Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Gesa Gauglitz – Stirbwohl

3 Comments

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Gesa Gauglitz – Stirbwohl
Verlag: KBV
343 Seiten
ISBN: 978-3942446945
9,90 Euro

 

 

Dieses Buch habe ich auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse erworben und neben der Steam Punk Anthologie war das wohl das außergewöhnlichste Buch. Es ist rosa – ein rosa Krimi. Ich mag ja nicht an Vorurteilen festhalten, aber rosa Krimis kenne ich nun doch kaum – oder besser gesagt eigentlich sonst gar keinen. Nichtsdestrotrotz wurde es mir von einer Mitarbeiterin am Stand wärmstens empfohlen und immerhin steht ‚Kriminalroman’ auf dem Cover, es ist im KBV erschienen und der Cupcake auf dem Cover hat kleine pastellfarbene Kreuze…. ich war seeeeehr gespannt, wie mir diese Buch wohl gefällt.

Inhalt:

Sophie und Valerie sind beste Freundinnen. Schon von Kindheit an. Valerie ist nicht nur charakterlich fantastisch – nett, offen, hilfsbereit, etc. – sondern sie hat in ihrem Leben auch alle ihre Wünsche erfüllt bekommen: Sie hat einen supertollen Job als Star-Lektorin, einen liebevollen Mann und zwei Kinder, ein weiteres Baby ist unterwegs, eine Traumvilla als Zuhause und finanziell läuft auch alles gut. Sophie hat das alles nicht. Sophie hat nur Valerie, einen Assistentinnenjob im Verlag, keinen Freund und eine kleine, enge Wohnung. Kein Wunder, dass Sophie neidisch auf Valerie ist, ja sie sogar hasst. Und nach so langer Freundschaft hat sie jetzt genug. Sophie versetzt Valerie einen ‚Schubs’, der tödlich endet und nimmt nach und nach Valeries Platz ein…

Meine Meinung:
Vorab muss ich sagen, dass ich mir das Buch im Laden nie gekauft hätte. Rosa passt einfach nicht in den Bereich Spannungsliteratur. Die kleinen Kreuze fallen da auch nicht so auf und so wäre das Buch im Laden von mir links liegen gelassen worden. Auch muss ich sagen, dass die Betitelung ‚Kriminalroman’ hier sehr weit gefasst ist. Die Polizei taucht mal kurz auf und ansonsten beginnt höchstens Bea, die dritte Freundin im Bunde, am Ende nachzuforschen und ein bißchen zu ermitteln. Ja, es sterben dort Menschen, doch das passsiert auch in Romanen, historischen Romanen, Fantasy, etc. (hab ich gehört zumindest gehört… ;-)). Warum dieses Buch also den Aufdruck ‚Kriminalroman’ trägt ist mir doch schleierhaft.

Der Schreibstil von Gesa Gauglitz gefällt mir gut. Wie in den meisten humorvollen Frauenromanen ist er einfach, aber schnell wegzulesen und hat eine gehörige Portion schwarzen Humor in sich. Die Kapitel sind unter den unterschiedlichen Figuren aufgeteilt, so dass man immer wieder eine andere Perspektive hat. Sogar Labrador, der Familenhund, darf ein Kapitel sein eigen nennen. Ein-, zweimal bin ich hier durcheinander gekommen, doch im großen und ganzen fand ich das innovativ und sehr abwechslungsreich.

Die meisten Charaktere lernt man – eben durch die unterschiedlichen Perspektiven – sehr gut kennen, da man diese eben dann nicht nur aus Sicht einer Figur erlebt, sondern alle ‚Innenleben’ der Figuren kennenlernt. Sophie selbst erschien mir am Anfang sogar noch harmlos, doch nach und nach offenbart sich ihre psychopathische Seite. Vor allem in den Gesprächen mit Richard, Valeries Ehemann, kann man das beobachten. Wie Sophie es immer wieder hindreht, dass alles nach ihrem Plan läuft ist schon beeindruckend – und auch beängstigend. Richards Charakter hingegen erscheint mir mitunter ein bißchen lasch. Vor allem in den Situatinen, in denen Sophie und Antonia, Richards und Valeries Tochter, unstimmig sind. Alles in allem finde ich die Charaktere aber sehr stimmig, was vermutlich schon daran liegt, dass man die Erlebnisse aus der Perspektive jedes Charakters mitbekommt.

