller auslassen – für die Wahl des deutschen Titels kann Chris Carter ja nun wirklich nichts.

„Der Totschläger“ ist Teil 5 um die beiden Detectives Robert Hunter und Carlos Garcia. Ich habe alle bisherigen Hunter und Garcia Thriller verschlungen und so ging es mir auch mit dem aktuellsten Band. Es ist ganz klar keine hohe Literatur, sondern schlicht und einfach ein Pageturner. Ein flüssiger, auf den Punkt gebrachter Schreibstil mit kurzen Kapiteln, die auch oft mit einem Cliffhanger enden, so dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann und in einem Rutsch durchliest. Na ja, gut, wenn man arbeitet, dauert es vielleicht auch zwei Rutsche, aber ich denke, ich konnte klar machen, dass „Der Totschläger“ an Spannung kaum zu überbieten ist.

Der Fokus liegt wie auch in den vorherigen Romanen bei Robert Hunter. Er ist nicht nur ein guter Detective sondern durch sein Studium auch fast ein Profiler. Die psychologischen Kenntnisse helfen ihm bei der Analyse der UV (= ultra violent) Fälle. Doch auch wenn Garcia mitunter hinter Hunter steht, finde ich ihn trotzdem nicht zur Nebenfigur degradiert. Die beiden sind ein Team und jeder hat seine Stärken und Schwächen. Garcia ist der aufbrausende, aber trotzdem äußerst fähige Detective, der den Gegenpol zu Hunters Image als ‚Supercop‘ bildet. Der Täter hat Hunter als ersten Ansprechpartner gewählt, doch Garcia hat er keineswegs vergessen oder ausgelassen.
In diesem Thriller wird auch das FBI eingebunden. Die Agentin Michelle Kelly arbeitet in der Abteilung für Cyberkriminalität beim FBI und wird von Hunter und Garcia hinzugezogen. Kelly ist eine ehemalige Hackerin und somit keine richtige Überraschung. Entgegen ersten Befürchtungen reißt das FBI den Fall nicht an sich, allerdings muss man auch anmerken, dass Ms. Kelly nur wenig zu den Ermittlungen beiträgt. Das liegt natürlich auch an der Raffinesse des Täters, doch vielleicht hätte man hier schon ein bisschen mehr rausholen können.

Wie auch beim Schreibstil und der permanent hohen Spannung bleibt sich Chris Carter auch im Punkt Einfallsreichtum treu. Er schafft einen perfiden Killer, der diesmal sogar Robert Hunter kurzfristig ahnungslos stehen lässt. Der Täter wechselt die Tötungsmethoden und bleibt nur seinem Verhalten treu, die „Hinrichtungen“ zu zeigen. Diese Abwechslung macht natürlich einen Teil der Spannung aus – man ist wirklich unheimlich neugierig drauf, was der Täter bzw. Chris Carter sich noch schrecklich grausames ausgedacht hat. Und ja, das muss man zugeben, der Thriller ist nichts für zart Besaitete. Auch dieses Detail zieht sich durch alle Chris Carter Thriller hindurch – alle Morde sind sehr bestialisch und brutal, zudem genauestens beschrieben und dadurch sehr gut vorstellbar.
Einzig die Szene, in der das Haus des Täter durchsucht wird fand ich langweilig – warum muss man Räume ohne Täter oder sonstige hilfreiche Tipps genauestens beschreiben? Ist mir doch egal, ob da 4 oder 5 Stühle stehen…. 😉

Ganz nebenbei bringt Carter auch noch ein höchst aktuelles und nachdenkliches Thema in diesem doch eher zur Trivialliteratur zählenden Thriller unter. Die Sucht / Begierde der Menschen nach Unterhaltung, nach Unterhaltung jeglicher Art. Reality-Shows sind das täglich Brot der Privatsender. Natürlich nicht nur hier in Deutschland, das große Vorbild ist die USA. Kein Wunder, dass amerikanischen Autoren dies eine gute Idee für ihre Romane, Thriller, etc. liefert. In Carters Thriller wird die Tat zur Reality-Show und die Zuschauer dürfen abstimmen. Das Spiel, welches der Täter hier treibt, ist nicht nur für die Detectives, sondern auch für die Leser nervenaufreibend bis zum letzten Klick. Man mag das Gute im Menschen sehen und hoffen, doch leider erfüllt es sich nicht immer. Die Masse der Menschen ist auf Unterhaltung aus – koste es, was es wolle. Zugegebenermaßen hätte ich so viel nachdenklichen Inhalt in einem Pageturner gar nicht erwartet und obwohl Carter das Thema als Hintergrund gewählt hat, fehlt hier doch leider die Tiefe. Das Thema wird angeschnitten und macht einen nachdenklich, doch der Hauptaugenmerk von Carter liegt auf spannender Unterhaltungsliteratur und – machen wir uns nichts vor – das kann er!

Fazit:
Ein Chris Carter wie wir ihn kennen: hemmungslos brutal und detailgetreu, nervenaufreibende Spannung bis zur letzten Seite, ein ausgeklügelter Killer und sympathische, angeknackste Helden. Für mich gibt es Kleinigkeiten, die mir nicht so gefallen haben, doch es reicht allemal für 4 ½ Schafe.

4 und ein halbes Schaf

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