Die dunklen Felle

Krimis und Schafe – und Felle (oder Fälle?)

Lyndsay Faye – Der Teufel von New York

2 Comments

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Lyndsay Faye – Der Teufel von New York
Verlag: dtv
Seiten: 469
ISBN: 978-3423249935
15,90 €

 

 

 

 

Inhalt:
Nicht ganz freiwillig tritt der junge Timothy Wilde der neu gegründeten Polizeitruppe von New York bei. Schon wenige Tage später läuft ihm ein kleines Mädchen in die Arme. Sie ist völlig verstört und trägt nur ein Nachthemd, welches mit Blut befleckt ist. Als dann die geschändete Leiche eines Jungen auftaucht, stellt Wilde eine Verbindung zu Bird Daly, dem kleinen Mädchen, her. Er gewinnt das Vertrauen von Bird und durch Ihre Infos stösst er auf ein entlegenes Gelände, auf dem neunzehn vergrabene Kinderleichen gefunden werden. Wilde macht sich an die Lösung des Falles, doch nicht nur sein Bruder, sondern auch die Gerüchteküche New Yorks, politische Ränkespiele und Intrigen sowie das aufgeheizte Klima gegen die irischen Einwanderer machen seine Aufgabe alles andere als leicht…

Meine Meinung:

Ganz gespannt habe ich auf das Buch gewartet und mich sehr gefreut, dass ich es zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Ich habe es dann auch zügig begonnen – gerade passend hatte ich Urlaub.

Leider bin ich aber nicht ganz so schnell und rasant durch das Buch gekommen, wie ich mir das gewünscht und vorgestellt habe. Der Schreibstil der Autorin ist zwar eingängig und auch angenehm, doch leider ließ es an Spannung missen und konnte mich einfach nicht dauerhaft fesseln. Vielleicht liegt das an der historischen Detailliertheit, die ich jetzt gleich aber nichtsdestrotrotz loben möchte.

Die historische Ausarbeitung des Buches ist gut gelungen. Ich konnte mich wirklich gut in die Zeit hineinversetzen und bin begeistert vom New York des 19. Jahrhunderts. Was mir bis jetzt auch nicht so bewusst war und die Autorin als Reizthema in dem Krimi gut verbaut hat, war die negative Stimmung gegen die irischen Einwanderer. Wenn diese Phase in unseren Geschichtsbüchern dargestellt wird, geht es hauptsächlich darum, dass die Iren vor der Kartoffelseuche und der Armut nach Amerika fliehen, doch hier sieht man mal die andere Seite: eine Stadt, die von armen, nach Arbeit suchenden Menschen überflutet wird. Die anti-irische, aber auch anti-katholische Einstellung der restlichen New Yorker wurde eindringlich vorgestellt.
Hierzu gehört auch am jeweiligen Kaptitelanfang ein Zitat aus historischen Dokumenten. Die fand ich zwar ganz nett, allerdings stören mich solche Zitate oft im Lesefluss und letztendlich kann ich mir die doch nicht bis zum Ende merken.
In dem Buch wird mitunter auch „Flash“ geredet, die Gaunersprache der New Yorker zu dieser Zeit. Zwar finde ich es schön, dass dieses Detail eingearbeitet wurde, doch leider muss man dann, um den Satz zu verstehen, öfters mal im hinten angefügten Glossar blättern. Manche Sätze sind im Text übersetzt, doch eben nicht immer – was ich mir allerdings gewünscht hätte. Auch mit Fußnoten wäre ich glücklich, doch das liegt bestimmt nicht allen.

Der Protagonist, Timothy Wilde, ist sehr sympathisch beschrieben. Er ist der ‚gute’ von den beiden Brüdern. Er schlägt sich aufrecht als Barkeeper durchs Leben und konnte auch einen Notgroschen ansparen. Leider nimmt ihm ein Brand sowohl seinen Job als auch sein Gespartes. Sein Bruder vermittelt ihn zur Polizei und das ist wohl auch schon einer der Gründe, warum er eigentlich kein Polizist sein möchte, denn sein Verhältnis zu Valentine, seinem Bruder ist nicht sehr gut. Valentine ist grobschlächtig und wild, er ist politisch engagiert, Feuerwehrmann und nun Captain bei der Polizei. Nichtsdestotrotz hat Valentine in Bezug auf seinen Bruder ein gutes Näschen, denn Timothy ist der ideale Polizist. Er ist keiner, der einen Fall auf sich beruhen lässt, er hat Prinzipien und Moral und lässt sich nicht bestechen. Die Nebencharaktere sind liebevoll gezeichnet und bis in die kleinsten Nebenfiguren gut durchdacht. Ganz besonders hat mir Mr. Piest gefallen, der praktisch das heutige CSI mimt und Spuren und Beweismittel sucht.

Die Leichen der Kinder sind – für das 19. Jahrhundert – recht grausam hergerichtet und stehen den ‚heutigen’ Leichen nicht nach. Der Fall war knifflig und gut konstruiert. Die Ermittlung von Timothy Wilde ist mitunter langwierig, doch das schreibe ich mal der Tatsache zu, dass es eben ein historischer Krimi ist und keiner mit DNA-Spuren, etc. Nichtsdestrotrotz hat Wilde gute Einfälle und durch seine Zeit als Barkeeper auch einige Kontakte, bzw. weiß, wie man sich neue Kontakte generiert, so dass er der Lösung immer näher kommt, die sich dann zu mehreren Lösungen aufteilt. Ich bin froh, dass ich nur eine erraten habe, denn so war ich am Ende noch positiv überrascht über die ungewöhnliche Auflösung.

Fazit:

Alles in allem war die Lektüre zwar etwas schleppend, doch „Der Teufel von New York“ war wirklich gut ausgearbeitet und es hat Spaß gemacht, ihn zu lesen. Wegen der mitunter fehlenden Spannung gibt es von mir ‚nur’ 4 Schafe.

4 Schafe

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2 thoughts on “Lyndsay Faye – Der Teufel von New York

  1. Schöne Rezension! Bestätigt ein bisschen mein Bauchgefühl, das mich bisher von einem Kauf abgehalten hat. Wie Du ja beschreibst, hatte auch ich mit viel historischen Details gerechnet und das ebenfalls auch erwünscht, aber im Moment wäre mir das tatsächlich zu langatmig, da muss man wohl in der richtigen Stimmung sein und die Muße dafür haben, oder?
    Na jedenfalls sehr toll rezensiert!! 🙂

    Liebe Grüße, WortGestalt

  2. Oh ja, man muss schon in der richtigen Stimmung sein, einfach gerade Lust auf historisches haben. Aber lohnen tut es sich schon. 🙂

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