Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Kein Opfer ist vergessen – Michael Harvey

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keinopferistvergessen

Michael Harvey – Kein Opfer ist vergessen

Verlag: Piper
384 Seiten
ISBN: 978-3492302654
9,99 €

 

 

 

 

Inhalt:
Jake Havens erhält kurz vor Beginn eines Sommerkurses mit dem Thema „Cold Cases“ an der Medill School of Journalism eine merkwürdige Botschaft: „98-2425 … Ich hab den Jungn gekilt“. Jake nimmt diesen Fall mit in den Kurs und überredet nicht nur die Dozentin, Judy „Z“ Zombrowski sondern auch seine zwei Kommilitonen Sarah Gold und Ian Joyce dazu, diesen Fall im Kurs zu untersuchen. Die Fallakte 98-2425 weist auf den Tod eines Jungen, der erst entführt und dann ermordet, genauer gesagt, ertränkt wurde. Ein Täter wurde gefasst und kurze Zeit später im Gefängnis getötet. Als die drei sich aufmachen, um den ehemaligen Tatort zu besichtigen, stolpern sie auf eine ‚neue‘ Leiche eines Jungen, die der von damals ähnelt. Doch wie kann das sein – der Täter ist doch verurteilt worden. Oder ist der wahre Täter noch gar nicht gefasst?

Meine Meinung:

Dieser Thriller hat mich gleich angesprochen. Ich bin nicht nur ein großer Serienfan, sondern auch ein Fan der Serie „Cold Cases“. Klasse, dass es die nun im Buchformat gibt und sogar von einem Autor, der Drehbücher für die Serie verfasst hat.

Meist kurze Kapitel, viel wörtliche Rede und wenige Beschreibungen ergeben einen rasanten Schreibstil, der sich nicht in Stilblüten ergeht, sondern direkt und spannend auf den Punkt kommt. Das Buch habe ich an einem Tag und in einem Rutsch durchgelesen – für mich ein „Pageturner“. Die Geschichte wird aus Ians Sicht erzählt und sowohl der Prolog als auch Andeutungen in einem Kapitel am Anfang zeigen dem Leser, dass er noch ein dunkles Geheimnis hat. Diese Stellen hat der Autor wirklich gut geschrieben, denn ich hatte so gar keine Idee, was das wohl sein könnte. Außerdem kommt er darauf erst echt spät wieder zurück – da hatte ich das schon fast wieder vergessen. Der Sprachstil gefiel mir also außerordentlich gut.

Der Sommerkurs, den „Z“ gibt, existiert schon seit 10 Jahren, doch schon von Anfang an merkt man, dass es dieses Jahr anders ist und wird. Die drei Protagonisten finden sofort Interesse an dem Fall, den Jake mit in den Kurs bringt, auch wenn die Dozentin skeptisch ist. Alle drei sind für dieses Seminar ausgewählt worden und fragen sich, ob sie dort richtig sind. Alle drei zählen zu den besten – Ian und Sarah auf der Medill, wohingegen Jake von einer juristischen Fakultät an die Medill gewechselt ist. Sarah ist der Puffer zwischen den beiden Jungs, allerdings auch Anlass zu Unmut. Ian ist schon lange verliebt in Sarah, doch bisher hat sie ihn nicht bemerkt. Ian ist dementsprechend eifersüchtig, wenn Jake und Sarah miteinander sprechen oder etwas recherchieren. Jake und Ian haben aber sowieso eine andere Wellenlänge und würden ohne den Kurs wohl nicht miteinander reden. Ian ist eher wohlerzogen, strebt nach einem guten Abschluss und leid geprüft nach der langen Krankheit und dem darauffolgenden Tod seiner Mutter. Jake ist eher der Draufgänger, verschlossen aber hartnäckig. Er ermittelt am verbissensten, auch wenn Ian mehr im Mittelpunkt steht. Die Recherchen und die fast schon überschlagenden Ereignisse der Recherche schweißen die drei aber zusammen und jeder von ihnen kann sich auf den anderen verlassen.

Zugegebenermaßen fand ich den neuen Leichenfund am alten Tatort ein bisschen unglaubwürdig. Das verleiht der Recherche der drei zwar eine gewisse Brisanz, doch war mir das zu inszeniert. Sehr gelungen hingegen fand ich, dass es neben dem Mord an dem Jungen und Ians Geheimnis noch etwas Drittes aufzudecken gibt. Ich will hier nicht zu viel verraten, deshalb bleibe ich mal unbestimmt, aber dieses Verschlungene von mehreren Fällen bzw. Geheimnissen, das zudem noch Jahre zurückliegt, macht den Reiz dieses Thrillers für mich aus. Man versucht Tatsachen aufzuklären, die schon so weit zurück liegen. Dokumente fehlen oder sind kaum leserlich, Beteiligte sind vielleicht schon gestorben oder nicht mehr vernehmbar, altes Spuren können neu mit heutigen Mitteln untersucht werden. So ein „Cold Case“ hat einfach einen ganz anderen Hintergrund, den ich echt faszinierend finde. Die Untersuchung von Aspekten kann sich schwieriger als damals aber eben auch leichter als damals herausstellen.
Die Auflösung war in dem Sinne für mich überraschend, dass sich eben eines aufgeklärt hat und ich war dann eigentlich schon glücklich, bis mir die Frage: „Halt mal, da war doch noch dieser Mord…“ durch den Kopf gehuscht ist. Positiv finde ich es auch, dass der Autor die Figuren ‚hart‘ rannimmt. Es ist eben kein Cozy Crime sondern ein Thriller – hier darf den Protagonisten durchaus auch mal etwas schlimmes passieren und damit der Auflösung des Falles einen negativen Beigeschmack geben – das ist in dem Fall etwas Gutes, was mir gefällt und ich in Thrillern gerne öfters hätte.

Fazit:
Ein absolut gelungener Thriller – rasant, spannend, verschlungen und verzwickt. Ein ‚Pageturner‘, den ich nicht aus der Hand legen konnte und nur empfehlen kann. Von mir gibt es 5 Schafe!

5 Schafe

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