Das Buch war sehr gut durchzulesen, doch ich hatte ein paar Spannungshöhen und –tiefen. Vor allem der Anfang liest sich ‚gschwind’ durch, doch ab so Seite 100 flaut es etwas ab. Dazwischen hatte ich Kaptitel, die mir mehr gefielen, welche die mir weniger gefielen. Am Ende hin spitzt es sich zu und die Spannung ist fast greifbar. Man hat schon so viel von Sophie aushalten müssen, dass man einfach mit den anderen mitfiebert. Man will, dass sie jetzt endlich erkennen, wie manipulativ und rücksichtslos Sophie ist und das Lügenkonstrukt zusammenbricht. Darf man am Ende aufatmen oder überrascht einen die Autorin? Da möchte ich hier nicht verraten, aber so viel: Selbst wenn das Ende vorhersehbar wäre, ist die Idee des Buches und die Umsetzung so gut gelungen, dass man es durchweg empfehlen kann.

Fazit:
Kein Kriminalroman, aber ein spannender, humorvoll-rabenschwarzer Roman um eine Psychopathin als beste Freundin. Gerade weil es in kein Raster so richtig reinpasst, bekommt es von mir 5 Schafe.

5 Schafe

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3 thoughts on “Gesa Gauglitz – Stirbwohl

  1. Ich mag deine Rezensionen immer sehr gerne! 🙂 Die lesen sich toll und sind aussagekräftig, super Mischung! Ich kann mir bei Dir dann meist immer gleich sehr gut vorstellen, ob das Buch etwas für mich wäre oder nicht. Du beschreibst das echt gut!

    Bei dem Cover wurde ich aber auch erstmal stutzig und dachte, Du machst gerade Genreausflüge! ;D Aber das klingt insgesamt ein wenig nach “furchtbar lieb” von Helen FitzGerald, in dem man auch ehr eine bitterböse Geschichte und weniger einen Krimi serviert bekommt. Wobei dieses Buch zugegebener Maßen auch nicht als Krimi betitelt, aber durchaus vom Cover als etwas dieser Art vermarktet wurde. Falls Du mal gucken magst: http://www.amazon.de/Furchtbar-lieb-Roman-Helen-FitzGerald/dp/3462043080/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1399496395&sr=1-1&keywords=helen+fitzgerald
    Also ich meine die Ähnlichkeit jetzt in Richtung Ideenklau ausgelegt, sondern einfach von der Struktur der Geschichte könnte das etwa in die gleiche Kerbe schlagen.

    Na jedenfalls, lange Rede, kurzer Sinn, rabenschwarz finde ich ja irgendwie gut! Bin auch schon auf deine Meinung zu “Es gibt keine Toten” gespannt!

    Gutes Nächtle, die WortGestalt

  2. Das ist ja ein tolles Lob – vielen Dank!
    Ich freu mich natürlich sehr, wenn meine Rezensionen nicht nur informieren, sondern sich auch gut lesen lassen und ein bißchen unterhaltsam sind. Bei ‘Stirbwohl’ war ich wirklich überrascht, wie gut es mir gefällt. Die Kurzbeschreibung bei ‘Furchtbar lieb’ liest sich schon fast wie bei ‘Stirbwohl’ – aber zum Glück nur am Anfang, sonst hätte ich wirklich Ideenklau dahinter vermutet… 😉 Das hört sich aber schon gut an – und landet dann mal auf meiner Wunschliste…
    In ‘Es gibt keine Toten’ ist allerdings nichts rabenschwarz oder humorvoll – das wird nach der Rezension sozusagen ein Kulturschock!

    LG,
    Das dunkle Schaf

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